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Wie die Lehrer das Lehren lernen

Wie die Lehrer das Lehren lernen

Die Lehrer sind gemeinhin der Prellbock jeder bildungspolitischen Diskussion. Aber über die Frage, wie man die Ausbilder der Schüler optimal ausbildet, wie man die geeigneten Talente fürs Lehrerpult gewinnt und weniger Begabte vom Lehrberuf abhält, wird kaum gesprochen. Das könnte sich mit der am Montag startenden Ringvorlesung an der Uni Trier ändern.

Trier. (DiL) "Kulturen der Lehrerbildung", so lautet das Motto der öffentlichen Ringvorlesung im Wintersemester, die sich traditionell nicht nur an Studenten, sondern an alle Interessierten richtet. Sieben Vorträge und eine Podiumsdiskussion beleuchten bis zum Februar verschiedene Facetten des Reiz-Themas Lehrerbildung.

Dabei geht es, wie gleich der Eröffnungsvortrag zeigt, nicht nur um abstrakte Wissenschaft, sondern auch um handfeste Bildungspolitik. Professor Hans N. Weiler spricht am 17. November um 18.15 Uhr im Audimax über "Ein deutsches Dilemma - Reform der Lehrerbildung und Reform der Hochschulen". Im weiteren Verlauf der Reihe geht es um die Geschichte der Lehrerbildung (Prof. Helga Schnabel-Schüle am 1. Dezember), die "Vermittlungswissenschaft Fachdidaktik" (Prof. Bernd Ralle am 8. Dezember), "Nutzbares Wissen als Bildungsziel" (Prof. Elsbeth Stern am 12. Januar) und "Kompetenzorientierte Gymnasiallehrerbildung" (Prof. Dorit Bosse am 26. Januar).

Zum Finale am 9. Februar stellt man sich der Auseinandersetzung mit der Lehrerbildung im Pisa-Musterland Finnland (Prof. Matti Meri) und der "Psychischen Gesundheit im Lehrerberuf" (Prof. Uwe Schaar schmidt).

Trier hat mehr als 2000 Lehramts-Studenten



Der Schwerpunkt ist kein Zufall. Die Ausbildung von Lehrern spielt an der Uni Trier von jeher eine große Rolle. Rund 15 Prozent der Studierenden, also mehr als 2000, streben ein Lehramts-Examen an. 80 Prozent wollen Gymnasiallehrer werden, 20 Prozent zieht es an die Realschule.

Jahrzehntelang lag die Verantwortung für die Lehramts-Ausbildung bei jedem einzelnen Fach - keine auf Dauer überzeugende Lösung. Und so kümmert sich seit 2005 das eigens geschaffene "Zentrum für Lehrerfortbildung" (ZfL) um die Koordination. Man erarbeitet Vorschläge zur Studienstruktur, wirkt bei der Erstellung von Studienplänen und Prüfungsordnungen mit, berät interessierte Studenten und kümmert sich um die Erforschung der Lehrerausbildung.

"Es herrscht nicht mehr so viel Beliebigkeit", resümiert Prof. Helga Schnabel-Schüle, Leiterin des Trierer ZfL, und spricht von einer "Vorreiterrolle für Rheinland-Pfalz".

Viel Praxis für die Lehramtskandidaten



Aber die Abstimmung mit den Fächern bedeutet viel Arbeit für die kleine Truppe um Geschäftsführerin Birgit Weyand. Vor allem, weil man sich gemeinsam mit Experten aus den Schulen für eine größere Verzahnung von Studium und praktischer Ausbildung vor Ort einsetzt. So soll verhindert werden, dass mit theoretischen Kenntnissen perfekt ausgestattete Absolventen zu spät via Praxisschock feststellen, dass sie doch besser etwas anderes gemacht hätten. "Nicht jeder gute Wissenschaftler ist unbedingt ein guter Lehrer", sagt Birgit Weyand. Was jeder bestätigen wird, der selbst mal Schüler war.

Deshalb "tingeln wir auch durch die 12. Klassen", erzählt Weyand. Interesse am Lehrberuf wecken, dann per "Potenzial-Analyse" feststellen, ob auch die Eignung vorliegt, so lautet die Strategie. Denn, so mahnt die ZfL-Homepage, wer Lehrer werden möchte, müsse sich fragen, "ob er mit Menschen unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft, unterschiedlicher Begabung und Leistungsfähigkeit umgehen kann und will". Dafür bedürfe es "Geduld und Nervenstärke".

Lehrsamtsstudium nicht gut nachgefragt



Derzeit schwächelt freilich die Nachfrage auf studentischer Seite derart, dass man jeden nehmen muss, der freiwillig aufs Lehramt hinsteuert. Da kann Birgit Weyand von finnischen Verhältnissen nur träumen, wo sich die Bewerber um jeden Lehramts-Studienplatz drängen. Das habe, mutmaßt die Expertin, "weniger mit Geld zu tun als mit sozialem Ansehen". Vielleicht kann ja die Ringvorlesung zur Besserung beitragen. "Wir sehen das", sagt Weyand, "auch als Anerkennung".