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Wie ein Schock aus heiterem Himmel

Trier. Gedrückte Stimmung bei der Trie-rer Polizei: Dass ein langjähriger Kollege erst seine kleine Tochter und dann sich selbst mit der Dienstwaffe erschossen hat, ist für die Polizisten ein Schock. Nichts, so heißt es im Polizeipräsidium, habe im Vorfeld auf die Familientragödie hingedeutet. Dieter Lintz

Trier. Angesichts der großen überregionalen Mediennachfrage lud Polizeipräsident Lothar Schömann gestern kurzfristig zu einer Pressekonferenz ein. Die Bildzeitung hatte den Fall des Trierer Kommissars groß aufgemacht und dabei ein bei anderer Gelegenheit entstandenes Bild des Täters aus volksfreund.de verwendet - widerrechtlich und ohne Genehmigung des TV.
Der Polizeichef spricht von "Betroffenheit und Fassungslosigkeit" über die Tat des Polizisten, vor allem bei den 16 Mitarbeitern der Trierer Innenstadtwache, wo der 49-Jährige seit Jahren Dienst tat. Anzeigen aufnehmen, Vernehmungen durchführen, auf Fußstreife durch die Stadt laufen: So sah sein bürgernaher Arbeitsalltag aus. "Er dürfte vielen Menschen in der Stadt bekannt gewesen sein", sagt Schömann. Bernd J. war mehr als 20 Jahre im Dienst des Trierer Polizeipräsidiums, seit 1995 arbeitete der gebürtige Saarländer bei der Polizeiinspektion Trier. Er pendelte täglich zwischen seinem Arbeitsplatz und dem Haus der Familie in Saarlouis.
Noch am Freitag hatte Bernd J. bis 20 Uhr Dienst getan, die Kollegen winkend verabschiedet und dann als letzter die Wache verlassen. Von Eheproblemen oder einer bevorstehenden Trennung war im Kollegenkreis nie die Rede. Dabei habe er "oft von seiner Familie gesprochen", sagt seine Vorgesetzte Sigrid Herz. Und dabei seine Tochter als "sein größtes Glück auf Erden" bezeichnet.
Was ihn bewogen hat, diese Tochter mit einem gezielten Kopfschuss zu töten und sich anschließend selbst umzubringen - diese Frage treibt auch viele in der Trierer Polizei um, die ihn kannten.
"Es herrscht Sprachlosigkeit", sagt Präsident Schömann. Dennoch wolle man sich "mit der erforderlichen professionellen Distanz an der Aufklärung beteiligen". Dabei spielt Trier allerdings keine große Rolle. Neuigkeiten kamen gestern aus Homburg, wo die Leichen von Vater und Tochter obduziert wurden. Danach hatte Bernd J. mehr als zwei Promille Alkohol im Blut, als er zu seiner Dienstwaffe griff und die beiden - sofort tödlichen - Schüsse auf sein Opfer und sich abgab.
Dass er seine Polizeipistole mit nach Hause genommen hatte, ist dem Trierer Polizeipräsidenten noch einmal eine ausführlichere Erläuterung wert. Laut rheinland-pfälzischer Dienstvorschrift haben Polizeibeamte die Wahl, ob sie ihre Waffe auf ihrer Dienststelle wegsperren oder mit nach Hause nehmen. Oft sei es sinnvoll, die Waffe griffbereit zu haben, wenn man etwa kurzfristig in den Dienst gerufen werde, erläutert Schömann. Zwar gilt für Polizeibeamte die Verpflichtung, die Waffe zu Hause gegenüber Dritten sicher zu verwahren. Wenn sie aber selbst zu Tätern werden, greift wahrscheinlich jede Dienstvorschrift zu kurz.
Grundsätzlich, das macht Schömann deutlich, kann Polizisten auch die Mitnahme der Dienstwaffe untersagt werden - dann, wenn es Anhaltspunkte gibt, dass sie andere oder sich selbst gefährden könnten. Aber genau dafür gab es bei Bernd J. offenbar nie einen Anlass.