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Wie Schüler nach den Herbstferien unterrichtet werden, hängt von der Art des Ausbruchs in ihrem Kreis ab

Schule in der Pandemie : So geht es am Montag in den Schulen weiter

Maskenpflicht, Wechsel von Fern- und Präsenzunterricht oder gleich ganz von Zuhause: Wie Schüler nach den Herbstferien unterrichtet werden, hängt von der Stärke des Virusausbruchs in ihrem Kreis ab.

Schulen und Kitas sollen möglichst geöffnet bleiben. Das wünscht sich nicht nur Bildungsministerin Stefanie Hubig. Dabei mache es aber einen Unterschied, ob ein Infektionsgeschehen eng eingrenzbar oder in der Gesellschaft breit gestreut sei. Denn anders als im März und April wisse man, dass Schulen und Kitas nicht der Treiber der Pandemie seien, sagt die SPD-Politikerin.

In der Schule. Grundsätzlich gilt, steigen die Infektionszahlen und werden regional unterschiedliche Ausbruchsgeschehen festgestellt, wird darauf lokal reagiert. Grundlage für alles ist der Corona Warn- und Aktionsplan RLP. Für Schulen gilt schon seit 17. August der „Hygieneplan für Schulen“ mit einem gestuften Vorgehen. Bereits nach einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von 25 Infektionen pro 100 000 Menschen im Kreis werden für Schulen demnach Maßnahmen geprüft.

Sabine Schmidt, Pressesprecherin des Bildungsministeriums, sagt unserer Zeitung: „Da gibt es aber keinen Automatismus.“ Je nach Streuung oder Lokalisierbarkeit des Infektionsgeschehens entscheide die  regionale Corona-Task-Force, bestehend aus Vertretern von Land und Kreis, was für die Schulen gelte. Die Maßnahmen empfehle sie dann dem jeweiligen Landrat oder Bürgermeister. Der ordne sie für den nächsten Tag an der Schule an. Die jeweilige Task-Force tagt auch am Wochenende.

So müssen nun ab Montag in der Stadt Trier und in allen Landkreisen des Volksfreund-Verbreitungsgebiets außer Bernkastel-Wittlich alle Schüler ab der fünften Klasse während des Unterrichts eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Für Grund- und Förderschulen gilt die Verpflichtung nicht. Wohl aber bei Institutionen der Erwachsenenbildung. Die Verfügungen gelten 14 Tage.  In Wittlich gilt die Maskenpflicht im Unterricht erst ab Dienstag, 27. Oktober.

Der Weg zur Schule. Zum Thema Schulbeförderung und der Frage, wie voll Schulbusse angesichts des Infektionsgeschehens besetzt sein dürfen, bleibe das Bildungsministerium in Mainz weiter mit den Schulträgern im Austausch. Das schreibt Bildungsministerin Stefanie Hubig in einem Elternbrief der Ministerin zum Beginn der Herbstferien. „Damit kein Kind an der Bushaltestelle stehen gelassen wird, hat das Land zusätzliche Einwegmasken bereitgestellt, wenn unsere Kinder und Jugendlichen mal die Maske zu Hause vergessen haben. Solche Notmasken stehen auch an den Schulen zur Verfügung.“

Landeselternsprecher Reiner Schladweiler aus Temmels sagt: „Eigentlich wollen die Eltern keine flächendeckenden Schulschließungen mehr, denn das Ende des letzten Schuljahres ist vielen in Erinnerung.“ Er fordert vom Bund die Bekämpfung der bundesweiten Pandemie voll zu finanzieren, damit zum Beispiel im ÖPNV Abstand gehalten werden könne. Das sei nun „dringender denn je“. Des Weiteren fordert er unter anderem mobile Raumluftreiniger mit Hepafilter H14, eine Plexiglasscheibe zwischen den Schülern am Tisch, eine Einstellungsoffensive für mehr Lehrkräfte und kleinere Klassen. Er sagt: „Dazu könnten Räume angemietet werden wie die der Volkshochschulen oder Conatiner aufgestellt werden.“

Der Ministerrat hatte am Dienstag ein Sechs-Millionen-Euro-Förderprogramm für mobile Lüftungsgeräte beschlossen.  „Das Lüften der Klassenräume bleibt – neben der Einhaltung der AHA-Regeln – das A und O“, erklärte Stefanie Hubig nach der Sitzung. Schulträger können die mobile Luftreinigungsgeräte für Schulen anschaffen, vorausgesetzt die Fenster sind nicht zu ertüchtigen und die jeweiligen Räume werden für den Unterricht gebraucht.

Seitens der Lehrerverbände ist man sich einig: Schulschließungen wie im Frühjahr sollen möglichst verhindert werden. Dennoch dürfen Schulen nicht um jeden Preis und schon gar nicht auf Kosten der Gesundheit geöffnet bleiben.

Der Verband Reale Bildung (VRB) kritisiert, dass die zahlreichen Regelungen teilweise widersprüchlich seien. „Alltagsbeschränkungen enden am Schultor“, moniert VRB-Landesvorsitzender Timo Lichtenthäler mit Blick auf das aktuelle Szenario. Eltern und Schüler seien irritiert, wenn Bildungsministerin Hubig im Gegensatz zu Expertenmeinungen bekunde, dass Schulen keine Treiber innerhalb der Corona-Pandemie darstellten.

Klaus-Peter Hammer, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz, sagt zu den geförderten Lüftungsanlagen: „Da muss man genau schauen, wer das wirklich braucht. Und wir benötigen eine klare Information, welche Geräte die besten sind.“ Außerdem müssten Schulen digital gerüstet sein. „Mich entsetzt immer wieder, dass manche Schulen i-Pads haben aber kein vernünftiges W-Lan. Das muss jetzt funktionieren.“

Elisa Engert vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) sagt: „Bevor es wieder zu Schulschließungen kommt, versuchen die Schulen vor Ort von Lüftungskonzepten bis zu eventuellen Stundenplananpassungen alles, um Lösungen zu finden.“ Schule sei nicht nur Unterricht, sondern auch eine Betreuungsinstanz. Sie kritisiert: „Wieder kommen Zusagen wie die Förderung von mobilen Lüftungsanlagen in letzter Minute. Die Informationen erhalten wir scheibchenweise und viel zu spät – daran hat sich seit März nichts geändert.“ Man werde sich jetzt auf eine erweiterte Maskenpflicht im Unterricht und den hybriden Unterricht vorbereiten. Der Mix aus Präsenz- und Fernunterricht sei aber eine Notlösung. Bei den stufenweisen Schulöffnungen im Mai habe sich auch gezeigt, dass Schüler in kleineren Gruppen besser und mehr lernen. Corona verschärfe außerdem die Situation rund um den Vertretungsunterricht. Schon zu normalen Zeiten fehle es an ausreichendem Vertretungspersonal.

Auch die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Anke Beilstein, schlägt vor, sofort mit der Aufstockung des Vertretungslehrerpools zu beginnen. Die Fraktion möchte außerdem die Abi­turprüfungen 2021 diskutieren. Der Fraktionsvorsitzende Christian Baldauf schlägt vor zu prüfen, ob die Abiturprüfungen in den Frühling oder Sommer verlegt werden können. Weil im Januar die ersten Abiturprüfungen beginnen, starte nach den Herbstferien die Vorbereitungsphase. Schüler bräuchten hier Klarheit und kein coronabedingtes Prüfungsdilemma, so Baldauf. Das Infektionsgeschehen sei in den wärmeren Monaten leichter zu kontrollieren.

Schülervertreter haben davor gewarnt, aufgrund steigender Infektionszahlen wieder zu einem reinen Online-Unterricht zurückzukehren. „Wir haben gesehen, dass das nicht gut läuft und die Schulen vielerorts nicht darauf vorbereitet sind“, sagte Torben Krauß, Sprecher der Bundesschülerkonferenz, die von Donnerstag bis Sonntag in Saarbrücken stattfindet. Präsenzunterricht sollte so lange wie möglich stattfinden, erklärte Krauß.

Von diesem befreien lassen können sich Schüler nicht. In Kaiserslautern hat ein Verwaltungsgericht einen Eilantrag eines Internatsschülers abgelehnt, der wegen der Corona-Pandemie Fernunterricht erhalten wollte.