Wilde Schweine und zahme Wanderer vor der Linse

Wilde Schweine und zahme Wanderer vor der Linse

Wer in den Wald geht, der geht nicht davon aus, per Videokamera beobachtet zu werden. Die Gefahr besteht. Viele Jäger hängen zur Wildbeobachtung Kameras auf. Die will der Landesdatenschutzbeauftragte verbieten.

Trier. Der Jäger von heute sitzt nicht mehr stundenlang auf dem Hochsitz und liest die Spuren an den Futterstellen aus. Der moderne Waidmann überwacht sein Revier bequem von zu Hause aus. Per Kamera. Das meist in Tarnfarben gehaltene Gerät, nicht viel größer als eine normale kompakte Digitalkamera, liefert kabellos auf den heimischen Computer, was sich so tut im Wald. Ausgelöst per Bewegungsmelder filmt sie Wildschweine, Rehe oder andere Tiere. Oder eben auch ahnungslose Spaziergänger, Wanderer und Pilzsammler. Oder Liebespärchen. So geschehen im Sommer 2012 im österreichischen Kärnten, als die sogenannte Wildkamera nicht auslöste, weil ihr ein Fuchs vors Objektiv lief. Sie filmte einen Lokalpolitiker beim Stelldichein mit seiner Geliebten. Der Jäger erkannte auf dem heimischen Bildschirm den sich vor seiner Kamera vergnügenden Prominenten und gab die Bilder an die Boulevardpresse weiter.
Auch ein bayerischer Lokalpolitiker tappte kürzlich in die "Jagdfalle", als er sich mit einer Frau zum Schäferstündchen im Wald traf.
Nicht nur deshalb sehen Datenschützer die Verwendung der Wildkameras, die von Discountern immer wieder für bereits unter 100 Euro angeboten werden, kritisch. Im Saarland besteht eine Meldepflicht. Jäger, die eine Wildkamera an einem Baum anbringen, müssen deutlich sichtbar einen Hinweis anbringen, dass dort gefilmt wird. Und wenn trotzdem Menschen vors Objektiv geraten, dann müssen die saarländischen Jäger die Bilder von ihnen unverzüglich löschen. In Hessen herrscht ein generelles Verbot von Wildkameras für Jäger. Begründung: Der Wald sei öffentlicher Raum und darin hätten Bürger das Recht, unkontrolliert unterwegs zu sein.
Nun hat sich auch der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte Edgar Wagner zu Wort gemeldet. Er fordert die Jäger auf, die Wildkameras abzuhängen. Falls nicht drohten Bußgelder, mindestens 5000 Euro pro Kamera, droht Wagner. Er geht davon aus, dass rund 30 000 solcher Kameras in Rheinland-Pfalz von den rund 20 000 Jägern benutzt werden.
Kein Wunder, dass auch die Landesumweltministerin Ulrike Höfken, die als Grünen-Politikerin ohnehin für lückenlosen Datenschutz ist, die Nutzung der Wildkameras kritisch sieht. Sie sollten nur in Ausnahmefällen und ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken eingesetzt werden, sagte eine Ministeriumssprecherin. Das Recht, als Waldbesucher in freier Natur unbeobachtet zu sein, sei ein hohes Gut.
Die Jäger sehen in den Kameras keine Gefahr. Sie seien notwendig für eine effektive Jagd, um ohne großen Aufwand das Wild zu beobachten und herauszufinden, zu welchen Tageszeiten die Tiere am sichersten anzutreffen sind und geschossen werden können.
Außerdem, so Günther Dieter Klein, Sprecher des Landesjagdverbandes, seien die Fütterungsstellen für Wild kein öffentlich zugänglicher Raum. Daher würden sie nicht unter das Verbot der Videoüberwachung fallen. Er hält die Forderung Wagners für populistisch und droht bei Verhängung von Bußgeldern mit einer Musterklage.Extra

Nach den Enthüllungen um den US-Geheimdienst NSA haben nicht nur viele Freizeitsurfer Sorgen um die Datensicherheit ihrer E-Mails - auch die Fachleute des Chaos Computer Clubs Mainz/Wiesbaden (CCC) sind aufgeschreckt. Der Club sehe sich durch die Enthüllungen des US-amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden in seinen Warnungen bestätigt. Deswegen unterstützten seine Mitglieder auch die sogenannten Crypto-Sessions des rheinland-pfälzischen Landesdatenschützers. Dieser Verschlüsselungskurs soll "normalen" Computernutzern zeigen, wie sie ihre Daten besser sichern können. dpa Mehr Informationen dazu auf rlp.de und cccmz.de

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