Will er oder nicht? Landes-SPD-Chef kokettiert mit Bundesvorsitz.

Interview Alexander Schweitzer : „Ich sehe mich nicht in der Rolle des Teamkapitäns“

Der rheinland-pfälzische SPD-Fraktionschef kokettierte mit dem Chefsessel der Bundespartei, verzichtet nun aber auf eine Kandidatur. Warum eigentlich?

Alexander Schweitzer bewirbt sich nicht um den Bundesvorsitz der SPD. Das erklärte der Fraktionschef der rheinland-pfälzischen Sozialdemokraten im Interview mit unserer Zeitung. Der 45-jährige Pfälzer will sich weiterhin im Bundesvorstand der Partei einbringen. Teamkapitän wolle er nicht sein. „Es gibt daneben weitere Positionen auf dem Platz“, sagte Schweitzer.

Werden Sie für den Bundesvorsitz der SPD kandidieren?

Alexander Schweitzer: Nein. Nachdem ich von Mitgliedern der Parteibasis angesprochen wurde und mein Name auch in den Medien gefallen ist, habe ich habe diesen Sommer genutzt, um über diese Frage nachzudenken.
Meine Überlegungen haben dazu geführt, dass ich heute sage: Ich werde mich nicht in dieses Rennen begeben.

Warum?

Schweitzer: Weil sich eine Sorge, die ich anfangs hatte, als unbegründet erwiesen hat. Wir probieren etwas völlig Neues. Und viele hatten befürchtet, dass sich schlichtweg nicht genügend Kandidaten melden werden – unterschiedliche Charaktere und Persönlichkeiten von unterschiedlichen Ebenen – um dieses Verfahren lebendig zu halten. Ich unterstütze dieses offene Verfahren auch deshalb, weil ich darin eine Chance sehe, dass sich nicht die üblichen Kandidaten aus der engsten Parteispitze die Klinke in die Hand geben. Vielmehr finde ich es überzeugend, dass auch Bewerber mit landes- oder kommunalpolitischem Hintergrund und sogar Genossinnen und Genossen ohne Mandat infrage kommen. Und genau das sehe ich inzwischen als gewährleistet an.

Was hätte denn für eben dieses Angebot gesprochen?

Schweitzer: Meine Überzeugung ist: Die Bundes-SPD kann nur dann wieder stärker werden, wenn sie die landespolitische oder die kommunale Kompetenz – oder eine Kombination aus beiden – wieder stärker mit einbindet.

Weil diese Ebenen im Gegensatz zur Bundespartei Erfolge feiern?

Schweitzer: Es ist doch so: Wir stellen in den Großstädten die meisten Bürgermeister und sind an vielen Landesregierungen beteiligt. 
Wir haben als Abgeordnete, als Landesminister, als Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz eine besondere Nähe zu den Problemen vor Ort.  Das ist ein Wesensmerkmal im Profil der deutschen Sozialdemokratie, das gerne übersehen wird, wenn über die SPD von heute gesprochen wird. Das muss wieder stärker betont werden.

Aus der ersten Reihe der Landespolitik hat sich allerdings noch niemand gemeldet. Mit Ihnen winkt der Fraktionsvorsitzende eines Verbands ab, der seit 28 Jahren regiert.

Schweitzer: Das ist richtig. Alle Angesprochenen haben ihre Entscheidung früh dargestellt und nachvollziehbar begründet. Ich habe für mich persönlich entschieden, dass ich weiterhin Teil der Mannschaft sein möchte. So wie ich mich vor eineinhalb Jahren entschieden habe, für den Parteivorstand zu kandidieren, sehe ich für mich auch in Zukunft auf dieser Ebene eine Rolle. Aber eben nicht in der des Teamkapitäns. Es gibt daneben weitere Positionen auf dem Platz.
Und dabei ist klar: In dieses Team gehört auch die rheinland-pfälzische SPD, die erfolgreich ein Land regiert, das nicht in der Wolle rot gefärbt ist.

Wo genau ist Ihre Position?

Schweitzer: Ich möchte im Bundesvorstand weiter meine landespolitische Verwurzelung einbringen. Ich habe ein starkes programmatisches Interesse, das Arbeiten an Ideen macht mir Spaß. Das habe ich etwa bei der Entwicklung des Sozialstaatspapiers der SPD eingebracht, bei dem es im Kern darum geht, die Hartz-IV-Logik zu überwinden.
Als ehemaliger rheinland-pfälzischer Generalsekretär weiß ich zudem, wie man Themen zuspitzt und Auseinandersetzungen erfolgreich führt.

Haben Sie Ihre Entscheidung mit Kurt Beck besprochen?

Schweitzer: Ich bin mit Kurt Beck ganz häufig im Austausch. Ich bin mir sicher, er würde jede Entscheidung unterstützen.
Ich denke aber, er ist wahrscheinlich nicht ganz traurig, dass ich mich noch nicht in diesem Rennen sehe.

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