Willkommen in der Realität

Die Zeiten, in denen in kirchlichen Krankenhäusern für Gotteslohn und aus reiner Nächstenliebe gearbeitet wurde, sind längst vorbei. Die Kirche ist mittlerweile ein Arbeitgeber wie fast jeder andere auch.

Gerade in unserer Region stellen katholische Einrichtungen einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor dar, im Gesundheitssektor ist die Kirche hier der größte Arbeitgeber. Über 10 000 Menschen sind in kirchlichen Einrichtungen beschäftigt. Längst hat sich die Kirche zu einem Wirtschaftsunternehmen entwickelt, das Milliarden umsetzt. Christliche Ideale stehen zwar auf dem Papier, aber ansonsten müssen die Chefs der kirchlichen Kliniken knallharte Geschäftsleute sein, um im härter werdenden Wettbewerb im Gesundheitswesen zu überleben. Dass die Mediziner in den katholischen Häusern der Region genauso unzufrieden sind wie ihre Kollegen in öffentlichen Häusern, zeigte sich bereits bei den Ärzteprotesten vor einigen Wochen: Schlechte Arbeitsbedingungen, zu geringe Bezahlung, Überlastung. Ganz so geräuschlos wie bisher dürften die Tarifverhandlungen der katholischen Kirche also nicht über die Bühne gehen. Bislang gab es kaum ernsthafte Tarifstreitigkeiten in katholischen Krankenhäusern. Seit über 50 Jahren legt eine von den Bischöfen einberufene Kommission die Gehälter einheitlich für alle Kirchenmitarbeiter fest. Die Klinikchefs konnten sich auf maßvolle Tariferhöhungen verlassen. Ein überholtes Relikt. Wer sich aber den Gesetzen der Marktwirtschaft unterwirft, der muss auch mit allen Konsequenzen leben. Eben auch mit Tarifkonflikten. Das gehört zur unternehmerischen Realität. b.wientjes@volksfreund.de