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"Wir lassen uns den Hahn nicht kaputt reden"

"Wir lassen uns den Hahn nicht kaputt reden"

Der Flughafen Hahn prüft, ob man den ehemaligen hessischen Minister Jochen Riebel für angeblich entstandenen Schaden verantwortlich macht. Riebel ist Mitglied des Hahn-Aufsichtsrates und hatte gesagt, der Flughafen sei im nächsten Jahr pleite.

Lautzenhausen. Wolfgang Pollety ist eigentlich ein gelassener, ruhiger Mensch. Laute, polternde Töne sind nicht das Ding des 44-Jährigen. Doch angesprochen auf Jochen Riebel fällt es dem kaufmännischen Geschäftsführer des Flughafens Hahn sichtlich schwer, die Beherrschung nicht zu verlieren. CDU-Mann Riebel, ehemaliger Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten in Hessen, ist eines von zehn Mitgliedern im Aufsichtsrat der Flughafen Hahn Gesellschaft. Er gehe davon aus, dass Riebels Äußerungen, der Hahn sei im nächsten Jahr pleite, Ende März sei das Eigenkapital aufgebraucht, politisch motiviert gewesen seien, sagt Pollety. Zumindest kam der Landes-CDU die von dem 67-jährigen ehemaligen Bundeswehr-Oberst angestoßene Pleitediskussion so kurz vor dem von ihr beantragten Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Kurt Beck nicht ungelegen. Nach der Nürburgring-Pleite würde eine Insolvenz des Vorzeigekonversionsprojektes Hahn das Image des angeschlagenen Landesvaters weiter ramponieren, so das mögliche Kalkül der Oppositionspartei. Zwar dementierte der für den landeseigenen Flughafen zuständige Verkehrsminister Roger Lewentz unmittelbar Riebels Äußerungen. Doch die Flughafenverantwortlichen hielten sich zunächst bedeckt. Bis gestern, einen Tag nach dem gescheiterten Misstrauensvotum gegen Beck.
Gerücht und die Folgen


In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz sind Pollety und sein Geschäftsführer-Kollege Jörg Schumacher in die Offensive gegangen. Der Hahn stehe nicht vor der Pleite. "Wir lassen uns den Hahn und die Zahlen nicht kaputt reden", sagt Pollety. "Wir sind kein Feld-Wald-und Wiesen-Flughafen", so der kaufmännische Geschäftsführer. Der Hahn sei der fünftgrößte Frachtflughafen in Deutschland und generiere jährlich ein Steueraufkommen von fast 96 Millionen Euro. Und man verfüge über ein Eigenkapital von 44 Millionen Euro, bestätigt Schumacher. Wie man angesichts solcher Zahlen von einer bevorstehenden Pleite sprechen könne, sei nicht nachvollziehbar. Riebel beziehe sich auf den Wirtschaftsprüfungsbericht, der einen Ausblick auf das laufende, im kommenden März endende Geschäftsjahr gegeben und bestätigt habe, dass dieses gesichert sei, erklärt Pollety. Ein von Riebel erwähntes Gutachten gebe es nicht. Durch das angebliche Pleite-Gerücht sei der Flughafen in eine "ganz schwierige Situation" geraten, so Schumacher. Viele Kunden, etwa Frachtfluggesellschaften, seien verunsichert, hätten Aufträge storniert. Ein Dienstleister, mit dem eine verzögerte Zahlung vereinbart worden sei, bestehe auf eine sofortige Begleichung der Rechnungen. Eine Imbisskette habe ihre Erweiterungspläne für ihr Restaurant in der Abflughalle auf Eis gelegt. Pollety spricht von einem "Millionen-Schaden", der durch die Äußerungen Riebels entstanden sei. Daher prüfe man, ob man den ehemaligen Minister, der für den Minderheitseigner Hessen im Aufsichtsrat sitzt, auf Schadenersatz verklage. Betriebsratsvorsitzender Thomas Dillmann fordert unumwunden den Rücktritt Riebels. Seine Aussagen hätten die 400 bei der Flughafengesellschaft Beschäftigten verunsichert. "Er gefährdet damit die Existenz dieser Menschen, die nun Angst haben um ihre Jobs und ihre Häuser", sagt Dillmann.
Aufsichtsratmitglied Klaus Stumpf vom rheinland-pfälzischen Innenministerium hält sich mit Kritik an Riebel zurück. Er habe als Aufsichtsratmitglied ein anderes Verständnis, wie man kommuniziert, sagt der Ministerialrat lediglich. Das Land unterstütze die Flughafengesellschaft bei der notwendigen Umstrukturierung. So sollen Flugbetrieb und Infrastruktur wie etwa Straßen und Kläranlagen voneinander getrennt werden. Es könne nicht sein, dass die Flughafengesellschaft den Bau einer neuen Kläranlage bezahle, sagt Pollety. Diese Kosten trügen zu dem jährlichen Minus von über zehn Millionen Euro bei. Mit dem Flugbetrieb mache man Plus, versichert der Hahn-Geschäftsführer.
Auch die CDU-Landtagsfraktion hat sich gestern wieder zu Wort gemeldet. Ein "zukunftsgerichtetes Konzept" werde man konstruktiv unterstützen, sagt der Fraktionsvize Alexander Licht. Es müsse aber geprüft werden, welche Teile des Flughafengeländes als öffentliche Infrastruktur in die Verantwortung des Landes übernommen werden könnten.Extra

Das Land sucht seit längerem nach privaten Investoren für den Flughafen Hahn. Er gehört zu 82,5 Prozent dem Land Rheinland-Pfalz und zu 17,5 Prozent Hessen. Der Verkauf eines Flughafens sei "ein komplexer Prozess", sagte Klaus Stumpf aus dem Verkehrsministerium. Die Suche nach einem Transaktionsberater, der den Verkauf vorantreiben soll, sei in "ein, zwei Wochen" abgeschlossen. wie