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"Wir sind ganz normale Bürger" - Wahlkampfveranstaltung der AfD vor der Porta - Friedliche und laute Gegendemo (Update/Fotos/Videos)

Trier. Beflügelt durch die aktuellen Umfrageergebnisse hat die AfD am Freitagabend in Trier die heiße Wahlkampfphase eingeläutet. Doch auch die Demonstranten waren nicht zu überhören. Rolf Seydewitz



Mit scharfen verbalen Attacken an die Adresse der etablierten Parteien hat die Alternative für Deutschland (AfD) am Freitagabend vor der Porta Nigra die heiße Wahlkampfphase eröffnet. Der Trierer AfD-Direktkandidat Erwin Ludwig kündigte für den Fall des Einzugs in den Bundestag an, dass seine Partei Schluss machen werde mit der Steuerverschwendung. "Je mehr Geld die Politik hat, desto mehr verschwendet sie", sagte der Thörnicher. Das werde die AfD beenden, indem sie Steuerverschwendung unter Strafe stelle. Zugleich sprach sich der Thörnicher für eine Bestandsgarantie der Diesel-Fahrzeuge bis 2050 aus.

Ludwig bezeichnete es als Skandal, "dass unsere schöne Landschaft immer mehr mit Windrädern verschandelt wurde". Im Gegenzug seien sichere Atomkraftwerke abgeschaltet worden, und nun werde Strom aus unsicheren Kraftwerken wie Cattenom importiert. Dies zeigt laut Ludwig die Absurdität der Politik in Mainz und Berlin.

Auch AfD-Landesvorsitzender Uwe Junge wetterte gegen den weiteren Ausbau der Windenergie. "Wir haben genug von Windrädern und vom Ökostromsubventionismus", der die kleinen Stromkunden über Gebühr belaste, sagte Junge und kündigte an, dass seine Partei die Altparteien auch weiter das Fürchten lehren werde.

Die Rede der AfD-Politiker wurde immer wieder durch Buhrufe und Pfiffe von mehreren Hundert Demonstranten gestört. Der Verein "Für ein buntes Trier - gemeinsam gegen Rechts" hatte vor der AfD-Veranstaltung zu einer Gegendemonstration in Sichtweite der Porta aufgerufen. Über 400 Teilnehmer wollten nach Aussage des Vorsitzenden Thomas Kupczik mit der einstündigen Protestveranstaltung ein "deutliches Zeichen gegen den Rassismus der AfD" setzen. Auf Plakaten und Transparenten standen Sätze wie "Den braunen Mist hatten wir schon" oder "Braune Flaschen gehören in den Container, nicht in den Bundestag." Nach der Protestkundgebung zogen etliche Demonstranten in Richtung Porta Nigra, die allerdings weiträumig abgesperrt war.

Der Trierer AfD-Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Michael Frisch wies die Nazi-Vorwürfe der Demonstranten scharf zurück. "Hier stehen keine Rassisten oder Nazis, sondern ganz normale Bürger", sagte Frisch. Er bezeichnete es als Schande, dass SPD und Grüne bei der Gegenveranstaltung Hand in Hand mit Verfassungsfeinden von DKP und SDAJ marschierten. Vertreter beider Gruppierungen hatten an der Protestkundgebung des Bündnisses gegen die AfD-Veranstaltung teilgenommen. Zuvor hatte sich auch Landesvorsitzender Junge gegen die Nazi-Vorwürfe verwahrt. "Wir sind stolz, Deutsche zu sein. Das macht uns noch nicht zu Nazis", sagte Junge unter dem Applaus der AfD-Anhänger.

Der rheinland-pfälzische AfD-Spitzenkandidat Sebastian Münzenmaier sagte, dass auch in der Region Trier die Gewaltkriminalität durch die "Neu-Trierer" und Neu-Trier-Saarburger mit "Namen wie Achmed oder Mohammed" zugenommen habe. Münzenmaier kündigte an, dass die AfD die Willkommens- durch eine Verabschiedungskultur ersetzen werde.

Der Landes-Spitzenkandidat muss sich zurzeit vor dem Amtsgericht Mainz wegen versuchten Raubs und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Ihm wird vorgeworfen, als Fan des 1. FC Kaiserslautern vor fünf Jahren mit anderen Mitgliedern der Ultra- und Hooliganszene Anhänger des 1. FSV Mainz 05 angegriffen zu haben.

Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel bezeichnete die türkischstämmige Staatsministerin für Migration, Aydan Özoguz (SPD), als "Schandfleck der Bundesregierung". Weidels Parteifreund Alexander Gauland hatte vor einigen Tagen auf einer Wahlkampfveranstaltung mit der Äußerung für Schlagzeilen gesorgt, dass Özoguz in die Türkei entsorgt werden müsse. Extra: Die Veranstaltungen aus Sicht der Polizei

Eine positive Bilanz des Einsatzes der Polizei zieht deren Einsatzleiter, Polizeidirektor Ralf Krämer: "Die Verantwortlichen beider Veranstalter hielten sich vorbildlich an die gemeinsam mit der Stadtverwaltung und der Polizei getroffenen Absprachen. Dies garantierte, im Zusammenspiel mit dem polizeilichen Einsatzkonzept, den friedlichen Verlauf des heutigen Abends." Es habe keinerlei polizeiliche Eingriffe gegeben. Etwa 150 Sympathisanten der AfD hätten sich vor der Porta Nigra eingefunden. Die Gegenveranstaltung habe etwa 400 Menschen mobilisiert, die lautstark ihren Protest kundtaten. red

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FOTO: Meike Daumen/Julia Stanton
FOTO: Rolf Seydewitz
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