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"Wir sind hier und gehen nicht mehr weg"

"Wir sind hier und gehen nicht mehr weg"

400 000 Passagiere will die irische Fluggesellschaft Ryanair im kommenden Jahr nach Frankfurt und von dort wieder wegbringen, wenn ihre Maschinen ab dem Frühjahr dort landen und starten. Auf dem Hahn peilt Ryanair 2,2 Millionen Passagiere an.

Frankfurt/Lautzenhausen. Die Maschinen von 117 Fluggesellschaften heben derzeit vom Frankfurter Flughafen ab. Für kaum eine neu hinzugestoßene Airline ist vermutlich jemals ein derartiges Willkommen inszeniert worden wie gestern Morgen für die irische Fluggesellschaft Ryanair. Journalisten wurden eigens eingeladen, die Landung der ersten Maschine der Iren auf dem größten deutschen Flughafen zu filmen und zu fotografieren. Dabei ist nicht einmal Ryanair-Chef Michael O'Leary an Bord. Stattdessen begrüßt Stefan Schulte, Chef des Flughafenbetreibers Fraport, "nur" die Marketing-Manager David O'Brien und Kenny Jacobs. Man habe O'Leary in der Konzernzentrale in Dublin in den Schrank gesperrt, witzelt O'Brien. Schließlich habe sein Boss immer gesagt, Ryanair werde nie in Frankfurt landen.
Dass es nun ab kommendem Frühjahr trotzdem so kommen wird, liegt wohl auch an den Sonderkonditionen, die Fraport den Iren einräumt. Zwar betont Schulte immer wieder, es gebe für alle Fluggesellschaften, die neue Strecken von Frankfurt aus anböten, finanzielle Markteinführungsunterstützung. Doch hat es den Anschein, dass Fraport Ryan-air mit besonders günstigen Konditionen nach Frankfurt gelockt hat. Die neuen Gebühren müssen erst noch genehmigt werden. Zuvor hat Lufthansa, Platzhirsch in Frankfurt, bereits verkündet, man werde künftig dort nicht mehr zahlen als Ryan-air. "Die etablierten deutschen Fluggesellschaften werden nicht umhinkommen, über Partnerschaften mit den führenden Billigfluglinien wie EasyJet und Ryanair nachzudenken, wenn sie nicht zwischen ihnen zerrieben werden wollen", sagt der Hamburger Flugexperte Cord Schellenberg.
Ryanair jedenfalls scheint sich sicher zu sein, dass die versprochenen Konditionen gelten. "Wir sind nun hier und gehen nicht mehr weg", sagt O'Brien bei der Pressekonferenz, zu der Fraport und Ryanair erst am Tag zuvor eingeladen haben. Rund 100 Journalisten sind dazu in das Foyer der Fraport-Zentrale am Frankfurter Flughafen gekommen. Auch die Mitarbeiter des Flughafenbetreibers sind neugierig, was die Iren zu sagen haben. Viele von ihnen verfolgen die Pressekonferenz vom Treppenhaus des siebengeschossigen Unternehmenssitzes aus.
Laut Schulte liegt der Anteil von sogenannten Billigflug-Passagieren in Frankfurt bisher bei vier Prozent. Die Kunden wollten aber immer mehr solcher Billig-angebote buchen. Daher müsse sich der Flughafen darauf einrichten. Man merke, dass immer mehr Kunden des Frankfurter Airports zu Konkurrenzhäfen abwanderten, wo etwa Ryanair fliege. Als Beispiele nennt Schulte Köln, Baden-Baden und Nürnberg. Den Flughafen Hahn, gerade mal eine Stunde entfernt, erwähnt er nur einmal, als er die "langjährige Partnerschaft" von Fraport und Ryanair erwähnt. Man kenne sich vom Hahn, sagt Schulte. Bis 2009 war Fraport Anteilseigner des Hunsrück-Flughafens.
Der Frankfurter Flughafen wollte damals einen sogenannten Hahn-Taler einführen, den alle Passagiere zahlen sollten. Als Ryanair drohte, vom Hunsrück abzuwandern, übernahm Rheinland-Pfalz die Fraport-Anteile und ist seitdem mit 82,5 Prozent Mehrheitseigner. Die restlichen Anteile hält das Land Hessen.
Der Streit von damals scheint vergessen zu sein. Schulte spricht von einem "maßgeschneiderten Angebot" für die Iren. Die bedanken sich, indem sie zwei Maschinen in Frankfurt stationieren und ab dem Frühjahr vier Flüge am Tag anbieten werden.
Mit den spanischen Zielen Malaga, Alicante und Mallorca sowie dem portugiesischen Faro spricht Ryanair vor allem Urlaubsflieger an. Damit stehe das Engagement der Iren in Frankfurt sehr wohl in Konkurrenz zum Hahn, sagt der Flugexperte Christoph Brützel. Alle vier Ziele fliegt Ryanair derzeit auch vom Hunsrück aus an. Allerdings ist noch immer nicht der offizielle Sommerflugplan für den Hahn vorgestellt worden (der TV berichtete). Daher ist unklar, ob es eventuell zu einer Verlagerung von Flügen vom Hahn nach Frankfurt kommen wird. Eine konkrete Antwort darauf bleibt Ryanair-Sprecher O'Brien gestern jedenfalls schuldig. Er sagt lediglich, dass es keine Auswirkungen für den Hahn geben werde. "Nichts, was wir hier tun, beeinträchtigt den Hahn."
Hahn nicht wettbewerbsfähig?


O'Brien spricht aber gleichzeitig davon, dass der Hunsrück-Flughafen wegen Ticket-Steuer und Luftsicherheitsgebühren etwa für die Gepäckkontrolle nicht wettbewerbsfähig sei. Trotzdem geht der Manager davon aus, dass Ryanair im kommenden Jahr 2,2 Millionen Passagiere vom Hahn weg und zu ihm hin transportieren wird. 400 000 sollen es in Frankfurt sein. Vorerst. Man werde spätestens im Januar einen Ausbau des Streckennetzes verkünden, sagt O'Brien.
Brützel wiederum wertet die Ankündigungen als Signal dafür, dass Ryanair vorbereitet sein will, falls der Hahn nach einem Verkauf seinen Status als Verkehrsflughafen verlieren sollte. Der Experte schließt nicht aus, dass sich die Iren nach und nach vom Hunsrück zurückziehen werden. Das wiederum könne Auswirkungen auf das laufende Verkaufsverfahren haben, wenn nämlich Investoren mit den Einnahmen der Fluggesellschaft planten, sagt Brützel.
Ryanair hat erst vor kurzem vertraglich zugesichert, weitere fünf Jahre vom Hahn zu fliegen, dessen offizieller Name auch weiter Frankfurt-Hahn sein soll, wie O'Brien versichert.Extra

Sechs Bieter sind noch im Rennen um den Kauf des Flughafens Hahn. Das berichtete am Mittwoch Martin Jonas von der Beratungsfirma Warth & Klein Grant Thornton, der die rheinland-pfälzische Landesregierung berät. "Von den sechs Bietern sehen die Konzepte alle vor, dass der Flugbetrieb aufrechterhalten wird." Alle hätten konkrete Angebote gemacht und eine Sicherheitsleistung von 250 000 Euro hinterlegt. In wenigen Tagen soll feststehen, mit wem das Land konkret weiterverhandelt. Die Erwartung der Beteiligten sei ein Kaufvertrag vor Jahresende. Für den Vollzug seien noch Genehmigungen nötig, sagte Jonas. Dies könne einige Monate dauern. Der Trierer Projektentwickler Triwo hat sein Gebot für den Kauf des Hahn kürzlich zurückgezogen (der TV berichtete). Grund dafür sind angeblich die Sonderkonditionen für Ryanair. dpa/wie