Wittlicher Amoklauf im Wahn?

Ein 53 Jahre alter Mann, der im Januar bei einem Amoklauf im Wittlicher Krankenhaus drei Menschen teils schwer verletzt haben soll, muss sich heute vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der unter Wahnvorstellungen leidende Mann schuldunfähig ist.

Wittlich/Trier. (sey) Der aus Morbach (Kreis Bernkastel-Wittlich) stammende Mann wurde Ende Januar wegen einer paranoiden Schizophrenie in der offenen psychiatrischen Abteilung des Wittlicher Krankenhauses stationär behandelt. An einem Donnerstagabend soll er plötzlich zunächst seinem schlafenden Zimmernachbarn eine Sprudelflasche auf dem Kopf zertrümmert haben. Dem heftig blutenden Opfer gelang noch die Flucht aus dem Raum, der mutmaßliche Täter rannte hinterher.

Mit dem abgebrochenen Hals der Sprudelflasche soll er danach einer Frau, die zur Hilfe eilte, ebenfalls auf den Kopf geschlagen haben. Die Frau brach bewusstlos zusammen.

Die schlimmsten Verletzungen erlitt anschließend der diensthabende Arzt, dem der 53-Jährige den Flaschenhals in den Hals gerammt haben soll. Der Doktor hatte Glück im Unglück: Der Angreifer verfehlte die Halsschlagader nur um einen halben Zentimeter. Alle drei Opfer mussten später genäht werden. Einem Pfleger und einem Patienten gelang es schließlich, den 53-Jährigen zu überwältigen. Er soll am Tatabend von Teufel und Gott gesprochen haben, hieß es später.

Der bislang nicht straffällig in Erscheinung getretene Morbacher ist seitdem in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht. Warum er an jenem Abend so ausgerastet ist, war nach dem Vorfall zunächst unklar. "Ärzte, Pfleger und Mitpatienten kannten ihn bislang nur als friedlich und zurückgezogen", sagte seinerzeit Klinik-Sprecherin Sabine Zimmer dem TV.

Urteil wird heute erwartet



Der 53-Jährige sei bereits mehrfach stationär in Wittlich behandelt worden, Probleme habe es bis zu jenem Januar-Abend nie gegeben.

Deshalb sei der Mann auch auf einer offenen Station untergebracht gewesen. Im Gegensatz zu einer geschlossenen Station sind dort auch Glasflaschen erlaubt, weil die Patienten nicht als selbst- oder fremdgefährdend eingestuft sind. Von den 18 Betten waren 16 belegt.

Die Trierer Staatsanwaltschaft hat in dem Sicherungsverfahren beantragt, den schuldunfähigen Mann in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Die Unterbringung ist unbefristet, wird aber jährlich durch ein Gericht überprüft.

Der Verteidiger des Beschuldigten, Sven Collet, sagt, dass sich der 53-Jährige "nur noch bruchstückhaft an den Vorfall erinnern" könne. "Er wird im Rahmen seiner Möglichkeiten aber geständig sein und die Vorfälle so weit wie möglich einräumen."

In dem Verfahren wird bereits heute mit einem Urteil gerechnet.