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WM als Zugpferd für das Turbo-Netz

WM als Zugpferd für das Turbo-Netz

HANNOVER. UMTS kommt langsam, aber es kommt. Die vier Lizenzinhaber des breitbandigen Mobilfunks wollen auf der Cebit erste Angebote und neue UMTS-Handys vorstellen.

Um UMTS (Universal Mobile Telecommunications System), die dritte Mobilfunkgeneration, ist es in den vergangenen Jahren stiller geworden. Wir erinnern uns: Vor fast vier Jahren verfolgte die Republik gebannt den tagelangen Milliardenpoker um die UMTS-Lizenzen, die fürastronomische 100 Milliarden Mark (rund 51 Milliarden Euro) versteigert wurden - Mammut-Investitionen, die nicht nur Mobilcom zeitweise an den Rand der Pleite brachten, sondern hohe Erwartungen auslösten. Zunächst interessant für Geschäftsleute

Seitdem ist UMTS auch Dauergast der Cebit. Doch der anfänglichen Euphorie ist die Ernüchterung gefolgt. Immerhin: "UMTS lebt", konstatiert Martin Müller vom Telekommunikationsdienst teltarif.de. "UMTS ist nicht mehr nur eine Zukunftsvision, es funktioniert auch." Gleichwohl räumt Müller ein: "Die kritische Masse wird wohl erst 2006 erreicht." Eine Prognose, die viele Fachleute teilen. "UMTS ist noch kein Massenmarkt. In der Regel dauert es sieben Jahre, bis eine neue Technik beim Endverbraucher ankommt", meint Uwe Baltner, Chefredakteur des Branchendienstes Xonio.com. UMTS wird daher in den nächsten zwei Jahren weitgehend eine Domäne für Geschäftsleute und Technikinteressierte sein, die per Datensteckkarte und Notebook unter günstigen Bedingungen mit bis zu sechsfacher ISDN-Geschwindigkeit im Web surfen und Daten übertragen. Mit etwa 360 Euro sind solche Karten für Privatanwender noch relativ teuer. Zudem reicht vielen Surfern auch der schnelle DSL-Internet-Zugang über kabellose Netzwerke (Wireless Lan) völlig aus, zumal auch hier die Hotspots, an denen man sich ins Netz einklinken kann, weiter wie Pilze aus dem Boden schießen. Für den Massenmarkt bedarf es jedoch vor allem UMTS-fähiger Handys, von denen es momentan nur zwei am Markt gibt. Alle namhaften Hersteller von Motorola bis Siemens haben für die Messe ein oder mehrere neue Handys angekündigt, die aber teilweise erst im Herbst zur Verfügung stehen werden. Neben dem Verschicken von Texten, Fotos und Videos per Multimedia-Mail (MMS) kann man das Handy demnächst auch mit einer Taste wie ein Walky Talky bedienen. Die Übertragungstechnologie ist bei UMTS in den Hintergrund gerückt, jetzt geht es um die Service-Frage. "Kein Mensch wird ein Handy kaufen, nur weil UMTS draufsteht", meint Uwe Baltner. Erst wenn es konkrete Multimedia-Anwendungen wie digitales Fernsehen gebe, werde die Nachfrage steigen. Schon zur Fußball-WM 2006, wenn jeder die besten Tore auch unterwegs mitbekommen will, könnte sich nach Meinung Martin Müllers das Blatt wenden. Doch es dürfte nicht lange dauern, bis attraktive Mehrwertdienste wie Bildtelefonie, Filmsequenzen von Bundesliga und Formel1-Höhepunkten und andere Unterhaltungs-Angebote die Massen anziehen. Sony hat angekündigt, in zwei Monaten stehe ein Musik-Abo-Service für Handys von Nokia und Siemens zur Verfügung. Musik und Formel 1 aufs Handy

Vodafone hat Mitte Februar mit der Vermarktung von UMTS begonnen, T-Mobile will im Frühjahr mit Mehrwertdiensten starten und seine Pläne heute vorstellen. GSM, UMTS und Wireless Lan sollen dabei auf einer Plattform zu einem Multimedianetzwerk zusammengeführt werden. O2 will im April mit Mehrwertdiensten starten und drei bis vier UMTS-Handys für anfangs rund 300 Euro auf den Markt bringen. Für Privatleute soll es ab Herbst ein Angebot geben. O2 hat bereits einen monatlichen Pauschaltarif für UMTS-Dienste angekündigt, der nicht weit über den 4,95 Euro liegen soll, den Kunden derzeit für die langsameren GPRS-Dienste bezahlen. E-Plus will ebenfalls zur Cebit Angebote vorstellen, die ab Juni an den Start gehen. Hinter den Kulissen wird weiter an der Technik gefeilt. Neben dem weiteren Ausbau der Netze - momentan ist UMTS fast nur in Ballungsräumen verfügbar - müssen Probleme beim Übergang von UMTS in herkömmliche Netze gelöst werden.