"Wo ich bin, ist immer vorne"

Wer glückliche Menschen sehen will, ist derzeit nicht allein auf die Grünen angewiesen. Er kann auch zur rheinland-pfälzischen CDU gehen. Die hat ihre Vorsitzende Julia Klöckner gestern auch zur Fraktionschefin gewählt.

Mainz. Vor dem Sitzungssaal der Fraktion konnte man ein freudiges Gratulieren und Umarmen beobachten, bevor die neuen und alten Landtagsabgeordneten sich zur ihrer ersten Sitzung zurückzogen. Einziger Tagesordnungspunkt: die Wahl Julia Klöckners zur Fraktionsvorsitzenden. Trotz geheimer Stimmabgabe erzielte die Parteichefin und Spitzenkandidatin ein einstimmiges Ergebnis. "Das ist schon ziemlich stark", freute sie sich nach der Wahl. "Ich freue mich über das Vertrauen."

Klöckner wurde von ihrer Fraktion gefeiert. Auch als sie auf ihre typische saloppe Art erklärte: "Ich nehme die Wahl an. Warum auch nicht?" Und dann teilte sie gleich kämpferisch und selbstbewusst in Richtung SPD aus: "Ich bin gespannt, wie das Theater da drüben weitergeht." Und zu den anstehenden Gesprächen mit den Grünen meinte die starke Frau der CDU: "Sie müssen schauen, ob sie Steigbügelhalter einer abgewirtschafteten SPD sein wollen." Das klang fast wie "nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf".

Der bisherige Fraktionschef Christian Baldauf (CDU), der die alte Fraktion formal noch bis zum 18. Mai führt, strahlte zugleich keinerlei Enttäuschung aus: "Ich freue mich riesig, dass Julia so ein gutes Ergebnis erzielt hat." Baldauf soll eine herausgehobene Position in der Fraktion erhalten und ist als Bezirksvorsitzender der CDU Rheinhessen-Pfalz im Gespräch.

Neben Klöckner und Baldauf hatte auch CDU-Parteirebell Michael Billen einen großen Auftritt. Der Abgeordnete aus Kaschenbach (Eifel) schaffte es per Direktmandat in den Landtag.

Eifel-Rebell mit breiter Brust



Mit breiter Brust erklärte der Landwirt, den die Polizeidaten-Affäre in Turbulenzen brachte: "Ich bin in der Fraktion herzhaft-freundlich empfangen worden." Ob ihn das überrascht habe? "Nein", meinte der Abgeordnete grinsend: "Ich kenne ja meine Fraktion." Und dann zitierte er augenzwinkernd Altkanzler Helmut Kohl, der einst als "einfacher" Bundestagsabgeordneter ganz hinten im Plenarsaal Platz genommen hatte: "Wo ich bin, ist immer vorne." Billen gab auch gleich eine Mini-Pressekonferenz, in der er den Hochmoselübergang als unverhandelbar erklärte: "Wenn die CDU Grundsätze aufgeben würde, nur um die Grünen ins Boot zu holen, dann herzlichen Glückwunsch an die Wähler."

Sticheleien blieben da nicht aus. Als Parlamentarischer Geschäftsführer Hans-Josef Bracht (CDU) vor dem Votum nach möglichen Gegenkandidaten für Julia Klöckner gefragt wurde, meinte er lachend: "Da müssen wir mal Billen fragen." Der konterte trocken: "Bisher war parteischädigendes Verhalten nicht bei mir zu Hause." Bei all dem Geplänkel ging fast unter, dass ein Christdemokrat an diesem Tag richtig traurig war: Klöckner-Sprecher Christoph Zörb geht wieder ins hessische Umweltministerium zurück. Sein Fazit: "Das war eine tolle Zeit hier."

EXTRA HOCHMOSELüBERGANG



Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wappnet sich für den Fall, dass eine rot-grüne Regierung in Mainz den Bau des Hochmoselübergangs aufgibt. Der Bund werde seine Zusagen nicht einseitig aufkündigen, sagte eine Sprecherin Ramsauers. Sollten aber Projekte wie der Hochmoselübergang gestoppt werden, werde auch der Bund die Konsequenzen ziehen. Für den Bau der B 50 neu zwischen Longkamp und Platten hatte die noch schwarz-rote Bundesregierung 250 Millionen Euro zugesagt. Ramsauer hatte in einem Interview mit Spiegel Online gedroht, zur Not könne das zugesagte Geld für solche Großprojekte anderweitig umgeschichtet und somit an andere Länder vergeben werden.