Woher kommt der Horror?

Seit in der Verhandlung gegen den "Kannibalen von Rotenburg" wöchentlich neue Details über Menschen bekannt werden, die andere bei lebendigem Leib auffressen, ist man geneigt, nahezu jede Horrorgeschichte zu glauben.

Da ist es ein wenig beruhigend, dass sich die ebenfalls unglaubliche Horrorgeschichte aus Trier um Kannibalen und Menschenopfer als Fantasieprodukt herausgestellt hat. Interessant wird es bei der Frage, woher dieses Fantasieprodukt kommt. Die Staatsanwaltschaft sagt dazu nichts, außer, dass die Frau, die die Ermittlungen auslöste, "subjektiv von einer Wahrheit überzeugt ist, die es objektiv nicht gibt". Für sie ist also etwas Realität, das nie geschehen ist. Durchaus möglich erscheint deshalb, was Experten schon bald nach Bekanntwerden der Horrorgeschichte vermuteten: Dass nämlich das "False Memory Syndrom" eine Rolle spielt. Das ist eine Schein-Erinnerung, die durch eine unter Psychologen und Psychiatern höchst umstrittene Therapieform, oft verbunden mit Hypnose, ausgelöst wird. Aus den USA sind Dutzende von Fällen bekannt, in denen so Missbrauchs- oder Horrorgeschichten konstruiert wurden, die sich im Nachhinein als völlig unhaltbar erwiesen. Vielleicht war das auch so im Fall der jungen Frau, die jahrelang in Behandlung war. Der Horror käme dann nicht aus Trier, sondern bestenfalls aus der Psycho-Praxis. m.schmitz@volksfreund.de