"Xynthia" macht das Licht aus

Jetzt noch den Text abspeichern und senden. Sekunden nach dem Speichervorgang passiert es. Es ist 12.44 Uhr, die Computerbildschirme werden dunkel - Stromausfall. Ausgerechnet jetzt. Doch alles schimpfen nutzt nichts - nichts geht mehr.

Der Gang durch die Garage nach draußen lässt erahnen, was passiert ist. Blätter und Äste jagen durch die Luft, der Regen peitscht quer von Westen über St.Thomas (Eifelkreis Bitbrug-Prüm).

Ein Baum wird die Stromleitung gekappt haben, so die Vermutung. Auf der Baustelle gegenüber, da wo das Einfamilienhaus gebaut wird, flattern mit Getöse die Plastikabdeckungen. Dann reißt sich eine los. Der Wind greift unter die gelagerten Gipskartonplatten. Mit Wucht prallt ein Bauteil gegen die rote Wand und zerschellt. Aber hallo, Türe zu und rein.

Die Familie trifft sich im Wohnzimmer, alle beobachten die Naturgewalten da draußen. Der Elektroherd ist aus, Kartoffeln und Gemüse längst nicht gar. Auch da geht nichts mehr - leckerer Sonntagsbraten, ade! Die Hoffnung auf schnelle Störungsbeseitigung weicht mit jeder weiteren Stunde. Noch ist es halbwegs hell. Für den Fall der Fälle werden schon mal Kerzen aufgestellt, die Taschenlampen überprüft. Die Feuerwehr ist am anderen Ende des Dorfes zu sehen. Auch da sind Bäume umgefallen, blockieren die Straße nach Kasholz. Die Motorsägen laufen. Jetzt ist der Kachelkamin sein Geld wert. Heizung kalt - Ofen warm, das reicht sogar für eine halbwegs warme Tasse Tee.

Draußen wird es ruhiger, aber es bleibt dunkel - das Bett ist die beste Variante. Am Montagmorgen ist immer noch jeder Schalter ohne Wirkung. Im Autoradio ist von elf Orten in der Eifel die Rede, die immer noch ohne Strom sind - darunter Berkoth, Uppershausen, Seiwerath, Roscheid, Dahnen und Dasburg (alle Eifelkreis Biburg-Prüm) - und St. Thomas. Am Vormittag kommen drei RWE-Laster mit Notstromaggregaten in den Kylltal-Ort. Und dann gibt's erst mal warme Suppe.

Rudolf Höser