Zauberwort Innovation

BERLIN. Der politische Wettstreit zwischen Regierung und Opposition um das Thema "Innovationen" hat begonnen. Gestern startete Kanzler Schröder in Berlin das Projekt "Jugend denkt Zukunft", die CDU lud junge Wissenschaftler zum "Forum Innovation".

Wenn jugendlicher Innovationsgeist auf Unternehmen losgelassen wird, dann kommt dabei ein Schokoriegel mit Alkohol heraus oder ein Automat, bei dem sich das Geld per Fingerabdruck abheben lässt. So geschehen bei den Pilotprojekten der Initiative "Jugend denkt Zukunft". Kreativität ist gefragt, um im modernen Wirtschaftsleben bestehen zu können, "Begeisterung ist das, was wir brauchen", meinte gestern in Berlin Bundeskanzler Gerhard Schröder beim bundesweiten Start des Projektes. Die Politik erhofft sich von dem geförderten Wissensdurst junger Menschen Anstöße zur Belebung der Wirtschaft - und einmal mehr baut sie beim politischen Wettlauf um zündende Themen auf das Schlagwort "Innovationen". Ein umtriebiger Kanzler macht dabei insbesondere mobil. Letzte Woche noch gab er den Ton in Sachen Familienpolitik vor, ein immer junger Wahlkampfschlager. Gestern setzte Schröder die Akzente bei Jugend und Forschung sowie beim alljährlichen "Innovationsgipfel" von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften. Aber auch die Union will nicht hinten anstehen und Schröder wieder das Feld sang- und klanglos überlassen: Sie lud deshalb gestern 500 junge Wissenschaftler zum "Forum Innovation" ein, um über den Forschungsstandort Deutschland zu debattieren. Laut Schröder müssen künftig viel stärker alle Begabungsreserven unabhängig von der sozialen Herkunft ausgeschöpft werden. Merkel kündigte auf dem Fraktions-Forum an, dass es ein Einigung über das von der Union blockierte Programm zur Förderung von Spitzenforschung geben werde. Der Wettstreit mit Blick auf die Bundestagswahl 2006 hat also anscheinend bereits begonnen. "Die Politik darf nicht schon von vornherein sagen, was sie für eine gute und was für eine schlechte Forschungslandschaft hält", lautete die Innovations-Botschaft der CDU-Vorsitzenden. Die des Kanzlers klang ähnlich: "Jede neue Erfindung erst auf ihre Risiken und nicht auf ihre Chancen abzuklopfen, ist aus meiner Sicht falsch", befand Schröder. Er ließ seiner Forderung aber auch gleich geschickt eine Tat folge, das ist der Vorteil eines Regierenden: Zusammen mit der Wirtschaft wird die Bundesregierung einen "Risikofonds" von 140 Millionen Euro ins Leben rufen, um in den nächsten fünf Jahren mindestens 300 Existenzgründern den Start zu erleichtern. Der Betrag soll bis 2010 auf 260 Millionen erhöht werden. "Während der Aufbauphase müssen die Gründer keine Zinsen zahlen", versprach Schröder. Sowohl der Kanzler als auch die Oppositionsführerin bekannten sich dazu, die deutschen Forschungsausgaben bis zum Ende des Jahrzehnts auf mindestens drei Prozent des Bruttosozialproduktes zu erhöhen.