Zeit für Realitätssinn

Für manche war es ein Wunschtraum, für andere ein Alptraum. So oder so: der Traum vom Moselaufstieg ist aus, jedenfalls bis auf weiteres. Kaum vorstellbar, dass angesichts leerer Beutel und heftigen Gedränges an den Futtertrögen so "nebenbei" noch zusätzliche Millionen locker zu machen wären - auch wenn sich mancher jetzt damit froh macht. Man sollte die Gelegenheit nutzen, sich auch von anderen Selbsttäuschungen zu verabschieden. Der Moselaufstieg war nie das Projekt einer ganzen Region. Er wurde - aus guten, nachvollziehbaren Gründen - vom Kreis Trier-Saarburg und den Betrieben im Trierer Süden forciert, er war in der Stadt Trier heftig umstritten, und er war den Verantwortlichen im weiteren Umland herzlich egal. Jedenfalls so egal, dass sie keine Sekunde bereit gewesen wären, zugunsten des Aufstiegs auf ein eigenes Projekt oder nur Teile davon zu verzichten. Der frisch gewonnene Realitätssinn könnte helfen, die Zeit ab 2015 so gut vorzubereiten, dass man bei künftigen Planungen mit klaren, politisch vermittelbaren regionalen Prioritäten an den Start geht, statt mit einem Wunschzettel, bei dem nachher andere entscheiden, was erfüllt wird und was nicht. Denn die Verkehrsprobleme bleiben, und sie werden sich noch verschlimmern. Da ist es durchaus denkbar, dass die Nordumgehung Triers ein wichtigeres Projekt sein wird als der Moselaufstieg. Und da wird man auch überlegen müssen, ob es keine Lösungen unterhalb der optimalen Ebene gibt, die geeignet sind, einen Kollaps zu verhindern. Ein runder Tisch zum Regionalverkehr statt deklamatorischer Erklärungen und Betroffenheitslyrik - das würde weiterhelfen. Von dort aus könnte man auch parteiübergreifend an Verkehrsminister Bauckhage die unangenehme Frage stellen, wie es denn möglich ist, dass er vor wenigen Wochen in Trier verkündete, der "Deckel" beim Verkehrsplan sei "zu" - und dann landen auf merkwürdigen Wegen doch noch 40 Extra-Millionen in "seinem" Westerwald. d.lintz@volksfreund.de