Ziel: Lückenlose Behandlung

In der geriatrischen Reha-Klinik St. Irminen in Trier fürchtet man durch zusätzliche Geriatrie-Abteilungen in umliegenden Krankenhäusern, Patienten zu verlieren und Stellen abbauen zu müssen. Das Land versichert, man werde das verhindern.

Trier. Nackte Zahlen machen deutlich, worum es geht: der Anteil der Älteren im Land wächst in den nächsten zehn Jahren von derzeit einem Fünftel auf fast ein Viertel der Bevölkerung. Über 900 000 Rheinland-Pfälzer werden dann 65 Jahre und älter sein, mehr als 280 000 sogar über 80. Das Land wird immer älter.

Das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium hat darauf mit einem Geriatriekonzept reagiert. Darin wird auf 40 Seiten festgelegt, wie die medizinische Versorgung der älteren und gebrechlichen Patienten verbessert werden kann. Ziel ist es, ihnen eine möglichst lückenlose Behandlungskette nach einem Krankenhausaufenthalt anzubieten. In einer sogenannten akutgeriatrischen Reha in einem möglichst dem Wohnort der Patienten nahen Krankenhaus sollen sie schnell wieder für den Alltag fit gemacht werden.

Falls Bedarf für weitere Reha-Maßnahmen da ist, sollen die Betroffenen dann in einer geriatrische Fachklinik wie der seit 15 Jahren bestehenden Klinik St. Irminen in Trier versorgt werden. Dauerhafte Pflegebedürftigkeit soll so vermieden werden.

Von "regionalisierter Versorgung" und "wohnortnaher flächendeckender Kompetenz" ist in dem Geriatriekonzept die Rede. Doch die regionalisierte Versorgung dürfe keinen Vorrang vor Wirtschaftlichkeit und Qualität haben, heißt es in dem Konzept. Will heißen: Krankenkassen, die Reha-Maßnahmen bezahlen, sollen nicht nur nach Kostengründen und Wohnortnähe entscheiden, in welches Krankenhaus ein Älterer kommt, sondern auch nach der erforderlichen Behandlung und der Qualität eines Hauses. Für bestimmte, vor allem komplexe Therapien, soll es auch weiterhin spezialisierte Kliniken geben, heißt es in dem Konzept.

Trierer Fachklinik fürchtet Patientenrückgang



Doch Thomas Biundo, ärztlicher Leiter der geriatrischen Fachklinik St. Irminen, bezweifelt, dass diese komplexen Fälle künftig tatsächlich alle weiterhin bei ihm landen werden. Da die Behandlungskosten in einer geriatrischen Reha-Abteilung eines normalen Krankenhauses günstiger seien als in einer Fachklinik, sei zu befürchten, dass die Kassen verstärkt ältere Patienten in diese neuen Schwerpunktabteilungen schicken werden. Das sei bereits zu spüren. Viele Kassen entschieden bei Geriatriepatienten nicht mehr nach medizinisch sinnvoller Reha, sondern nach Kosten. Daher habe sein Haus bereits im vergangenen Jahr 15 Prozent weniger Patienten behandelt. Im Schnitt war jeder dritte der rund 1200 versorgten Patienten über 85 Jahre alt. Und je älter die Patienten sind, desto größer ist der Betreuungsaufwand. Ein Aufwand, mit dem, so Biundo, normale Krankenhäuser oft überfordert sind.

Der Geriater befürchtet, dass neben den beiden geplanten Standorten für zwei geriatrische Reha-Stationen in der Region auch andere Krankenhäuser aufgrund des wachsenden Marktes solche Angebote machen werden und die Kassen damit noch weniger Patienten in seine Klinik schicken werden. Gehe der Patientenrückgang so weiter wie im vergangenen Jahr, droht laut Biundo ein Abbau von 20 der derzeit 80 Betten. Auch das Personal müsse deutlich reduziert werden.

So weit werde es nicht kommen, versicherte eine Sprecherin des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums. Ministerin Malu Dreyer setze sich persönlich dafür ein. Es dürfe keine Konkurrenz zwischen den Angeboten entstehen, die Reha-Stationen in Krankenhäusern sollten mit der Trierer Fachklinik zusammenarbeiten.

Doch ganz unbegründet scheint die Befürchtung Biundos nicht zu sein. Vergangene Woche erst warnte Dreyer bei einem Besuch des Dauner Maria-Hilf-Krankenhauses davor, sich bei der geplanten Einrichtung einer Geriatrie in unkalkulierbare Abenteuer zu stürzen. Sie regte eine Zusammenarbeit mit der Prümer Geriatrie an. Extra Geriatriekonzept: Ein geriatrischer Patient ist in der Regel 80 Jahre und älter und leidet an mehreren Krankheiten. Typischerweise ist er weniger mobil, neigt zu häufigeren Stürzen, seine Hirnleistung ist zurückgegangen, er ist oft inkontinent, leidet häufig an chronischen Schmerzen, ist gebrechlich, sieht und hört möglicherweise schlecht. Für diese Patienten soll sich die medizinische Versorgung im Land verbessern. Das sieht das Geriatriekonzept vor. Derzeit gibt es landesweit in drei Krankenhäusern 135 geriatrische Plätze. In der Region gibt es ein solches Zusatzangebot bislang nicht. Schrittweise soll die Zahl der Plätze landesweit auf bis zu 487 Betten steigen. In der Region sollen bis zu 70 neue Plätze in Trier und in der Eifel dafür entstehen. Neben einem Facharzt (Geriater) sollen in die Behandlung auch Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Psychologen eingebunden werden. (wie)

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