Ziel verfehlt

Es ist ein Treppenwitz. Die Dose lebt. Genau die Regelung, die Einweg aus den Regalen verbannen sollte, führt nun dazu, dass noch mehr Plastikflaschen und Dosen gekauft werden. Dem Verbraucher kann es künftig egal sein, ob er seinen Sprudel im Mehrwegkasten kauft oder in leichten Plastikflaschen, falls er sich nicht rein aus Umweltgründen für die schwerere Variante entscheidet.

Das Ende der lästigen Insel-Lösung macht es ihm einfach. Die leeren Verpackungen kann er nun fast überall abgeben. Der Unterschied zwischen Mehrweg und Einweg verschwindet fast komplett. Seit einiger Zeit steigt vor allem beim Wasser die Einweg-Quote. Kein Wunder, dass ausgerechnet Gerolsteiner mit der Neuregelung nun seine Chance sieht, verlorenes Terrain wieder gutzumachen. Das Dosenpfand hat sein Ziel verfehlt. Seit seiner Einführung vor drei Jahren steigt der Plastik-Abfall. Den meisten Verbrauchern ist nicht bewusst, dass die leeren Flaschen aus den Discountern einfach auf den Müll wandern. Dass Deutschland so lange mit einem unhaltbaren Pfand-Chaos leben musste, geht auf die Verweigerungshaltung des Handels zurück. Trotz klarer Gesetzeslage widersetzte man sich lange Zeit der Einführung des Dosenpfands, schob sie auf die lange Bank, bis der damalige grüne Umweltminister Trittin einen Schlussstrich ziehen musste. Der Handel war gezwungen, die von CDU-Umweltminister Töpfer in den 90-er Jahren aufgesetzte Regelung kurzfristig umzusetzen, weigerte sich aber, ein einheitliches System aufzubauen. Der Verbraucher war der Gelackmeierte. Beim Bier brach der Einwegmarkt fast völlig ein, erst als die Discounter wieder Plastikflaschen in ihr Sortiment nahmen, brummte das Einweg-Geschäft vor allem beim Sprudel. Mit der Vereinfachung wird der Anteil der Plastikflaschen und Dosen entgegen der Hoffnung der Umweltschützer weiter zunehmen. Die großen Getränkehersteller stehen bereits in den Startlöchern, bald wird es wieder Bier in Dosen geben. Die Drohung, dass Einweg teurer werden wird, hat bei den Preiskämpfen im Lebensmitteleinzelhandel ohnehin kaum Bestand. b.wientjes@volksfreund.de

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