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Ziemlich komische Freunde: Dennis Rodman und Diktator Kim Jong Un

Ziemlich komische Freunde: Dennis Rodman und Diktator Kim Jong Un

Mit Dennis Rodman und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un haben sich zwei spezielle Freunde gefunden. Rodman fliegt in dieser Woche zum vierten Mal nach Pjöngjang. Diesmal planen die beiden ein Basketballspiel zwischen den USA und Nordkorea.

Pjöngjang. Als Dennis Rodman seinen ersten Memoirenband präsentierte, trug er das weiße Hochzeitskleid einer Braut, wozu er spöttisch bemerkte, er habe Tage gebraucht, um ein Kleid in seiner Größe zu finden. Seine Erkennungszeichen sind grell gefärbte Haare, großflächige Tattoos und fünf Piercing-Ringe, je zwei in Ohrläppchen und Nasenlöchern und einer zur Zierde der Unterlippe. Dennis Rodman, der große Exzentriker.
Eine Zeit lang war er mit der Pop-Ikone Madonna liiert, später ließ er sich in Las Vegas mit der Schauspielerin Carmen Electra vermählen, wobei die Ehe nur knapp sechs Monate hielt. Rodman, 2,01 Meter lang, mit enormer Sprungkraft gesegnet, war einmal ein herausragender Basketballer. Zweimal kürte ihn die Profiliga NBA zum Defensivspieler des Jahres, seine Karriere führte von Detroit über San Antonio, Chicago und Los Angeles bis nach Dallas.Duell mit Nordkorea


Seinen neuesten Coup landet er am Mittwoch in Pjöngjang. Dort trifft eine amerikanische Altherrenmannschaft, Durchschnittsalter 48, auf eine Auswahl Nordkoreas. Der Spiritus Rector versteht das Match als Geburtstagsgeschenk für Kim Jong Un, den jungen Machthaber des abgeschotteten Landes, den er einen Freund fürs Leben nennt. "Es ist, als würde man sich mit Hitler zum Lunch treffen", zürnt Eliot Engel, ein Kongressabgeordneter aus New York, es gebe Dinge, die tue man einfach nicht.
Andere fordern Rodman auf, in der Rolle des zufälligen Emissärs kontroverse Themen anzuschneiden, worauf der Entertainer salopp kontert: "Ach was, zum Geburtstag redest du nicht über Gefangenenlager, da redest du nicht über politische Säuberungen."
Immerhin, Rodman dürfte der einzige Amerikaner sein, der den rätselhaften Despoten von Angesicht zu Angesicht kennt. Zwar betont das Weiße Haus, der Mann sei strikt in eigener Mission unterwegs, aber dass die Regierung Barack Obamas seine Kontakte nicht nutzt, um mehr über Kim zu erfahren, kann sich auch wieder keiner vorstellen. "Ruf mich an, Obama. Ich besitze Insiderwissen", sagte Rodman schon vor Monaten, lockend oder provozierend, je nachdem, wie man es sehen will. Nicht dass es keine Präzedenzfälle gäbe.Bereits der vierte Besuch


1971 ebnete die Pingpongdiplomatie den Weg zu einem historischen Besuch Richard Nixons in China. Immerhin, räumen selbst Rodmans Kritiker ein, wenn ein nordkoreanisches Publikum amerikanische Gäste als durchaus sympathische Zeitgenossen erlebt, nicht als die Kriegstreiber der Propaganda-Klischees, ist das an sich schon Fortschritt. Dreimal ist der Hüne im vergangenen Jahr in Kims Reich gereist, bevor nun die vierte Visite folgte. Begonnen hatte es eher zufällig, nämlich damit, dass der Medienkonzern Vice anregte, die Harlem Globetrotters zu einer Tour des guten Willens nach Pjöngjang zu holen. Als die potenziellen Gastgeber zögerten, schoben die Vice-Manager ein Bonbon hinterher, das Angebot, eine der Legenden der Chicago Bulls mitzunehmen. Für die Bulls hat die Familie Kim eine ausgeprägte Schwäche, zu den Lieblingssouvenirs Kim Jong Ils, des Vaters des jetzigen Herrschers, soll ein Trikot Michael Jordans gehört haben, signiert von der früheren US-Außenministerin Madeleine Albright.
Jedenfalls fiel die Wahl auf Rodman, der im Februar neben Kim Jong Un auf der Tribüne saß, so angeregt plaudernd, als wären die beiden alte Bekannte. Beeindruckt von der Publicity, spannte Paddy Power, ein irischer Buchmacher, Rodman prompt als Werbeträger ein. Vor der Papstwahl im Vatikan fuhr er im nachgebauten Papamobil durch Rom, um die Leute zu ermuntern, auf einen schwarzen Pontifex zu wetten. Von Paddy Power stammt übrigens auch die Idee, Kim mit einer Partie Basketball zu gratulieren.Extra: Dennis Rodman zu Besuch in Trier

Ob sich Dennis Rodman noch an seinen Besuch in Trier erinnern kann? Im November 2009 war der ehemalige "Bad Boy" der NBA im Rahmen des Gastspiels der "US Legends" an der Mosel zu Gast. Doch es war weniger das Spiel, das damals in der Stadt zum Gesprächsthema wurde. Es waren vielmehr die Folgen von Rodmans Aufenthalt im Park Plaza Hotel am Nikolaus-Koch-Platz. Dort ließ es sich der heute 42-Jährige richtig gutgehen: 3391 Euro und 77 Cent reine Verzehrkosten standen zum Ende seines Aufenthalts auf der Rechnung, die Übernachtungskosten nicht miteinberechnet. Doch zahlen wollte der US-Amerikaner offenbar nicht: Er raste einfach davon. Die Polizei stoppte ihn später auf der Autobahn 3 bei Montabaur. Mit dem Argument "Ich dachte, mein Manager hätte das erledigt", zahlte der Zwei-Meter-Mann brav und flog anschließend von Frankfurt aus zurück in die USA. mfr