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Zoff im Stadion: Jeder soll die Kurve kriegen

Zoff im Stadion: Jeder soll die Kurve kriegen

Die Probleme in den deutschen Fußballstadien nehmen zu: Fanprojekte wie das in Trier sehen sich als kritische Lobbyisten der Fans, wollen vermitteln. Patentlösungen gibt es nicht.

Trier. Für die treuen Anhänger des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln sind die Auswärtsspiele in dieser Saison tendenziell deutlich erfreulicher als die Heimspiele. Bisher gab's erst zwei Heimsiege, aber schon fünf Siege auf fremden Plätzen.

Wenn Köln am Samstag bei 1899 Hoffenheim antritt, wird der Club ohne die Unterstützung seiner Fans auskommen müssen. Das ist die vom Deutschen Fußball Bund (DFB) verhängte Strafe dafür, dass in dieser Saison im Kölner Fanblock mehrfach Knallkörper und bengalische Feuer gezündet wurden. Probleme gab es in dieser Saison längst nicht nur mit Pyrotechnik (siehe Hintergrund). Es wurden auch jenseits der Stadien Tabus gebrochen. So hatten einige Frankfurter Ultras das Karlsruher Fanprojekt überfallen.

Ein Fanprojekt gibt es seit einem Dreivierteljahr auch in Trier. Getragen wird es vom Exhaus. finanziert von der Stadt Trier und dem Landkreis Trier-Saarburg, dem Land sowie dem DFB. Insgesamt rund 70 Jugendliche schauen regelmäßig vorbei, sagt Fanprojekt-Mitarbeiter Dominik Boulanger. Die allermeisten seien zwischen 14 und 25 Jahre alt. Alle verbindet die Liebe zur Eintracht. Manche gehören zu den Ultras, andere sind nicht in einer Gruppe organisiert. Ziele des Fanprojekts sind Gewalt- und Suchtprävention, Abbau extremistischer Tendenzen. Fanprojekte gibt es in ähnlicher Form in gut 40 anderen deutschen Städten. Man sieht sich als "kritischer Lobbyist" der Fans. Das wiederum heißt für Boulanger nicht, dass er alles tolerieren kann, was einzelne Fans im Stadion tun. "Die Ultra-Bewegung macht bundesweit derzeit einige Sorgen", sagt er. Eine Patentlösung gibt's nicht. "Wir müssen den Dialog aufrechterhalten."

An mangelndem Dialog liegt es laut Eintracht-Geschäftsstellenleiter Dirk Jacobs nicht. "Wir hatten immer ein offenes Ohr für die Fans, jetzt sind die auch mal an der Reihe." Jacobs sieht ein bundesweites Problem, das vor Trier nicht Halt mache: "Manche probieren einfach aus, wie weit sie gehen können." Jacobs begrüßt zwar, dass nach den Vorfällen beim Leverkusen-Spiel einige Anhänger den Schulterschluss mit der zuvor massiv kritisierten Mannschaft suchten. Gerade in der sportlich prekären Situation seien Solidarität und Rückhalt extrem wichtig. Aber einfach zur Tagesordnung übergehen könne der Verein nach dem Platzsturm nicht. Man werde sehen, wie man die Beteiligten zur Verantwortung ziehen könne.Stichwort Ultras: Die Ultra-Bewegung hat ihre Wurzeln in Italien, hat aber viele Anhänger in ganz Europa gefunden. Es handelt sich um fanatische Anhänger, die ihren Verein "immer und überall bestmöglich unterstützen wollen".