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Zorn auf der Blumeninsel: Airlines nach Madeira-Windchaos am Pranger

Zorn auf der Blumeninsel: Airlines nach Madeira-Windchaos am Pranger

Für Tausende Besucher der Insel Madeira endete der Urlaub mit Riesenstress und Ungewissheit. Ungewöhnlich starke Winde sind wohl nur zum Teil Schuld an der Misere.

Die gewaltigen Winde auf Madeira waren am Dienstag deutlich abgeflaut, die Empörung Tausender Touristen aber noch lange nicht. Nach einem dreitägigen wetterbedingten Chaos war der Flugbetrieb am Airport der portugiesischen Urlaubsinsel nachmittags weitgehend normalisiert. Viele der 160 zwischen Samstag und Montag annullierten Flüge wurden allmählich nachgeholt.

Doch viele der auf der „Blumeninsel“ im Atlantik gestrandeten Besucher unter anderem aus Deutschland wussten am Dienstag immer noch nicht, wann die Odyssee für sie endlich zu Ende gehen würde. Von den Ausfällen waren mehr als 22 000 Menschen betroffen. Auch am Mittwochmorgen warteten laut einem Medienbericht noch Hunderte Passagiere an den Flughäfen von Madeira und Lissabon auf eine Lösung.

Eine deutsche Urlauberin, die mit der ganzen Familie samt ihrer 80 Jahre alten Mutter nach Madeira gekommen war, war am Dienstag nach langem Hin und Her mit dem Nerven am Ende.

„Die Airlines geben kaum oder gar keine Informationen. Für das Wetter können sie natürlich nichts, aber um die Kunden muss man sich dennoch kümmern“, sagte die Frau. Man habe selber Unterkunft und Fahrten organisieren müssen. „Mit meiner Mutter kann ich doch nicht auf dem Flughafen übernachten.“ Die deutsche Airline habe noch nicht zugesichert, dass sie für die Mehrkosten aufkommen werde. Die Mitflieger seien alle gestresst, es gebe „viele Unmutsbekundungen“.

Die Maschine der Deutschen sollte sehr früh am Mittwoch - mitten in der Nacht - Richtung Heimat starten.

Die TV-Sender „RTP“ und „TVI24“ berichteten von Wartelisten für Flüge, die bis Donnerstagabend reichten. Dabei seien einige Flieger entgegen offiziellen Angaben mit bis zu 20 leeren Plätzen von oder nach Madeira gestartet, weil Economy-Passagiere nicht in der Businessclass fliegen dürfen, hieß es.

„Man hat mir gesagt, ich solle bis Donnerstag auf dem Flughafen warten, weil ich nur Economy gebucht habe. Gibt's doch nicht!“, schimpfte eine Portugiesin, die nach einem Aufenthalt in Lissabon bereits seit Samstag auf die Insel zurückwill.

Betroffene klagten, schon seit Donnerstag sei bekannt gewesen, dass es am Wochenende auf Madeira sehr starke Winde geben würde. Einige Airlines hätten sich aber überhaupt nicht auf die Situation eingestellt.

„Die Situation normalisiert sich, die Winde sind deutlich schwächer geworden“, sagte unterdessen am Dienstag ein Sprecher der Flughafenverwaltungsbehörde ANA. Bis zum Nachmittag konnte die große Mehrheit der Flüge in der Inselhauptstadt Funchal wieder in der Tat plangemäß landen und starten. Darunter eine Tuifly-Maschine mit Ziel Frankfurt und ein Germania-Flugzeug nach Bremen.

Totale Entwarnung konnten die zuständigen Behörden aber immer noch nicht geben. Denn bei Windstärken von über 80 Stundenkilometern herrschte auf der Heimatinsel von Fußball-Megastar Cristiano Ronaldo, auf dessen Namen der Airport erst im März getauft wurde, noch bis einschließlich Mittwoch die dritthöchste Alarmstufe gelb.

Mit 270 000 Einwohnern und einer Fläche von 740 Quadratkilometern ist Madeira die größte Insel des gleichnamigen Archipels etwa 980 Kilometer südwestlich von Lissabon. Die „Blumeninsel“ oder die „Insel des ewigen Frühlings“ ist vor allem bei Briten, aber auch auch bei Deutschen, sehr beliebt.

Im Jahr 2016 wurde Madeira von 1,9 Millionen Menschen besucht. Die Insel hat kaum Badestrände, wird deshalb vor allem von Wanderern, Tauchern und Golfern besucht, die die Natur und das milde subtropische Klima schätzen.