Zu arm zum Verhüten

Sinnvolle Familienplanung: Das sollte anno 2011 eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Doch die Schwangerschaftsverhütung ist in den vergangenen Jahren für viele weniger gut situierte Menschen zunehmend eine Frage des Geldes geworden. Genau da setzt ein Projekt von Pro Familia in Trier an.

Manchmal kann Claudia Heltemes nur verständnislos mit dem Kopf schütteln. Zum Beispiel, wenn sie wieder einmal einer jungen werdenden Mutter in der Beratung erklären muss, dass hierzulande zwar ein Schwangerschaftsabbruch finanziert wird, nicht aber Verhütungsmittel.

Verhüten wird in unserer Gesellschaft als Privatsache betrachtet. Das ist so lange kein Problem, wie man sich Pille, Spirale oder Kondome leisten kann. Aber gerade langfristig wirksame, verlässliche Verhütung kostet viel Geld. Eine Hormonspirale beispielsweise, die Sicherheit für mindestens drei Jahre bietet, schlägt mit 350 Euro zu Buche, "Verhütungsstäbchen" ebenso. Eine Sterilisation, nach Abschluss der Familienplanung als Dauerlösung bestens geeignet, kostet bei einer Frau rund 600 Euro.

Der Hartz IV-Regelsatz für einen Erwachsenen liegt bei monatlich 359 Euro. Da ist es kein Kunststück, auszurechnen, warum in der Pro-Familia-Beratung immer wieder Frauen aus sozial schwachen Familienverhältnissen sitzen, die ungewollt schwanger sind. "Das Geld reicht hinten und vorne nicht", hört Claudia Heltemes regelmäßig als Argument.

Im Regelsatz sind sage und schreibe 14 Euro pro Monat für Gesundheitsvorsorge eingeplant, wovon dann noch Arztgebühren oder Selbstbeteiligungen bei Medikamenten abgehen. Da sind auch zehn Euro für die Pille schlicht unbezahlbar.

Bis 2004 wurden die Verhütungskosten für Sozialhilfe- oder ALG-2-Empfänger übernommen. Dann kam eine der vielen Gesundheitsreformen. Nun sind Vater Staat und die Kassen bei der Verhütung geizig. Dafür zahlen sie die Abtreibung - oder eine ganze Kindheit lang Sozialhilfe. Eine Logik, die zu begreifen nicht nur Claudia Heltemes schwerfällt.

Der Versuch, Hilfe in den dringendsten Fällen über den kommunalen Haushalt zu beschaffen, ist im chronisch klammen Trier am Einspruch der Kommunalaufsicht gegen die zusätzliche freiwillige Ausgabe gescheitert. Dass mancher nicht das Fass aufmachen will, allgemeine Aufgaben aus dem Gemeindebudget zu zahlen, kann Heltemes verstehen. Nicht aber die Häme, die über die Antragsteller niederging.

Um wenigstens im Kleinen weiterarbeiten zu können, beteiligt sich Pro Familia an "Meine Hilfe zählt" - und hofft auf die Hilfe sozial engagierter TV-Leser und -Leserinnen. Die Kosten für zehn unterschiedliche, langfristige Verhütungsmaßnahmen sollen aufgebracht werden, mit Gesamtkosten von 3800 Euro. Zehn menschliche Schicksale, die auf der Kippe stehen. Die ersten Klientinnen sind schon auf der Warteliste.

Es ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber ein Schritt auf das, was Claudia Heltemes "das Menschenrecht auf verantwortliche Familienplanung" nennt. Die Uno hat es schon 1968 verkündet. Von der Umsetzung ist es weit entfernt.

Das Pro-Familia-Projekt hat die Nr. 4791. Die Gesamtsumme von 3800 Euro ist derzeit zu 42 Prozent finanziert.

Zum Projekt geht es hier

Wie spende ich?
Per Banküberweisung an "Meine Hilfe zählt". Konto 220012 bei der Sparkasse Trier (BLZ 58550130) oder Konto 191919 bei der Volksbank Trier (BLZ 58560103). Im Verwendungszweck Projektnummer angeben. Falls Veröffentlichung im TV gewünscht, ein "X" eintragen. Bis 200 Euro gilt der Einzahlungsbeleg als Spendenquittung. Falls ein gewähltes Projekt bereits vor Buchung der Spende genügend Geld zur Realisierung hat, kommt der Beitrag anderen "Meine Hilfe zählt"-Projekten zugute.
Online: unter volksfreund.de/meinehilfe Projekt auswählen, auf den Spendenbutton klicken und abgefragte Daten eingeben.
Jede Spende wird zu 100 Prozent weitergeleitet. Der TV übernimmt die Transferkosten.

Extra
Im Drei-Tage-Takt wird immer noch ein "Meine Hilfe zählt"-Projekt nach dem anderen unter Dach und Fach gebracht. Seit vorigem Samstag hat es der integrative Kindergarten Wichernhaus gepackt: 1325 Euro für ein großes Pfadfinderzelt sowie eine Krabbel- und Bewegungsinsel ermöglichen es behinderten und nicht behinderten Kindern, intensiver miteinander zu spielen. Das Wichernhaus hat gleich ein neues Projekt aufgelegt: Auf der Wunschliste steht eine Hütte, "Jurte" genannt. Projekt-Nr. 5614. Demnächst in die Praxis starten kann "Zoff daheim", die psychosoziale Gruppe für Kinder im Grundschulalter, die häusliche Gewalt gegen ihre Mutter erleben mussten. Ab sofort können Anmeldungen abgegeben werden, die erste Gruppe beginnt bald. Zehn Nachmittage lang arbeiten zwei Kinderpsychologinnen mit den Kindern an der Bewältigung des Erlebten. Zuvor wird in einem Gespräch mit Mutter und Kind geklärt, ob eine Teilnahme zum momentanen Zeitpunkt sinnvoll ist. Wer sich informieren oder anmelden will: Interventionsstelle Trier, 0651/9948774. Details zum Projekt auf unserer Aktions-Homepage, Rubrik finanzierte Projekte. Herzlich willkommener Neuankömmling auf unserer Top-4-Liste: Das Behindertenwohnheim der Lebenshilfe Trier. Wir werden es demnächst genauer vorstellen. (DiL)