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Zu Tode verwaltet

Es graust einem bei der Vorstellung: Da wird ein Kind von seinem drogenabhängigen Vater vernachlässigt und misshandelt. Das Kinderheim, in dem es zeitweise untergebracht wird, warnt davor, es nach Hause zurück zu geben.

Die Richterin, die es dem Jugendamt unterstellt, dringt auf Hilfsmaßnahmen. Die zuständige Senatorin, ja sogar der Regierungschef werden auf den Fall aufmerksam gemacht. Und trotzdem passiert monatelang nichts. So lange, bis das Kind tot ist. Es ist ein Dokument erbärmlichen Versagens, was sich da in Bremen abgespielt hat. Und doch wäre es zu billig, jetzt eine Handvoll Jugendamts-Mitarbeiter als Schuldige abzustempeln. Die Bedingungen, unter denen Jugendämter vielerorts arbeiten, sind katastrophal. Angesichts leerer Kassen ist der Druck groß, Kinder zwecks Vermeidung von Unterbringungskosten so lange wie möglich zu Hause zu belassen - auch wenn es kaum zu verantworten ist. Für eine intensive Betreuung zuhause reicht aber die Zeit nicht. Es ist ein Pokerspiel mit dem Leben und dem Wohlergehen der Kinder. Abhilfe wäre zu schaffen: Durch konsequente Einzelfallbetreuung und durch die klare Ansage, ein Kind im Gefährdungsfall sofort außerhalb der Familie unterzubringen. Aber das kostet Geld und Personal. Und zwar in den Sozialhaushalten der Kommunen, von denen man in der Politik und am Stammtisch doch so gerne sagt, sie müssten dringend eingedampft werden. Wer da beim nächsten Mal dicke Backen macht, sollte an den kleinen Kevin aus Bremen denken. d.lintz@volksfreund.de