Zu viele Drogen, zu wenige Ermittler

Zu viele Drogen, zu wenige Ermittler

Meldungen über spektakuläre Drogenfunde sind nur die Spitze des Eisbergs. Was sich dahinter verbirgt, hat eine Handvoll erfahrener Drogenfahnder vor wenigen Jahren gezeigt. In einem Jahr brachte die "AG Eifel" damals mehr als drei Dutzend Dealer hinter Gitter. Doch inzwischen gibt es längst neue.

Mainz/Trier/Bitburg. 10 000 Cannabis-Pflanzen auf dem Bitburger Flughafen, 1100 in Schönberg bei Thalfang, 500 in Hillesheim. 2,2 Kilogramm Amphetamin hier, 10 000 Extasy-Tabletten dort. Spektakuläre Drogenfunde gibt es in der ländlichen Region Trier reichlich. Doch sie sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn bei Drogen ist die Dunkelziffer extrem hoch. Der Grund: Es handelt sich um die sogenannte "Holkriminalität". Wenn niemand ermittelt, passiert auch nichts. Denn weder Drogendealer noch ihre Kunden haben ein Interesse daran, sich gegenseitig anzuzeigen. "Die Aufhellung der tatsächlichen Rauschgiftkriminalität hängt damit im Wesentlichen von den Aktivitäten der Polizei ab", heißt es in der Internetpräsenz des Landeskriminalamtes. Aber nicht nur. Neben der Polizei deckt auch die "Mobile Kontrollgruppe" des Zolls mit Standort in Bitburg Drogendelikte auf. Doch diese 15 Mann starke Gruppe ist in einem riesigen Gebiet nicht nur dafür zuständig. Auch Waffen-, Schwarzgeld- oder Benzin-Schmuggler gehören zu ihrer Klientel. Nach Meinung von Insidern wären mehr spezialisierte Beamte nötig. Die Kritik gilt der Politik, sagt der Trierer Staatsanwalt Jörn Patzak: Das Drogenproblem stehe offensichtlich nicht oben auf der Agenda. Dabei ist auch die Droge Nummer eins, Cannabis, längst keine "weiche" Droge mehr. Dank moderner Züchtungen sind die Wirkstoffgehalte enorm gestiegen, was auch neue gesundheitliche Risiken für die Konsumenten mit sich bringt.2002: 100 Heroinsüchtige im Stadtgebiet von Bitburg

Dass schon eine Handvoll spezialisierter Drogenfahnder viel erreichen kann, hat die 2002 gegründete "AG Eifel" eindrucksvoll bewiesen. Damals hatte sich gezeigt, dass es in der Eifel und dort besonders in Bitburg ein ernstzunehmendes Problem gab: Die Zahl der Autoaufbrüche und Ladendiebstähle war extrem hoch. Dass es sich bei diesen Taten, wie die Polizisten vermutet hatten, tatsächlich um Beschaffungskriminalität handelte, stellte sich im Rahmen der etwa 400 Ermittlungsverfahren heraus. Allein im Stadtgebiet von Bitburg sei man auf rund 100 Heroinabhängige gestoßen, sagt der Jugendsachbearbeiter Günter Colling, der Mitglied der 2003 aufgelösten AG Eifel war. Innerhalb von nur einem Jahr haben er und seine Kollegen unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Josef Junk in der Eifel 43 Menschen, überwiegend Drogendealer, festgenommen. Das Drogenangebot ging wegen der intensiven Strafverfolgung stark zurück, ebenso wie die Zahl der Autoaufbrüche. Ein weiterer Effekt war laut Staatsanwaltschaft, dass sich viele Heroinsüchtige freiwillig in Therapie begaben. Zum einen hatten sie Angst, selbst Ärger zu bekommen, zum anderen war es schwierig geworden, an Stoff zu kommen.Heute, fünf Jahre später, ist es nach Aussage von Colling gar kein Problem mehr, in der Eifel harte Drogen zu kaufen. Und die Zahl der Autoaufbrüche ist in Bitburg erneut bedenklich gestiegen. Auf der Szene-Seite erklärt der TV am morgigen Donnerstag, warum Cannabis nicht mehr ist, was es einst war. extra Position des Präsidiums: Genaue Zahlen zur Personalstärke möchte das Polizeipräsidium Trier nicht nennen. Doch Insider halten sie für zu gering. Das Präsidium verfügt über Rauschgiftkommissariate bei den Kriminalinspektionen Trier und Wittlich, deren speziell ausgebildete Beamte sich der Bekämpfung des Drogenhandels widmen. Die Beamten der Polizeiinspektionen hingegen kommen mit Verkehrskontrollen vor allem den Konsumenten auf die Spur. Gerade bei solchen Kontrollen wolle man deutlich aktiver werden, sagt Polizeipräsident Manfred Bitter. Auch im Bereich Prävention sind Beamte tätig, besonders die Beauftragten für Jugendsachen. Mit alledem sei eine effektive Bekämpfung der Drogenkriminalität gewährleistet. "Immer dann, wenn sich aufgrund unserer Lagebeurteilung zeitliche, örtliche oder deliktische Brennpunkte herauskristallisieren, wird auf diese (…) reagiert, z. B. durch die Einrichtung von Arbeits- oder Ermittlungsgruppen. Personelle Verschiebungen sind dabei nicht nur möglich, sondern die Regel", heißt es aus dem Polizeipräsidium. Straßenkriminalität, Drogen- und indirekte Beschaffungskriminalität sowie das vermehrte Aufkommen von Metalldiebstählen seien nur einige der Themen, die die Polizei intensiv beschäftigen. (kah)