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Zu wenig und zu langsame Impfung in Deutschland - Eine Analyse

Corona : Im Schneckentempo zur Herdenimmunität - Was Deutschland von anderen Staaten unterscheidet

In den meisten Ländern der Welt hat das Impfen gegen Covid 19 begonnen. Doch bleibt es beim aktuellen Schneckentempo in Deutschland, wird die Herdenimmunität in diesem Jahr nicht erreicht. Die USA, Großbritannien und Israel sind dabei erfolgreicher. Ein Vergleich.

Das Impfen gegen Covid 19 scheint derzeit der vielversprechend­ste Weg zu sein, aus der Pandemie in eine Art von Normalität zurückzukehren. Dabei haben die meisten Staaten, allen voran die Industrienationen, unterschiedliche Strategien. Wir haben die sich wöchentlich aktualisierenden Daten der Daten-Plattform Statista analysiert. Hier die beeindruckendsten Erkenntnisse.

Aktuelle Daten: Bis Anfang März wurden weltweit 114,4 Millionen Infizierte mit dem neuartigen Coronavirus registriert, 2,5 Millionen von ihnen sind gestorben. Darüber hinaus sind bislang drei Mutationen am häufigsten aufgetaucht, die britische in 92 Ländern (vor einer Woche in 61 Ländern), die südafrikanische in 40 Ländern (eine Woche zuvor in 24 Ländern) und die brasilianische in 21 Ländern (eine Woche zuvor in sechs Ländern). Anhand der Fälle hat sich die Zahl der Infizierten mit der britischen Mutation innerhalb einer Woche weltweit verdoppelt.

Impfstoffe: Mehr als 300 Impfstoffe sind entwickelt worden, elf von ihnen sind in unterschiedlichen Ländern zugelassen. Schaut man sich die USA, Großbritannien und die EU an, haben erstere 1,4 Millionen Dosen und damit 4,2 Impfdosen pro Einwohner geordert, die EU mit 2,1 Milliarden Dosen 4,8 Dosen pro Kopf und Großbritannien mit 407 Millionen Impfdosen sogar 6,1 Dosen pro Kopf. „Der Wettbewerb in diesem Jahr wird lauten: Wer immunisiert den größten Teil seiner Bevölkerung in der kürzest möglichen Zeitspanne“, formuliert Statista. „Die größte Herausforderung bleibt die Geschwindigkeit und die Wirksamkeit der Ausführung sowie die Einschränkungen bei der empfohlenen Verwendung der verfügbaren Impfstoffe.“

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Herdenimmunität_neu Foto: TV/Typoserv

Impfstoffversorgung: Während die EU gut 56 US-Dollar (47 Euro) pro Bürger für die Impfstoffe ausgibt, sind es in Großbritannien 50 US-Dollar (42 Euro) und in den USA rund 42 US-Dollar (35 Euro). Gut 60 Prozent der bestellten Impfdosen in der EU gehören zu Herstellern, deren Zulassung bereits erfolgt ist, also Moderna, Astrazeneca und Pfizer/BioNTech. In den USA sind erst 50 Prozent der bestellten Dosen von zugelassenen Herstellern, in Großbritannien nur 38 Prozent.

Impfstrategie: Während die meisten Länder die besonders vulnerablen Gruppen der Älteren und Kranken sowie medizinisches Personal bevorzugt impfen und dies auch bei der zweiten Impfdosis so hält, hat Großbritannien eine andere Strategie. Hier will man so viele Bürger wie möglich mit der ersten Impfdosis erreicht haben, um zumindest eine Teilimmunität für alle zu erreichen. Deshalb liegt im Vereinigten Königreich der Anteil der Erstgeimpften bei mehr als 30 Prozent.

Impfgegner: Dass sich die Zahlen der Impfbefürworter zu denen der Gegner von Land zu Land unterscheiden, wundert nicht. Dass die Unterschiede zwischen Frankreich und Großbritannien doppelt so groß sind, schon. So gibt es in Frankreich nur 40 Prozent Impfbefürworter, auf der Insel dagegen 77 Prozent, in den USA 69 Prozent, in Deutschland 65. Die Gründe, gegen eine Schutzimpfung zu sein, sind ähnlich gewichtet. So gibt es die größten Vorbehalte wegen möglicher Nebenwirkungen, in Deutschland mit 70 Prozent mit am meisten, in den USA mit 57 Prozent am wenigsten. Dass eine Impfung wenig effizient oder man auch ohne Impfung sicher ist, davon sind im Schnitt jeweils rund 26 und 20 Prozent der Gegner überzeugt.

Herdenimmunität: Eine Herdenimmunität ist für Statista erreicht, wenn 70 Prozent der Bevölkerung eines Landes gegen das Coronavirus geimpft worden sind. Mit dem Vergleich der täglich verabreichten Impf-Dosen und der Hochrechnung auf die benötigten Impflinge werden sowohl die USA (täglich 2,3 Millionen Dosen) als auch Großbritannien (täglich knapp 400 000 Dosen) dieses Ziel vor Ende des Jahres erreichen. In den USA sind bereits gut 16 Prozent der Bevölkerung geimpft, gut acht Prozent haben die volle Immunisierung erreicht. In Deutschland haben dagegen gut 5 Prozent der Menschen eine Corona-Impfung erhalten, nur 2,6 Prozent haben die volle Immunisierung erreicht. In Großbritannien dagegen sind gut 30 Prozent der Menschen einmal geimpft, jedoch nur 1,2 Prozent zum zweiten Mal. In Israel sind sogar 55 Prozent der Menschen einmal geimpft.  „Deutschland hat bisher die meisten Dosen in der EU verabreicht, bleibt jedoch mit rund 3,6 Millionen Injektionen in den ersten zwei Monaten unter den Erwartungen“, kommentiert Statista.

Deutschland müsste mit derzeit täglich 168 000 verimpften Dosen doppelt so viele Impfungen vornehmen, um eine Herdenimmunität ebenfalls bis zum Jahresende zu erreichen (2,2 Mal schneller). Statista analysiert hierzu, dass der Grund dafür hauptsächlich in der knappen Versorgung mit Impfstoffen und der bevorstehenden Zulassung weiterer Vakzine zu sehen ist und die Hoffnung besteht, dass sich dies bald ändern könnte.