Zuckerbrot für Zivis

TRIER. (sey) Wer freiwillig zum Bund geht oder Zivildienst leistet, soll dafür später bevorzugt eingestellt werden oder ein Stipendium bekommen. Das sieht ein Wehrpflicht-Kompromissmodell vor, das die SPD-Bundestagsabgeordnete Elke Leonhard heute erstmals der Öffentlichkeit vorstellen will. Der TV sagt vorab, wie das Bonussystem funktionieren soll.

Wird aus der Wehrpflicht- womöglich bald eine Berufsarmee? Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) ist offiziell immer noch dagegen, doch auch in den eigenen Reihen wächst der Widerstand - schon weil die Wehrgerechtigkeit längst nicht mehr gewährleistet ist. Nur noch jeder dritte junge Mann wird "eingezogen". Einen möglichen Ausweg aus dem Dilemma hat jetzt die Manderscheider SPD-Bundestagsabgeordnete Elke Leonhard erarbeitet: ein Bonusmodell nach dem Motto "Wer dient, wird belohnt". Der Ansatz der Parlamentarierin ist denkbar einfach: Wer als junger Mann oder junge Frau freiwillig zwischen zwölf und 23 Monate zur Bundeswehr geht oder seinen Zivildienst in einer sozialen Einrichtung ableistet, bekommt dafür Bonuspunkte gutgeschrieben. Die kann er oder sie anschließend bei Studienbeginn oder der Jobsuche "einlösen". Vorbild für das Leonhard-Konzept ist das vom damaligen amerikanischen Senator und späteren Präsidenten John F. Kennedy ins Leben gerufene "Peace Corps". Junge Amerikaner können sich bei diesem Programm für einen freiwilligen Dienst in einem Entwicklungsland melden. Lohn der Mühe: Stipendien, erlassene Studiengebühren, Prämien oder Einstellungsvorteile bei Bundesbehörden. 170 000 junge Amerikaner haben bis dato an dem "Peace Corps"-Programm teilgenommen. "Ein nachahmenswertes Modell und eine intelligente Alternative", findet die SPD-Abgeordnete Leonhard, die im Bundestags-Haushaltsausschuss für den Einzelplan 14 (Verteidigung) zuständig ist. Und ein Modell, das die befürchtete Kostenexplosion bei Einführung einer Berufsarmee verhindern könne. Nach ihren bisherigen Gesprächen mit Politikern und Militärs gibt sich die Manderscheider Sozialdemokratin jedenfalls optimistisch, dass ihr Vorschlag nicht gleich wieder in der Versenkung verschwindet. Ein paar Monate hat Elke Leonhard noch Zeit, um für das Bonussystem die Werbetrommel zu rühren und ausreichend Mitstreiter zu finden. Im November will die SPD auf einem Sonderparteitag endgültig ihre künftige Position zum Thema Wehrdienst festklopfen.