Zum Nachahmen gedacht

"Senioren gesucht." Wer so auffordert, kann nur nach neuen Bewohnern eines Altenheimes Ausschau halten. Doch halt! Einer nicht. Und der ist selbst 55 Jahre alt, Unternehmer in Franken und per bundesweiter Anzeigenschaltung auf der Jagd nach neuen Mitarbeitern.

Einzige Bedingung an den gewünschten Arbeitnehmer: Er muss älter als 45 Jahre sein. Bravo, Herr Stoschek! Was auf den ersten Blick vielleicht merkwürdig anmutet, macht auf den zweiten Blick Hoffnung. Vielleicht hat der Coburger Unternehmer aus seiner eigenen Not heraus, bald selbst der einzig erfahrene Senior unter Junioren zu sein, eine Tugend gemacht. Doch hat er sich als einer von wenigen gegen einen pervertierten Jugendwahn gestellt. Wenn 35-Jährige in manchen Branchen schon als "ältere Arbeitnehmer" gelten, das sind dann die über 50-Jährigen? Das Beispiel sollte Schule machen. Noch heute, denn ein Drittel aller Arbeitslosen ist bereits älter als 50. Und diese Ressource brach liegen zu lassen, ist nicht nur moralisch, sondern auch wirtschaftlich unverantwortlich. Ältere haben gute und schlechte Zeiten erlebt, wissen sich in Hochs und Tiefs zugunsten des Betriebes über Wasser zu halten. Das Beispiel des Autozulieferers macht aber auch den Jüngeren Mut. Denn bei einem solchen Arbeitgeber will man gerne arbeiten, bei einem, der einen auch in zehn oder 15 Jahren - zumindest wegen des Alters - nicht entlässt. s.schwadorf@volksfreund.de