Zum Shoppen lieber wieder ins Geschäft

Einzelhandel : Zum Shoppen lieber wieder ins Geschäft

Die regionalen Händler wollen den Online-Verkäufern trotzen. Doch die Konkurrenz lauert nicht nur im Internet.

Georg Kern ist ein Freund klarer Worte. Wenn der Präsident des regionalen Handelsverbands über die Herausforderungen des Einzelhandels angesichts der boomenden Online-Konkurrenz spricht, dann macht er ziemlich unverblümt deutlich, warum er nichts von längeren Ladenöffnungszeiten hält: „OnlineKäufer tätigen ihre Einkäufe gegebenenfalls nachts um 2 Uhr in der Unterhose vor dem Computer. Da kann der stationäre Handel auch mit noch so ausgeweiteten Öffnungszeiten nicht mithalten.“ Das leuchtet ein, und man muss noch schmunzeln dabei, wenn man sich ausmalt, wie der nächtliche Internet-Einkaufsbummel wohl ausschauen mag.

Dabei ist der Hintergrund von Kerns leicht flapsigen Bermerkungen durchaus ernst. Nicht nur für die regionalen Einzelhändler wird es eine der große Herausforderungen sein, dem boomenden Online-Handel etwas entgegenzusetzen. Gute Ratschläge gebe es viele, sagt Kern, der selbst Geschäftsführer eines Musikhauses in der Trierer Innenstadt ist. „Aber ob alle sinnvoll sind, mag dahingestellt sein.“ Als eine der Stärken des stationären Handels nennt Georg Kern die Beratung durch qualifiziertes Personal. Er beobachtet in seinem eigenen Geschäft, dass viele Kunden wieder aus dem Internet ins Fachgeschäft zurückkommen, „weil sie Beratung wollen und Service brauchen“. Vor allem bei teuren Produkten.

Eine Einschätzung, die auch Matthias Bungert vom Wittlicher Kaufhaus Bungert teilt. Wer etwas Hochpreisiges kaufe, der wolle etwas erleben – und sich das teure Produkt nicht lieblos verpackt zuschicken lassen, sagt Bungert. Er glaube, dass das Onlinegeschäft in Zukunft zurückgehen werde – auch wegen Problemen bei der Zustellung. Wittlich, Trier, aber auch Bitburg oder Daun sind Städte in der Region, deren Händler auch davon leben, dass viele Menschen aus dem Umland in das Mittel- oder Oberzentrum kaufen kommen. Ein Maß dafür ist der sogenannte Einzelhandelszentralitätswert. Der Wert beschreibt das Verhältnis aus dem Einzelhandelsumsatz zu der vor Ort vorhandenen Kaufkraft. Je höher der Wert über dem Durchschnittswert von 100 Punkten liegt, desto mehr Kunden von außerhalb sind angezogen worden.

Nach Angaben des Chefvolkswirts der Trierer Industrie- und Handelskammer, Matthias Schmitt, haben die Mittelzentren Bitburg, Daun und Wittlich einen Zentralitätswert von über 150. Die Region hat einen Durchschnitt von gut 101, die Stadt Trier selbst liegt bei rund 190 Punkten. Der Wert war schon einmal deutlich höher: Nach Berechnungen des städtischen Amts für Statistik lag Trier beim Einzelhandelszentralitätswert 2006 noch bei deutlich über 200 Punkten.

Experten wie der Trierer Raumplaner Christian Muschwitz sagen, dass eine Zentralitätsrate von 190 Punkten immer noch ein sehr guter Wert sei.  Doch natürlich sind die Trierer Einzelhändler daran interessiert, diesen Wert möglichst hoch zu halten. Je höher der Wert ist, desto mehr Geld wird schließlich in der Stadt ausgegeben.

Doch die Konkurrenz schläft nicht: Im benachbarten Luxemburg entstehen ständig neue Shopping-Center und Einkaufspassagen, aber auch die Mittelzentren wollen möglichst verhindern, dass potenzielle Käufer abwandern. So mehren sich derzeit etwa in Bitburg die Anzeichen, dass die seit vielen Jahren in der Innenstadt geplante Bit-Galerie nun doch endlich gebaut werden könnte. In Trier wird derweil über die Ansiedlung eines großen Globus-Marktes im Industriegebiet Richtung Wasserbillig diskutiert. Käme es dazu, könnte dies zwar einige Trierer Geschäfte Umsatz kosten, würde den Zentralitätswert aber möglicherweise sogar leicht erhöhen, weil der Gesamteinzelhandelsumsatz etwas steigen dürfte.

Die Wurstfabrik Quint hat auf Bio umgestellt. Foto: Quint/Christopher Arnoldi und Esther Jansen

Der regionale Handelsverband steht der Globus-Ansiedlung eher kritisch gegenüber. Er befürchtet negative Auswirkungen auf die Innenstadt und die Nahversorgung in den Stadtteilen. Georg Kerns Anliegen ist es, dass die Innenstädte möglichst attraktiv und für die Kunden möglichst gut erreichbar sein sollten.   Und dann schaut der Verbandsfunktionär doch ein wenig neidisch nach Luxemburg, wo die in den 1960er Jahren abgebauten Straßenbahnlinien reaktiviert werden. Etwas ähnliches wäre für den scheidenden Präsidenten des Handelsverbands (siehe Extra) auch ein Wunsch für die Region Trier.

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