Zurück auf der Baustelle

Das Gerücht waberte immer mal wieder durch Berlin, doch fragte man nach, hieß es stets: "Quatsch". Nun hat es sich bewahrheitet: Hartmut Mehdorn soll mit dem Berliner Pannenflughafen aufräumen. Sein Image als harter Sanierer dürfte dem quirligen Topmanager beim Sprung auf den vakanten Posten des Flughafenchefs geholfen haben.

Berlin. Bislang wollte keiner den heiklen Job in der Hauptstadt haben. Zuletzt hatte der frühere Frankfurter Flughafen-Geschäftsführer Wilhelm Bender abgesagt.
Mehdorn, inzwischen 70 Jahre alt, bringt gute Voraussetzungen mit für den Schleudersitz im märkischen Sand: Als früherer Chef der Deutschen Bahn (von 1999 bis 2009) und zuletzt von Air Berlin kennt sich der Sohn eines Fabrikanten mit Baustellen aus.
Außerdem hat er noch nie ein Problem damit gehabt, sich mit Gott und der Welt anzulegen. Das wird auch nötig sein, um das Desaster in Schönefeld irgendwie in den Griff zu bekommen.
Nicht sonderlich beliebt


Denn nach wie vor herrscht dort Chaos. Offen ist zudem, wann der neue Airport, der eigentlich schon längst in Betreib sein sollte, tatsächlich eröffnet werden kann - 2015 oder sogar noch später?
Zudem belaufen sich die Kosten des Projektes inzwischen auf mindestens 4,3 Milliarden statt veranschlagten 2,8 Milliarden Euro. Auch diese rollende Lawine muss Mehdorn stoppen.
Die, die mal mit ihm zu tun gehabt haben, berichten meist nicht über seine gute Seiten - soll heißen, Mehdorns Leistung als Konzernlenker wird oft nur widerwillig anerkannt, weil seine impulsiven und hemdsärmeligen Charakterzüge das Bild von ihm überlagern.
Nicht jeder Spitzenmanager hält es allerdings aus, Buhmann der Nation zu sein. Das war Mehdorn in den zehn Jahren als Bahnchef des Öfteren. Zwar trimmte er erfolgreich den ehemaligen Staatskonzern auf Gewinn, aus dem behäbigen Unternehmen wurde unter Mehdorn durch milliardenschwere Zukäufe ein weltweit tätiger Logistik-Konzern.
Immer wieder eckte er jedoch mit seiner forschen Art an, bis er schließlich über eine Affäre um die Bespitzelung von Mitarbeitern stolperte. Auch bei Air Berlin war Mehdorn nicht sonderlich beliebt, weil er der rote Zahlen schreibenden Airline mehrere, harte Sparprogramme verordnete. Nach nur 16 Monaten gab er Anfang Januar die Führung bei der Fluggesellschaft wieder ab. Heute bescheinigen ihm Analysten, dass Air Berlin viel besser dasteht als noch vor seinem Amtsantritt. Er habe die Kosten in den Griff bekommen, heißt es.
"Ich pfeife auf ein Denkmal"


Heikle Aufgaben übernimmt Mehdorn gerne, ohne zu zögern. Er mag Sätze wie den von Verkehrsminister Peter Ramsauer gestern: Mehdorn folge "ein Stück weit einer patriotischen Berufung" und stelle sich einer Herausforderung von nationaler Tragweite. Das passt ins Selbstbildnis des Managers, der über gute Kontakte in höchste politische Kreise verfügt, aber als völlig uneitel gilt.
Selbst Pannen kratzen nicht an seinem übergroßen Selbstbewusstsein: "Ich pfeife auf ein Denkmal. Und wenn es darum ginge, hätte ich es schon", ließ er vor Jahren einmal wissen. Er wolle jetzt "ein Powerhaus" aufbauen, sagte Mehdorn gestern. Ihm sei wichtig gewesen, dass ihm der Aufsichtsrat "jede Unterstützung" zugesichert habe. "Diplomat wollte ich nicht werden", heißt übrigens ein Buch über den Vater von drei Kindern. Einen Diplomaten kann man bei der Bewältigung der Herkulesaufgabe Hauptstadtflughafen wohl auch nicht gebrauchen.

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