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Zwei Drittel aller Bäume im Wald sind krank

Zwei Drittel aller Bäume im Wald sind krank

Das Waldsterben in Rheinland-Pfalz geht mit gedrosselter Geschwindigkeit weiter. Zwei Drittel aller Bäume im Land sind stark geschädigt. Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne) führt das vor allem auf den Klimawandel zurück.

Mainz. Im Wandel der Zeit lässt sich die Bedrohung am besten verdeutlichen: Während 1984 noch mehr als die Hälfte aller Bäume in Rheinland-Pfalz keine Schäden aufwiesen, sind es aktuell nur noch 29 Prozent. Wohin das unter Umständen führen kann, zeigt nicht zuletzt der tragische Unfall vor wenigen Tagen in Trier, bei dem eine Passantin durch einen plötzlich umstürzenden Baum zu Tode kam.
Vor allem den Eichen, die laut Friedrich Engels von der Landes-Forstanstalt häufig an der Mosel zu finden sind, geht es schlecht. Sie weisen mit 46 Prozent den höchsten Schädigungsgrad aller Baumarten auf, der sich im Vergleich zum Vorjahr noch erhöht hat. So ist der Zustand der Baumkronen schlechter geworden. Grund dafür ist ein vermehrter Insektenfraß mit anschließendem Mehltaubefall.
Eine spürbare Erholung verzeichnen die Experten bei der heimischen Buche, die in der Eifel weit verbreitet ist und insgesamt mehr als ein Fünftel der Waldfläche in Rheinland-Pfalz ausmacht. Hier ist die natürliche Vorbelastung des Vorjahres durch einen extrem starken Fruchtanhang aufgrund günstigerer Witterung weggefallen. Allerdings sind immer noch 40 Prozent der Buchen stark geschädigt.
Grundsätzlich, sagt Joachim Block von der Forstanstalt Rheinland-Pfalz, gelte die Regel: Viel Regen und kühle Temperaturen in den Monaten April bis September tun den Bäumen gut. Ist es heiß und trocken, verkraften sie das schlechter. Und was machen die Experten zum Beispiel bei einem starken Borkenkäfer-Befall? "Baum fällen, ruck zuck raus aus dem Wald", sagt Block. Das Problem sei dann, das Holz auch verkaufen zu können.
Forstministerin Ulrike Höfken nimmt den Waldzustandsbericht 2012 zum Anlass, "ein Plädoyer für den Klimaschutz zu halten".
Plädoyer für Umweltschutz


Die Stickstoffbelastungen durch Landwirtschaft und Verkehr seien nach wie vor hoch. Die rot-grüne Landesregierung ersetze die Klimakiller, indem sie energisch den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreibe. Das geschehe "auch mit dem Ausbau der Windkraft in den waldreichen Höhenlagen".
Ein wichtiges Projekt sieht die Grünen-Politikerin ferner in dem geplanten ersten Nationalpark in Rheinland-Pfalz. Dieser werde dazu beitragen, den Wald als Lebensraum für Tiere und Pflanzen und als Element des Biotopverbundes zu schützen.
"Wir können durch Forschung im unbewirtschafteten Nationalpark lernen, welche Baumarten anpassungsfähig sind", sagt die Ministerin.
Untersucht worden ist von den Fachleuten auch der Zustand des Waldbodens. Hier geben sie ein Stück weit Entwarnung: Die Versauerung sei stark zurückgegangen, der Zustand habe sich verbessert.