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Zwei Koffer und viele Spekulationen

Zwei Koffer und viele Spekulationen

TRIER. Terror, Erpressung oder nur irrer Unfug? Noch ist nicht klar, was hinter den Bombenfunden von Koblenz und Dortmund steckt. Doch bei Bahn und Polizei ist man alarmiert.

Auf den ersten Blick läuft alles routinemäßig am Trierer Bahnhof. Doch seit den beiden Bombenfunden in Zügen in Dortmund und Koblenz ist man auch in Trier in Alarmbereitschaft. Nicht so, dass es die Reisenden direkt merken würden. Man sei einfach noch sensibler als sonst, sagt ein Sprecher der zuständigen Bundespolizei im saarländischen Bexbach. Man halte eben noch intensiver Ausschau nach herrenlosen Koffern oder Taschen, mehr als bei den sonst üblichen Kontrollgängen der Beamten im Bahnhof. Seit klar ist, dass es zwischen den beiden Bomben einen Zusammenhang geben könnte, ist der Polizeieinsatz verstärkt worden, "in Zivil und in Uniform", sagt der Sprecher. Auch in den Zügen fahren mehr Beamte mit. Von Panik oder übertriebener Nervosität bei den Reisenden sei jedoch nichts zu spüren. Zumindest nicht in Trier. Am Dienstagabend löste ein herrenloser Koffer in einem Zug im nordrhein-westfälischen Dormagen einen Großeinsatz der Polizei aus. Ein Regionalexpresses wurde evakuiert, nachdem das Gepäckstück im Bordrestaurant des Zuges gefunden worden war. Spezialisten fanden aber lediglich Kleidungsstücke in dem Koffer. Obwohl noch nicht klar ist, ob es sich um einen terroristischen Hintergrund oder einen Erpressungsversuch handelt, hat auch die Bahn ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Das Personal sei zu erhöhter Aufmerksamkeit angehalten, es sollte noch wachsamer als bisher auf herrenlose Gepäckstücke achten, sagt ein Bahnsprecher in Berlin. Zudem würden die Passagiere über Lautsprecher aufgefordert, das Bahnpersonal direkt auf zurückgelassenes Gepäck aufmerksam zu machen. Zusätzliches Bord- oder Sicherheitspersonal soll jedoch nicht eingesetzt werden. Im Berliner Innenministerium sieht man derzeit keinen Anlass zur Sorge. Auch wenn die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen habe, könne ein allgemeiner krimineller Hintergrund nicht ausgeschlossen werden, heißt es. Im Regionalexpress Aachen/Hamm, in dem am Montag der herrenlose Koffer gefunden worden war, verteilte die Polizei gestern Flugblätter. Darauf sind Bilder eines Rollkoffers zu sehen, in dem der Sprengsatz entdeckt worden war. Die Ermittler hoffen auf Hinweise von Zeugen. Der im Regionalexpress Mönchengladbach/Koblenz gefundene herrenlose Koffer soll ein ähnliches Modell sein, heißt es. Beide Gepäckstücke enthielten je eine Propangasflasche, mehrere mit Benzin gefüllte Flaschen, Zündvorrichtungen und Batterien. Unklar ist, ob es sich um scharfe Sprengsätze gehandelt hat. Erst einen Tag nach dem Fund im Zug wurde am Dienstag der Rollkoffer im Koblenzer Bahnhof geöffnet. Das gesamte Gebäude wurde dafür evakuiert. Der Bahnverkehr rund um Koblenz lag stundenlang lahm. Insgesamt 13 Fernzüge und 72 Regionalzüge waren davon betroffen, etliche davon von und nach Trier. Erst gegen 19.30 Uhr normalisierte sich die Lage wieder.