Zwei Stunden bis zum Koma

Ruckzuck-Prozess im Trierer Landgericht: Nach nur sieben Minuten ist der erste Verhandlungstag gegen einen 30 Jahre alten Mann aus Nordrhein-Westfalen wieder beendet worden. Der Informationstechniker soll mitverantwortlich sein am Tod seiner Ex-Freundin (20).

Trier. Anfang Juni 2009: Der Tod einer jungen Trierer Lehramtsstudentin gibt Rätsel auf. Eine Mitbewohnerin hat die 20-Jährige leblos in der gemeinsamen Wohnung aufgefunden. Jede Hilfe kommt zu spät.

Gerüchte kursieren, sogar von einem Gewaltverbrechen ist die Rede. Bis der Leitende Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer klarstellt: "Es gibt keine Anhaltspunkte für ein Tötungsdelikt." Nur woran die ursprünglich aus dem nordrhein-westfälischen Ort Brakelsiek stammende junge Frau starb, wissen die Ermittler zunächst nicht.

Erst mehrere Monate später steht fest, dass die Studentin an einer Überdosis des hochgefährlichen Lösungsmittels Gamma-Butyrolacton (GBL) gestorben ist, einer vor allem in der Techno-Szene verbreiteten Party-Droge. Der Ex-Freund der 20-Jährigen, damals seit einigen Tagen bei der Studentin zu Besuch, soll es regelmäßig geschluckt haben; "wegen einer psychiatrischen Vorerkrankung", sagt Staatsanwalt Eric Samel.

Vorwurf: Totschlag durch Unterlassung



Der Trierer Ankläger macht den seit Februar in Untersuchungshaft sitzenden 30-Jährigen für den Tod der jungen Frau mitverantwortlich.

"Er hat nichts unternommen, als sie 20 Milliliter GBL aufgelöst in einer Flüssigkeit getrunken hat und in den folgenden zwei Stunden immer schläfriger wurde."

Die Studentin fiel schließlich ins Koma, aus dem sie nicht mehr erwachte. Totschlag durch Unterlassen wirft die Staatsanwaltschaft dem 30-Jährigen vor, der sich seit gestern vor dem Trierer Landgericht verantworten muss.

Der Mann aus dem nordrhein-westfälischen Steinheim wird am Dienstagmorgen in Handschellen in den Sitzungssaal geführt, setzt sich neben seinen Verteidiger Jost Ferlings. Für ein paar Minuten. Staatsanwalt Eric Samel verliest die Anklage, dann ist der erste Prozesstag auch schon beendet. Denn der Angeklagte schweigt, was sein gutes Recht ist, macht zunächst nicht einmal Angaben zu seinem Lebenslauf.

Nach Angaben des Staatsanwalts hat der 30-Jährige in einer früheren Vernehmung bei der Polizei von Selbsttötungsabsichten der Ex-Freundin erzählt. Danach wollte sich die Studentin an jenem Juni-Abend 2009 angeblich sogar aus dem Fenster stürzen, weil der ehemalige Lebensgefährte die Beziehung "trotz vorangegangener Intimkontakte" für endgültig beendet erklärt habe.

Für den Staatsanwalt sind das Schutzbehauptungen. "Ich glaub' ihm das nicht", sagt Eric Samel unserer Zeitung.

Die Schwierigkeit Samels wird allerdings sein, die Totschlags-Vorwürfe gegen den Angeklagten zu erhärten. Denn außer dem 30-Jährigen und der verstorbenen Studentin war niemand in der Wohnung, als es passierte.

"Die Anklage stützt sich größtenteils auf kriminaltechnische Ermittlungsergebnisse", sagt der Staatsanwalt und räumt ein, dass der Ausgang des Verfahrens noch offen ist. "Da ist rechtlich vieles denkbar", sagt Samel.

Der bis Anfang Oktober terminierte Prozess wird am Montag fortgesetzt.