Zweifel an Sicherheit der Hochmoselbrücke bleiben bestehen

Zweifel an Sicherheit der Hochmoselbrücke bleiben bestehen

Auch nach dem Gespräch mit den Planern der Hochmoselbrücke zweifelt der angesehene Ingenieurgeologe Rafig Azzam daran, dass der Riesenbau auf dem Rachtiger Rutschhang sicher steht. Er fordert Nachbesserungen.

Koblenz. Während oberhalb der Mosel bereits schweres Gerät in Position gebracht wird, um am umstrittenen Rutschhang bei Zeltingen-Rachtig mit den Gründungsarbeiten für die Pfeiler der nicht minder umstrittenen Hochmoselbrücke zu beginnen, diskutieren die Experten in Koblenz noch darüber, ob das 160-Meter-Bauwerk überhaupt sicher stehen wird. Grund für das drei Stunden lange Gespräch: Der renommierte Aachener Ingenieurgeologe Rafig Azzam (Foto: privat) hatte Zweifel an der Standsicherheit der Brücke geäußert sowie den Planern vorgeworfen Din-Normen zu missachten und Menschenleben aufs Spiel zu setzen.
Und auch nachdem die Fachleute des Landesbetriebs Mobilität (LBM), Vertreter von beratenden Ingenieurbüros und der Prüfstatiker der Hochmoselbrücke dem Professor dargelegt haben, was genau geplant ist und wie gerechnet wurde, sind Azzams Zweifel nicht ausgeräumt. "Der Hang ist instabil. Das Sicherheitskonzept muss verbessert werden", sagt er dem Volksfreund. Auch die geplanten, mit Ankern rückwärtig im Berg befestigten Stahlbetonschächte, die Pfeiler vor rutschenden Erdmassen schützen sollen, reichen Azzam nicht. Das Sicherheitskonzept müsse für den gesamten Hang gelten. "Es bringt ja nichts, wenn ich nur eine lokale Sicherung vornehme."
Der LBM habe zugesagt, die Bedenken zu prüfen und das Ganze durchzurechnen. Man hat verabredet, die Diskussion im Januar auf Fachebene fortzusetzen.
Trotz allem bleiben die Planer bei dem, was sie schon immer sagen: "Aufgrund der umfangreichen Untersuchungen und Gutachten, die in den vergangenen 30 Jahren am Eifelhang durchgeführt wurden, gibt es keine Hinweise darauf, dass die Brücke dort nicht standsicher gebaut werden kann." Ein zusätzliches Sickerwassergutachten habe zudem gezeigt, dass die Grundwassersituation günstiger sei, als es aufgrund früherer Untersuchungen unterstellt worden war.
Während die Experten streiten, gehen die Bauarbeiten weiter. Am Freitag sollen die Bohrpfahlarbeiten am umstrittenen Eifelhang beginnen.Extra

Nach der Kritik am Sicherheitskonzept der Brücke verlangt die Opposition Aufklärung. Alexander Licht, Landtagsabgeordneter der CDU, fordert, dass die Ergebnisse des Gesprächs zwischen dem LBM und Azzam dokumentiert werden. Jeder Zweifel an der Sicherheit der Brücke müsse ausgeräumt werden. Die CDU will das parlamentarisch aufgreifen. kah

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