Zwischen Barmherzigkeit und Gewinnstreben

Zwischen Barmherzigkeit und Gewinnstreben

Lassen sich der ständige Sparzwang im Gesundheitswesen und christliche Werte vereinbaren? Ja, sagt Markus Leineweber, neuer Hausoberer des Trierer Brüderkrankenhauses. Der TV sprach mit dem 41-Jährigen.

Trier. Konzern, Profit, Gewinnmaximierung, das sind Begriffe, die er nicht so gerne verwendet. Viel lieber spricht Markus Leineweber von Gruppe oder Kooperationen, Nutzen von Ressourcen, wirtschaftlichem Handeln und Leitungsaufgaben. Der 41-jährige Theologe, seit kurzem Hausoberer des Trierer Brüderkrankenhauses und des Seniorenzentrums der Barmherzigen Brüder in der Trierer Innenstadt, versteht sich weniger als Manager, sondern vielmehr als jemand, der in einer Unternehmensgruppe, die rund 2000 Mitarbeiter beschäftigt, die christliche Kultur und Werte fördert und gestaltet. Als Hausoberer vertritt der aus Serrig (Landkreis Trier-Saarburg) stammende Leineweber den Orden der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf, der 1850 gegründet worden ist und zu dem 25 Einrichtungen, Beteiligungsgesellschaften und Kooperationen mit mehr als 8000 Beschäftigten in Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen gehören.

Doch wie lassen sich christliche Werte mit ständigem Sparzwang, wie er im Gesundheitswesen herrscht, vereinbaren? "Wir müssen möglichst effizient mit den Ressourcen, also auch mit Geld, umgehen", antwortet Leineweber. Geldknappheit und der Zwang zum Sparen seien schließlich kein Ausfluss der ständigen Gesundheitsreformen. Damit hätte Ordensgründer Peter Friedhofen schon zu seinen Lebzeiten umgehen müssen. "Und das noch viel drastischer als wir es heute müssen", sagt Leineweber. Wirtschaftliches Handeln habe damals Barmherzigkeit geheißen.

Kein Profitmachen um jeden Preis



Daher schließen sich für den Hausoberen, der bis 2005 bereits stellvertretender Hausoberer im Brüderkrankenhaus gewesen war, wirtschaftliches Handeln und christliche Kultur nicht aus. Wirtschaftliches Handeln habe nichts mit Gewinnmaximierung und Profitmachen um jeden Preis zu tun. Trotzdem müsse das Brüderkrankenhaus Gewinn machen, um zu investieren und damit auch die Arbeitsplätze zu sichern. Kirchlich zu sein, heiße ja nicht weltfremd, sagt Leineweber: "Wir sind ein kirchliches Haus in dieser Welt."

Statt Gewinnmaximierung spricht Leineweber davon, das "möglichst Optimale" mit dem vorhandenen Geld und Personal zu erreichen. Das Trierer Brüderkrankenhaus ist die fünftgrößte Klinik in Rheinland-Pfalz und muss daher personell und technisch stets auf dem neuesten Stand sein. Doch gerade bei der Anschaffung medizinischer Apparate mahnt Leineweber zu Zurückhaltung. "Wir brauchen nicht jedes neue Gerät, nur weil es angeblich besser ist. Wir müssen uns daran orientieren, ob es tatsächlich einen größeren Nutzen hat, ob es also den Patienten wirklich was bringt." Das habe auch etwas mit medizinischer Ethik zu tun. Nicht alles, was machbar ist, müsse auch gemacht werden. "Wir können nicht jeden Patienten heilen." Es gebe in einer kirchlichen Klinik medizinische Grenzen. Als Beispiel nennt er Abtreibungen und Sterbehilfe.

Ein Haus wie das Brüderkrankenhaus müsse noch mehr den Menschen - den Patienten und den Mitarbeiter - in den Mittelpunkt stellen, als das etwa Kliniken in freier Trägerschaft tun. Die Bedeutung und die Zufriedenheit der Mitarbeiter müssten noch stärker herausgekehrt werden, hat er sich zum Ziel gesetzt. Im Gegensatz zu reinen Wirtschaftsunternehmen dürfe man Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen nicht als Kostenfaktoren sehen: "Arbeit ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern auch die Verwirklichung der eigenen Persönlichkeit", sagt Leineweber. Dabei sei er sich bewusst, dass sich diese Idealbeschreibung des Mitarbeiters nicht immer in den von ihm geleiteten Häusern 100-prozentig umsetzen lässt. Wohl nicht alle Beschäftigten würden sich jeden Tag in ihrem Job in Krankenhaus oder Seniorenzentrum selbst verwirklichen können und immer nur zufrieden mit ihrem Arbeitgeber sein. "Wichtig ist aber, dass wir uns ständig fragen, wie gehen wir mit den Leuten um", mahnt der Hausobere seine Führungskräfte auch zu Selbstkritik.

Extra

Die Barmherzigen Brüder in Trier: Der Ordensgemeinschaft gehören acht Krankenhäuser und neun Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe mit rund 8000 Mitarbeitern an. Sie verfügt über 2000 Krankenhausbetten. Das Trierer Brüderkrankenhaus mit 562 Betten und mehr als 2000 Mitarbeitern ist die größte Einrichtung der Trägergesellschaft. Jährlich werden dort 25 000 Patienten stationär und 60 000 ambulant behandelt. Im Seniorenzentrum in der Trierer Innenstadt werden 73 Bewohner betreut. (wie)