| 16:05 Uhr

Rasse des Tieres unklar
Baby stirbt nach Hundebiss in den Kopf

Ein Polizeiauto steht vor dem Haus, in dem ein sieben Monate alter Junge nach einem Biss des Familienhundes gestorben ist. Foto: Fabian Sommer
Ein Polizeiauto steht vor dem Haus, in dem ein sieben Monate alter Junge nach einem Biss des Familienhundes gestorben ist. Foto: Fabian Sommer FOTO: Fabian Sommer
Bad König. Ein sieben Monate alter Junge aus dem südhessischen Bad König ist nach einem Biss des Familienhundes gestorben. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft heute gemeinsam mitteilten, biss das Tier das Baby am Vortag in der Wohnung aus zunächst ungeklärter Ursache in den Kopf. dpa

Der sieben Monate alte Jannis aus Bad König im Odenwald ist nach einem Biss des Familienhundes gestorben. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, biss das Tier das Baby am Montagnachmittag in der Wohnung in den Kopf. Der kleine Junge starb wenig später im Krankenhaus.

Erst Anfang April hatte in Hannover ein Kampfhund - ein Staffordshire-Terrier - eine 53-jährige Mutter und ihren 27-jährigen Sohn in einer Wohnung totgebissen.

Der 23 Jahre alte Vater von Jannis hatte nach Angaben der Polizei sofort die Rettungskräfte verständigt. Zunächst sei der Zustand des Säuglings noch stabil gewesen, am späten Abend erlag er seinen schweren Kopfverletzungen. Der Vater und die 27 Jahre alte Mutter des Babys standen unter Schock und waren zunächst nicht vernehmungsfähig, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Robert Hartmann mitteilte. Später schwiegen sie zu der Tat.

Die Polizei sicherte Spuren in der Wohnung. In welchem Zimmer und in welcher Situation der Hund zugebissen hat, war noch unklar.

Der Hund wurde zunächst in ein Tierheim gebracht, wo er als „hoch aggressiv“ beschrieben worden sei, sagte Polizeisprecherin Andrea Löb. Unklar war zunächst, ob der Hund zu einer gefährlichen Rasse gehört. Das Tier soll nach einem ersten Eindruck der Polizei ein Mischling sein, bei dem es sich „nach dem äußeren Ansehen um einen Staffordshire-Mix handeln könnte“. Zur Liste der gefährlichen Hunde gehört auch der Staffordshire-Terrier.

Genau solle das ein Experte klären, sagte Hartmann. Geschulte Fachleute sollen zudem einen Wesenstest des Hundes machen. Deshalb sei er in die Obhut der Polizei übergeben worden. Der Einzelfall müsse genau geklärt werden, es reiche nicht die Rassenzugehörigkeit .

Fraglich sei auch noch, ob der Hund schon einmal gebissen habe oder aufgefallen sei. Mit einem Ergebnis des Wesenstests sei erst in einigen Wochen zu rechnen. Das Tier müsse sich zunächst in seiner neuen Umgebung einleben. Ob der Hund einen Maulkorb trug, war zunächst ebenso wenig bekannt wie sein Name.

Das tote Baby soll am Mittwoch obduziert werden. Die Ermittler prüfen gegen die Eltern den Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung. „Es gilt aber die Unschuldsvermutung“, betonte Hartmann. Es könne auch ein tragischer Unfall gewesen sein.

„Es gibt noch widersprüchliche Informationen zu dem Hund“, sagte der Bürgermeister der Kurstadt im Odenwald, Uwe Veith (parteilos). Es müssten noch Informationen eingeholt werden - der Hund sei nicht als Kampfhund registriert gewesen. Die Familie sei in dem rund 10.000 Einwohner großen Heilbad unbekannt. „Sie wohnen noch nicht lange hier“, sagte Veith. Einen vergleichbaren Fall habe es im südhessischen Bad König noch nie gegeben.

Werden Hunde aggressiv, liegt die Schuld Experten zufolge meist beim Halter. Tödliche Unfälle sind selten:

April 2018: Ein Terrier-Mischling tötet seine Besitzer, Mutter (52) und Sohn (27), in Hannover. Klar wird aber auch: „Chicos“ Halter waren überfordert.

Mai 2017: Ein Kangal beißt eine Passantin (72) bei Sigmaringen (Baden-Württemberg) zu Tode. Polizisten erschießen das Tier.

September 2014: Im Schwarzwald fällt eine Frau zu Hause ihrem Australian-Shepherd-Mischling zum Opfer. Das Tier geht auf die 57-Jährige los und verletzt sie tödlich.

Dezember 2011: Ein Baby wird in Schmallenberg (NRW) von einem Husky-Mischling in der elterlichen Wohnung zu Tode gebissen.

Juni 2000: Auf einem Hamburger Schulhof zerfleischen zwei freilaufende American-Staffordshire-Mischlinge den kleinen Volkan (6). Die Bundesländer reagieren mit schärferen Gesetzen.