Bauernpräsident Michael Horper: Politik muss sich zwischen Wolf und Nutztierhaltung entscheiden.

Entscheidung gefordert : Der Wolf rückt näher – die Kritiker schäumen

Bauernpräsident Michael Horper sagt, dass die Politik sich langsam zwischen Wolf und Nutztierhaltung entscheiden muss.

Der Wolf rückt näher – mal wieder.  In der nördlichen Eifel ist nach mehreren Sichtungen von Wölfen und Rissen von Schafen ein neues Wolfsgebiet ausgewiesen worden. Das teilte am Mittwoch das nordrhein-westfälische Umweltministerium mit.

Die 505 Quadratkilometer große Region „Eifel – Hohes Venn“ ist das dritte Wolfsgebiet in NRW. Sie reicht im Süden bis an die Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz (siehe Karte). Ein solches Gebiet wird ausgewiesen, wenn ein Wolf über die Dauer von bis zu einem halben Jahr mehrfach in einer Region gesehen oder nachgewiesen wird. In dem ausgewiesenen Gebiet werden die Halter von Weidetieren bei der Anschaffung von Elektrozäunen finanziell unterstützt.

Die Maßnahme des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums dürfte auch im benachbarten Rheinland-Pfalz die Diskussionen neu entfachen. Erste Kritiker äußern sich: „Der Wolf ist kein Kuscheltier, sondern ein Frischfleischfresser“, machte der Eifeler CDU-Landtagsabgeordnete Michael Billen am Mittwoch einmal mehr deutlich, dass die Tiere in dem passionierten Jäger wohl keinen Fürsprecher haben werden. „Wir brauchen den Wolf hier nicht.“

Dabei dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis sich die einst hier beheimateten Tiere auch in der Südeifel oder im Hunsrück ansiedeln. Nach Angaben des Mainzer Umweltministeriums hat sich in Rheinland-Pfalz erst eine Wölfin niedergelassen –  am Stegskopf im Westerwald. Insgesamt wurden demnach in Rheinland-Pfalz bislang in 19 Fällen Wölfe nachgewiesen. Dahinter sollen sich nach Ministeriumsangaben sechs bis elf Tiere verbergen.

Der CDU-Politiker und Jäger Michael Billen visiert am in Kaschenbach (Eifelkreis Bitburg-Prüm) mit einem Jagdgewehr symbolisch ein Ziel an. Foto: picture alliance / dpa/Harald Tittel

Der letzte Zwischenfall mit einem Wolf liegt erst einen guten Monat zurück.  Ende Mai riss ein Wolf in Muscheid (Kreis Neuwied) drei Schafe. Die Weide war laut offizieller Mitteilung nicht mit einem Elektrozaun gesichert. Untersuchungen kam zu dem Ergebnis, dass der verantwortliche Wolfsrüde zur sogenannten mitteleuropäischen Flachlandpopulation gehört und Richtung Süden gezogen ist. Wölfe können in einer Nacht bis zu 80 Kilometer laufen. Das rheinland-pfälzische Umweltministerium verweist auf den 2015 beschlossenen Wolfsmanagementplan, der Möglichkeiten für Präventions- und Ausgleichsmaßnahmen vorsehe. So würden etwa Schäden an Nutztieren zu 100 Prozent übernommen, wenn der Wolf als Verursacher nicht ausgeschlossen werden könne. In sogenannten Präventionsgebieten wie dem Westerwald würden zudem wolfssichere Zäune und Herdenschutzhunde für Schaf-, Ziegen- und landwirtschaftliche Wildhalter vom Land gefördert, ergänzt das Ministerium

Den Kritikern reicht das nicht aus. „Schluss mit der Willkommenskultur: Es ist höchste Zeit, Wölfe endlich in das Jagdrecht aufzunehmen“, fordert der Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, Michael Horper. Der Eifeler sagt, die Gesellschaft werde sich entweder für den Wolf oder für die Nutztiere entscheiden müssen. Setze sich die bisherige Praxis fort, würden viele Halter von Schafen, Ziegen und Kühe ihre Betriebe aufgeben, sagt Horper. Es sei „eine Unverschämtheit, dass die Politik nicht reagiert“.

Landwirt aus Leidenschaft: Michael Horper, Vorsitzender des Bauernverbands Rheinland-Nassau. TV-Foto: Stefanie Glandien. Foto: e_eifel <e_eifel@volksfreund.de>

Auch der Vulkaneifeler FDP-Landtagsabgeordnete Marco Weber fordert, den Wolfsplan nachzubessern und das Tier ins Jagdrecht aufzunehmen. Bislang müssten sich Jäger vor Gericht verantworten, wenn sie einen Wolf erlegten. Der Wolf ist in der Europäischen Union geschützt und darf nicht gejagt werden. Nur Wölfe, die mehrfach Zäune überwinden und großen Schaden anrichten, indem sie zum Beispiel Schafe töten, dürfen abgeschossen werden. Nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) gibt es bundesweit 73 Rudel, zehn Paare und zehn sogenannte territoriale Einzeltiere. Eines davon ist die im Westerwald lebende Wölfin.

Mehr von Volksfreund