Bei Anhörung zur Strukturreform des Bistums Trier überwiegt die Kritik

Kostenpflichtiger Inhalt: Katholische Kirche : Strukturreform des Bistums Trier ist Aufbruch und Abbruch zugleich

Bei der Anhörung zur Strukturreform des Bistums überwiegt die Kritik. Viel ändern wird sich deshalb aber nicht.

Glaubt man den Kritikern der Strukturreform im Bistum Trier, haben die Verantwortlichen im Generalvikariat alles daran gesetzt, das womöglich zumindest in Teilen absehbare Ergebnis der Anhörung schönzufärben. Durch die Beauftragung des angeblich kirchennahen Pragma-Instituts habe man „den Bock zum Gärtner gemacht“, meint etwa der Sprecher der reformkritischen Initiative Kirchengemeinde vor Ort, Harald Cronauer.

Hätten die Skeptiker recht, wäre die Sache ziemlich schiefgegangen. Denn die am Wochenende vom wissenschaftlichen Leiter des Reutlinger Instituts, Martin Messingschlager, vorgestellten Ergebnisse zeigen ziemlich deutlich, welche Befürchtungen und Kritikpunkte die diversen kirchlichen Räte, aber auch die Priester an der vom Trierer Bischof Stephan Ackermann angestoßenen Strukturreform haben. Und eines ist nach der Lektüre der auch im Internet auf einer Bistumsseite veröffentlichten Ergebnisse klar: Die meisten Befragten stehen der Reform eher negativ gegenüber.

Dabei sind die Punkte, die von Mitgliedern der Pfarrgemeinderäte, Verwaltungsräte oder von Priestern kritisiert werden, nicht weiter überraschend. Da geht es etwa um die Größe der künftigen XXL-Pfarreien, vom Bistum etwas beschönigend Pfarreien der Zukunft (PdZ) genannt, dem drohenden Verlust an Identität oder der Überforderung von Ehrenamtlichen. Alles Dinge, die auch in der Vergangenheit von Kritikern immer wieder angesprochen wurden. Doch am Grundgerüst der Reform wird sich auch nach der Anhörung mit einer Beteiligung von weit über 90 Prozent nichts ändern, machten die Verantwortlichen bei der Ergebnispräsentation deutlich. Dennoch wird es laut Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg noch kleinere Veränderungen geben.

So hatte etwa der Katholikenrat, das höchste Laiengremium im Bistum, das geplante Einkammersystem im Rat der Pfarreien kritisiert, weil dadurch die Stellung der Ehrenamtlichen geschwächt würde. Nun soll es ein Zweikammersystem geben, wobei die Stellung des Priesters noch nicht feststeht.

Etliche Rückmeldungen und Bedenken gab es auch bei Vermögensfragen. Was passiert mit den Grundstücken oder Immobilien der jetzigen kleineren Pfarreien, wenn diese künftig in einer Großpfarrei aufgehen? Der Generalvikar sagt, dass in einigen Punkten nicht ausreichend informiert worden sei und kündigte an, dass die Kommunikation über Details der Reform noch verbessert werde müsse. Aber wahr sei eben auch, dass eine grundlegende Veränderungen geplant sei. „Das ist Aufbruch und Abbruch zugleich“, sagte von Plettenberg.

Glaubt man den Kritikern, beinhaltet die Strukturreform des Bistums deutlich mehr Abbruch als Aufbruch. Trotz der bei der Anhörung geäußerten deutlichen Ablehnung hielten der Bischof und sein Generalvikar unbeirrt daran fest, kritisiert Initiativensprecher Harald Cronauer. Die sture Uneinsichtigkeit und fehlende Kompromissbereitschaft des Bistums sei nur dadurch zu erklären, dass der Bischof, komme was wolle, die Priester unter seine Kuratel bringen wolle, so Cronauer. Die nach eigenen Angaben inzwischen von 309 Pfarreien unterstützte Protestbewegung Kirchengemeinde vor Ort will nun womöglich kurzfristig eine eigene Umfrage unter allen Christen im Bistum in Auftrag geben.

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