Bei einem Schlaganfall kommt es auf jede Minute an

Gesundheit : Bei einem Schlaganfall kommt es auf jede Minute an

Bei einem Schlaganfall kommt es auf jede Minute an. Doch selbst Stunden nach einem Infarkt stehen die Chancen gut, dass Patienten überleben.

Immer wieder war ihm schwindelig. Lange Zeit hat der heute 85-Jährige seine Beschwerden aufs Wetter geschoben. Oder auf seinen Blutdruck, der trotz Medikamenten zu hoch war.  Morgens sei ihm oft schlecht gewesen, sagt der Rentner aus Trier. Doch trotz etlicher Untersuchungen finden Ärzte nichts Auffälliges bei dem Mann. „Es wurde immer schlimmer.“

Eines Morgens, als er einkaufen gehen will,  hat er starke Sehstörungen, kann sich kaum auf den Beinen halten. Er geht ins  Krankenhaus. Dort stellen Ärzte einen Arterienverschluss fest. Sie überweisen ihn zu den Schlaganfallspezialisten im Trierer Brüderkrankenhaus. Die Diagnose dort: Der 85-Jährige hat mehrere kleine Schlaganfälle erlitten, weil seine Halsarterie verengt war. Vier Tage nach seiner Ankunft auf der Schlaganfallstation im Brüderkrankenhaus wird der Mann operiert. Ein paar Tage nach dem Eingriff erinnert nur noch ein großes Pflaster am Hals daran. Ansonsten ist der 85-Jährige fit: „Der Schwindel ist weg, ich kann wieder sicher gehen“, sagt er.

Prof. Dr. Matthias Maschke, Chef-Neurologe im Brüderkrankenhaus, ist zuversichtlich, dass der Mann ohne ernsthafte bleibende Schäden die Schlaganfälle überstehen wird. Das sei nicht bei allen Patienten so, sagt Maschke. „Der Schlaganfall ist – weltweit gesehen – unter allen Erkrankungen die Hauptursache für ein Leben mit Behinderung.“

Im vergangenen Jahr haben mehr als 15 000 Menschen in Rheinland-Pfalz einen Schlaganfall erlitten. Allein in Trier und im Kreis Trier-Saarburg wurden laut Maschke rund 1100 Patienten deswegen behandelt.

Dabei kommt es drauf an, dass die Betroffenen möglichst schnell ins Krankenhaus kommen. „Time is brain“, sagt Maschke. Zeit ist Gehirn. Mit anderen Worten:  Je schneller ein Schlaganfallpatient behandelt wird, desto größer ist die Chance, dass er den Hirninfarkt ohne größere Folgen, etwa Lähmungen oder Sprachstörungen, übersteht.

Selbst gesunde, auch junge,  Menschen ohne Vorerkrankungen können Maschke zufolge einen Schlaganfall bekommen. Oft gebe es dafür auch keine Vorzeichen. „Der kommt dann aus heiterem Himmel.“ Allerdings könne man das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, minimieren. Etwa in dem man sich gesund ernährt, sich bewegt, nicht raucht.

Mittlerweile stehen die Chancen, dass auch ältere Menschen  Schlaganfälle durch rechtzeitige Behandlung folgenlos überstehen, gut, wie das zu Beginn dieses Berichts angeführte Beispiel des 85-Jährigen zeigt. Bis zu 24 Stunden nach einem Schlaganfall kann ein Eingriff noch erfolgreich sein. Wenn nämlich das Blutgerinsel, der sogenannte Thrombus, operativ aus einem Blutgefäß entfernt wird.

Bei der sogenannten Thrombektomie wird ein Katheter, an dem ein Ballon angebracht ist, in das Gefäß eingeführt und dann quasi aufgepumpt, um das Gerinsel so aufzulösen. Solche Behandlungen können jedoch nur in Spezialzentren erfolgen – etwa im Trierer  Brüderkrankenhaus.

Prof. Dr. med. Matthias Maschke 0651-7199-194. Foto: Brüderkrankenhaus Trier

Maschke bezeichnet die Versorgung für Schlaganfall-Patienten in der Region als vergleichsweise gut. Sowohl in den Krankenhäusern in Daun, Bitburg als auch Wittlich gebe es sogenannte Stroke-Units, also auf Schlaganfall-Patienten spezialisierte Abteilungen.  Allerdings müssen Patienten, bei denen etwa eine Thrombektomie notwendig ist, schnellstmöglich in ein entsprechendes Spezial­zentrum verlegt werden. Und das, so sieht es ein Urteil des Bundessozialgericht vor, innerhalb von 30 Minuten (der TV berichtete).  Das ist aber nicht immer zu schaffen, etwa von Daun aus nach Trier, wie Maschke sagt. Daher würden die Ärzte in dem Dauner Krankenhaus bei Schlaganfallpatienten über das sogenannte Telestroke-Netzwerk unterstützt. In den sechs überregionalen Schlaganfalleinheiten – neben dem Brüderkrankenhaus sind das die Uniklinik Mainz, das Westpfalz-Klinikum, das Katholische Klinikum Koblenz-Montabaur, das Klinikum Idar-Oberstein und das Klinikum Ludwigshafen – stehen rund um die Uhr Experten für Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall, die in den übrigen 23 Stroke Units des Landes behandelt werden, zur Verfügung. Der diensthabende Schlaganfallexperte wird in der Notaufnahme der kleineren Klinik über eine Videokonferenz zugeschaltet, kann den Patienten befragen und zusammen mit dem Arzt vor Ort untersuchen. Gleichzeitig werden die Computertomographie-Bilder überspielt. So kann der Experte in der Spezialklinik entscheiden, welche Behandlung erforderlich ist und ob der Patient gegebenenfalls verlegt werden muss.

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