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Kinder-Impfung gegen Corona: Was Eltern wissen müssen

Fragen und Antworten : Kinder-Impfung: Was Eltern wissen müssen

Kinder ab fünf Jahren können jetzt einen Corona-Impfung erhalten. Der erste Impfstoff wurde für diese Altersgruppe freigegeben. Für viele Eltern ergeben sich deshalb wichtige Fragen.

Familien können aufatmen: Die europäische Arzneimittelbehörde Ema hat am Donnerstag grünes Licht für die Zulassung des Biontech-Impfstoffs für Kinder ab fünf Jahren gegeben. Der Impfstoff sei sicher und effektiv, so die Ema. Es ist der erste Impfstoff für diese Altersgruppe. „Wir Kinder- und Jugendärzte sehen in der Zulassung für jüngere Kinder ein wichtiges Signal in der Pandemiebekämpfung. Insbesondere Kinder mit Vorerkrankungen oder Kinder von Risikopatienten sollten sich impfen lassen“, sagte Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), unserer Redaktion.

Was sagt die Impfkommission?

Eine Zulassung bedeutet noch keine Empfehlung. Die Ständige Impfkommission (Stiko) will ihre Empfehlung aber noch in diesem Jahr veröffentlichen. Es wird erwartet, dass sie zunächst nur zu einer Impfung für vorerkrankte Kinder oder Kinder von Risikopatienten rät und für eine allgemeine Empfehlung die Daten aus den USA abwarten will.

Welche Kinder dürfen geimpft werden?

Fischbach wies darauf hin, dass eine Impfung jüngerer Kinder auch ohne Stiko-Empfehlung möglich sei, ergänzte jedoch: „Es besteht aber aufgrund des geringen Risikos für die Jüngsten kein Zeitdruck, Kinder sofort impfen zu lassen. Wichtiger ist, dass sich alle Erwachsenen impfen lassen.“ Da dies trotz aller bisher getroffenen Maßnahmen im großen Stil nicht gelänge, fordere der Verband eine generelle Impfpflicht für alle Erwachsenen, so Fisch bach. „Bei gesunden Kindern sollten Eltern abwägen, ob sie der Impfung zustimmen. Das Risiko, dass Kinder bei einer Infektion schwer erkranken oder im Krankenhaus landen, ist sehr gering“, betonte der Kinderarzt. „Eine Impfung senkt jedoch die bei Kindern ohnehin verringerte Wahrscheinlichkeit noch einmal deutlich, dass das Kind das Virus weitergeben kann. Es geht also vor allem um einen gesellschaftlichen Beitrag, nicht so sehr um Eigenschutz.“

Wann kommt der Impfstoff? 

Laut Bundesgesundheitsministerium sollen die Länder ab 20. Dezember 2,4 Millionen Dosen des Kinder­impfstoffs erhalten. Angesichts von 4,5 Millionen Kindern in dieser Altersgruppe werde so wohl ein großer Teil der anfänglichen Nachfrage bedient werden können. In Israel und den USA werden kleine Kinder schon seit einiger Zeit geimpft.

Wie ist die Wirksamkeit?

Eine im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte Studie beurteilt Biontechs Kinder-Impfstoff als wirksam und sicher: Er habe eine Wirksamkeit von 90 Prozent. Kinder, die sich mit Corona infizieren, haben zwar meist ohnehin harmlose Verläufe. Es gibt aber auch Kinder, die lange leiden: Es sei damit zu rechnen, dass vier bis sieben Prozent der infizierten Kinder Long Covid entwickeln, so der SPD-Experte Karl Lauterbach. Auch für Kinder ist die Impfung also hilfreich.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Es seien keine schweren impfbedingten Nebenwirkungen beobachtet worden, heißt es in der Studie. Beobachtet wurden „milde und vor­übergehende Reaktionen“. Drei der geimpften Kinder erkrankten in der Beobachtungszeit an Corona, in der Kontrollgruppe waren es 16. Die Forscher beziffern die Wirksamkeit des Impfstoffs auf 90,7 Prozent. Die einzigen drei schwereren Schäden im Beobachtungszeitraum hatten laut Studie keinen Zusammenhang zur Impfung – so gab es einen gebrochenen Arm. Auch die Ema betonte nun, dass das Vakzin sicher sei: Bisher seien keine schweren Nebenwirkungen festgestellt worden, allenfalls milde Reaktionen wie Fieber, Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit oder Kopfschmerzen.

Welche Dosis gibt es? 

Kinder ab zwölf erhalten dieselbe Dosis wie Erwachsene. Für Kinder unter zwölf soll es dagegen einen eigens abgefüllten Impfstoff geben. Voraussichtlich haben die Fläschchen einen orangen Deckel, um sie vom Erwachsenen-Mittel unterscheiden zu können. „Wir gehen davon aus, dass wie in den USA pro Dosis nur 0,2 Milliliter gespritzt werden“, sagt Thomas Preis, Chef des Apothekerverbands Nordrhein. Das sei für Kinder auch angenehmer als die 0,3 Milliliter, die Erwachsene erhalten.

Können Kinderärzte nicht einfach den Erwachsenen-Impfstoff verdünnen?

Die Nachfragen gibt es in Praxen bereits. So hoffen Eltern, ihre Kinder schon vor dem Lieferstart am 20. Dezember impfen zu können. Davor aber warnt der Apothekerverband. „Wir warnen davor, den Biontech-Impfstoff für Erwachsene zu verdünnen, so dass eine Wirkstoffmenge für Kinder entsteht“, sagte Verbandschef Thomas Preis. „Es kommt nicht nur auf die Menge des Wirkstoffes pro Impfung an. Entscheidend ist die Struktur und Stabilität der sehr empfindlichen Nanopartikel des Biontech-Impfstoffs.“

Die Stabilität sei überhaupt nicht gesichert, wenn der Impfstoff zu stark verdünnt werde. Eine Impfung würde so keinen Impfschutz für die Kinder bringen, so Preis. „Bei einer von der Zulassung abweichenden Verdünnung ist der Impferfolg sehr stark in Frage gestellt. Deshalb ist es wichtig abzuwarten, bis der Impfstoff für die unter Zwölfjährigen Ende Dezember verfügbar ist.“