Die Trockenheit ist extrem und könnte sich noch weiter zuspitzen

Existenzängste bei Landwirten : Die Trockenheit ist extrem und könnte sich noch weiter zuspitzen

Meteorologe Dominik Jung sagt für diesen Monat eine Rekord-Dürre voraus. Bauern bitten die Landesregierung um Hilfe. Ministerin Klöckner plant ein Wiederaufforstungsprogramm.

Wegen der extremen Trockenheit der vergangenen Wochen zeichnen sich erste Konsequenzen ab: Die rheinland-pfälzischen Landwirte  rechnen mit deutlichen Ertragseinbußen beim Getreide. Damit könnten die Viehbetriebe bald unter Futtermangel leiden, sagt Bauernpräsident  Michael Horper. „Wir werden in der Region größere Probleme bekommen als im letzten Jahr.“ Der Eifeler fordert die Landesregierung auf, die als ökologische Vorrangflächen ausgewiesenen Brachen umgehend mähen oder beweiden zu dürfen. Dies könne zur Entschärfung der hoch angespannten Futtersituation beitragen, sagte Horper unserer Zeitung.

Große Schäden haben die lang anhaltenden Trockenperioden auch im Wald verursacht. Dürre, Waldbrände, Sturmschäden und Borkenkäfer hätten dem Wald in den zurückliegenden Jahren extrem zugesetzt, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner bei einem Gespräch in der Volksfreund-Redaktion. Die CDU-Politikerin kündigte an,  ein großes Wiederaufforstungsprogramm auch für Privatwaldbesitzer aufzulegen. In den nächsten Jahren müssten über 100 Millionen Bäume aufgeforstet werden.

Das Beunruhigende an der gegenwärtigen Trockenperiode: Es ist keine Änderung in Sicht. „Deutschland trocknet im Sommer buchstäblich aus“, sagt Volksfreund-Meteorologe Dominik Jung unter Verweis auf Prognosen des amerikanischen Wetterdienstes NOAA. Danach könnte das Dürre-Jahr 2019 noch extremer werden als das Dürre-Jahr 2018. „Deutschland könnte das Trockenloch Europas werden“, sagt Jung. Es sei mit großen Schäden in der Natur und in der Landwirtschaft zu rechnen.

Nach Einschätzung des Umweltbundesamts könnte die anhaltende Trockenheit mittelfristig auch in Deutschland zu Problemen bei der Wasserversorgung führen. „Häufigere trockene Sommer bedeuten auch, dass sich voraussichtlich mehr Nutzer um die Ressource Wasser streiten werden“, sagte Wasserexperte Jörg Rechenberg. Die kommunalen Wasserversorger warnen bereits vor wachsender Konkurrenz zu Landwirtschaft und Industrie und fordern, dem Trinkwasser den Vorrang zu geben. Insgesamt gebe es in Deutschland zwar keinen Wassermangel und auch keine flächendeckenden Versorgungsengpässe beim Trinkwasser. In den vergangenen beiden Jahren habe es aber zu wenig geregnet, die Grundwasserstände hätten sich noch nicht erholt.

Noch einmal zurück zu den Bäumen: Durch die trockenen Sommer der vergangenen Jahre sind viele Bäume geschwächt und in diesem Jahr gar nicht oder nur kümmerlich wieder ausgetrieben. Die Konsequenz: Etliche Bäume fallen um oder müssen gefällt werden. Die Stadt Koblenz hat darauf bereits reagiert und pflanzt nach Angaben eines Sprechers nun „zukunftsfähige Bäume“, die mit Trockenheit und Hitze besser zurechtkämen.

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