E-Tretroller sind umstritten. Volker Wissing sähe sie gerne auf Gehwegen

Verkehrsminister : Volker Wissing spricht sich für E-Roller aus

Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister sieht in den Gefährten große Chancen.

Revolutionieren die neuen E-Roller künftig den Verkehr in Trier, Eifel und Hunsrück? Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) sieht große Chancen, dass mehr Menschen vom Auto auf die flotten Flitzer umsteigen. „In Israel gibt es erfolgreiche Leihsysteme, die viele spontan nutzen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Städte bei uns solche Modelle etablieren“, sagte Wissing unserer Zeitung. „Wer abends in der Stadt unterwegs ist, kann das Auto dann auch mal stehen lassen und mit einem E-Roller fahren. Das bringt zugleich motorisierten Verkehr von den Straßen.“

Die Entscheidung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), E-Tretroller auf Gehwegen verbieten zu wollen, teilt Wissing nicht. „Wir sollten den E-Rollern eine Chance geben und mit vorschnellen Regulierungen vorsichtig sein. Ich halte nichts davon, den Teufel an die Wand zu malen“, sagt der FDP-Politiker. „In Rheinland-Pfalz werden wir keine großen Probleme haben, weil es im Land nicht die riesigen Ballungsgebiete gibt.“

Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister hinterfragt, ob es beim Berufsverkehr in Städten für Jüngere nicht sicherer sei, statt auf der Straße und Radwegen die Gehsteige zu benutzen. „Wir sollten zunächst Erfahrungen sammeln, dann kann man immer noch über weitergehende Regulierungen nachdenken“, findet Wissing.

Der Bundesrat soll einer Verordnung voraussichtlich am 17. Mai zustimmen, damit die Fahrzeuge in den Kommunen ab Sommer losbrausen können. „Ich bin mir sicher, dass wir zivilen Ungehorsam erleben werden und Menschen einfach mit den Rollern losfahren, wenn das Gesetz nicht kommt“, sagt Wissing. So dürfte es beim Machtwort von Bundesminister Scheuer bleiben, der auf mehrere Verkehrsverbände und Länder zugegangen ist. Kritiker hatten davor gewarnt, E-Tretroller bei einer Geschwindigkeit von bis zu zwölf Stundenkilometern auf Bürgersteigen fahren zu lassen, weil das Unfallrisiko für Kinder und Rentner zu hoch sei. Der Fußgängerverband Fuss hatte den Todesfall einer 90-Jährigen in Barcelona angeführt, die von einer jungen Frau auf dem E-Roller umgefahren wurde. Viele Nationen schieben den lautlosen Rollern inzwischen einen Riegel vor. Wer sich in Frankreich bald mit dem Fahrzeug auf einem Gehweg erwischen lässt, muss 135 Euro zahlen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Rheinland-Pfalz warnt auch vor fehlendem Platz auf Radwegen, wenn E-Roller auf Bürgersteigen brausen. Geschäftsführerin Sara Tsudome fordert daher weniger Flächen für Autos im Verkehr und mehr Raum für Räder und E-Roller in den Städten. „Die Infrastruktur reicht einfach nicht. Verkehrsplanung wurde immer vom Auto her gedacht. Damit muss endlich Schluss sein“, sagt Tsudome.

Alle Sorgen zu den E-Rollern sind aber noch nicht ausgeräumt. Die Deutsche Verkehrswacht fordert in einer Stellungnahme, die Altersfreigabe gründlich zu hinterfragen. „Eine Prüfbescheinigung oder ein Führerschein und damit ein Mindestalter von 15 Jahren dürfen  genauso wenig fehlen wie ein Versicherungsschutz, um für entstehenden Schaden aufzukommen“, fordert der Verband. Der Bund plant, dass Jugendliche ab zwölf Jahren mit E-Rollern fahren dürfen, die weniger als zwölf Stundenkilometer aufs Tacho bringen. Schnellere Gefährte sollen ab  14 erlaubt sein.

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