Katholische Kirche: Ein schöner Tag, eher trübe Aussichten - Trierer Bischof Ackermann zehn Jahre im Amt

Katholische Kirche : Ein schöner Tag, eher trübe Aussichten - Trierer Bischof Ackermann zehn Jahre im Amt

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann ist seit zehn Jahren im Amt. Die Zeiten waren für den 56-Jährigen schon einmal deutlich angenehmer.

Wenn sich die Gläubigen nach dem Dankgottesdienst im Dom am späten Freitagvormittag im Generalvikariat versammeln, wird Stephan Ackermann viele Hände schütteln und Glückwünsche empfangen.  Der Trierer Bischof ist an diesem Tag genau zehn Jahre im Amt: Am 24. Mai 2009 wurde der damals 46-jährige Weihbischof als Nachfolger des ins Erzbistum München und Freising gewechselten Reinhard Marx in sein Amt eingeführt. Ackermann wird den Gratulationsparcours im Generalvikariat genießen. In den zurückliegenden Monaten waren die Anlässe, bei denen dem Chef eines Bistums mit knapp 1,4 Millionen Katholiken anerkennend auf die Schultern geklopft wurde, eher selten. Im Gegenteil: Der in Nickenich in der Nähe von Maria Laach aufgewachsene Ackermann dürfte sich gerade in der schwierigsten Phase seiner Amtszeit befinden. Mit reichlich Gegenwind und eher wenig Schulterklopfen.

Erst in der vergangenen Woche hatten auch in Achermanns Diözese katholische Frauen im Rahmen der bundesweiten Streikaktion Maria 2.0 gegen die männerdominierte Kirche protestiert – zum Missfallen des Bischofs. Der Kirchenmann kritisierte öffentlich, dass er die Streikaktionen nicht für hilfreich halte, und vertröstete die Frauen auf die laufenden Gespräche der Bischöfe mit Laien und Experten. Wie diese Äußerung bei den Jahrzehnten für mehr innerkirchliche Gleichberechtigung kämpfenden Katholikinnen ankommen dürfte, kann man sich unschwer ausmalen. Da hilft es auch wenig, dass Stephan Ackermann stolz auf die Riege seiner Direktoren verweist, in der inzwischen fünf Frauen sitzen.

In diesem Punkt ist der Trierer Bischof im deutschen Episkopat ein Vorreiter, was auch kaum jemand bestreiten wird. Doch in anderen Bereichen hinkt Stephan Ackermann hinterher. Die Zulassung protestantischer Ehepartner zur Kommunion hatte die Hälfte der 27 deutschen Bistümer bereits abgesegnet, ehe Trier Anfang des Jahres folgte. Stephan Ackermann war nicht bei den Letzten, aber eben auch nicht bei den ersten Bischöfen, die die gemeinsame Kommunion offiziell zuließen – und damit in der Öffentlichkeit  als eher progressive Kirchenmänner wahrgenommen wurden.

Das war einmal anders. Kurz nachdem der neue Trierer Bischof vor zehn Jahren in sein Amt eingeführt worden war, machte sich Stephan Ackermann als Fürsprecher des bei der deutschen Bischofskonferenz in Ungnade gefallenen romkritischen Bitburger Priesters Stefan Hippler einen Namen. Das sorgte für Aufsehen und brachte den bis dato im Schatten seines Vorgängers agierenden Stephan Ackermann auch außerhalb seines Bistums in die Schlagzeilen.

Im Jahr drauf, dem ersten Höhepunkt des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche, machten die deutschen Bischöfe Stephan Ackermann zum Missbrauchsbeauftragten. Es war ein Posten, um den sich keiner seiner Mitbrüder gerissen hätte. Auch Ackermann nicht, er wurde dem Neuling unter den 27 Diözesanbischöfen angetragen. „Ich habe mir die Aufgabe nicht gesucht“, antwortete er nach einigen Jahren einmal auf die Frage, ob er von seinem Sonderauftrag nicht langsam die Nase voll habe.

Die Aufgabe, die der Trierer Bischof auch zehn Jahre und eine weitere Skandalwelle später noch innehat, gleicht einem ständigen Balanceakt auf einem dünnen, schaukeligen Seil.

Ackermann muss vor allem den Opfern gerecht werden, er muss aber auch mit Tätern, Anwälten, Strafverfolgern, Mitbrüdern, Angehörigen oder der Öffentlichkeit reden, er muss überzeugen, um Verständnis werben und für Veränderungen kämpfen. Der Job gleicht einer Quadratur des Kreises. Anfeindungen gehören für Ackermann seitdem zum Alltag, sie liegen wahrscheinlich auch in der Natur der Sache, weil man es mit einem solchen Posten einfach nicht allen recht machen kann. Schon allein deshalb nicht, weil auch die Position der Opfer so wenig einheitlich ist wie die der Bischöfe. Einige Kollegen des Trierer Bischofs predigen schonungslose Offenheit, während andere um das heilige Antlitz der Kirche fürchten und lieber mauern und vertuschen, wie seit Jahrhunderten üblich.

Vor diesem Hintergrund hat der Missbrauchsbeauftragte in knapp zehn Jahren zwar noch einiges bewegt – und steht trotzdem in der Öffentlichkeit eher wie ein Bremser da. „Ich gehe nicht davon aus, dass ich es bis zu meiner Emeritierung mache“, sagt Stephan Ackermann, und es klingt eher nach einer stillen Hoffnung als nach einem realistischen Ausstiegsszenario. Wer sollte ihm den aus Sicht der Kirche undankbaren Posten auch abnehmen wollen?!

Eine andere Dauerbaustelle hat sich der Trierer Bischof selbst ausgesucht. Nach der von Stephan Ackermann einberufenen Synode und den daraus resultierenden Ergebnissen und Schlussfolgerungen läuft derzeit die Phase der Umsetzung. Der größte Coup: Die 887 Pfarreien im Bistum sollen bis in drei Jahren zu 35 XXL-Pfarreien zusammengelegt werden.

Es ist eine unumgängliche Reform, sagen die Befürworter, es ist ein Himmelfahrtskommando, sagen die Kritiker. Der Trierer Bischof wird nicht müde, für das Projekt zu werben, „um das Bistum zukunftsfähig zu machen“, wie der 56-Jährige immer wieder betont.

Es klingt ein wenig wie das Pfeifen im Walde. Verständlich. Sollte die Reform scheitern, wäre Stephan Ackermann als Bischof von Trier gescheitert. Und daran mag der Jubilar an einem Tag wie dem heutigen Freitag wohl lieber nicht denken.

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