1. Nachrichten
  2. Topthemen

Ende des Zölibats? - Kardinal Marx: Priester sollten heiraten dürfen

Kirche : Ende des Zölibats in Sicht? - Kardinal Marx: Priester sollten heiraten dürfen

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat sich für die Abschaffung des Pflichtzölibats ausgesprochen. Welche Gründe er nennt und ob jetzt auch Frauen Priester werden dürfen.

„Es wäre besser für alle, die Möglichkeit für zölibatäre und verheiratete Priester zu schaffen“, sagte Marx der „Süddeutschen Zeitung“ (Donnerstag). „Bei manchen Priestern wäre es besser, sie wären verheiratet. Nicht nur aus sexuellen Gründen, sondern weil es für ihr Leben besser wäre und sie nicht einsam wären. Diese Diskussionen müssen wir führen.“

Marx bezeichnete die zölibatäre Lebensform als „prekär“. Auf die Frage, ob er einen Zusammenhang zwischen dem Zölibat und dem sexuellen Kindesmissbrauch sehe, antwortete Marx, pauschal könne man das nicht sagen. „Aber diese Lebensform und dieses Männerbündische ziehen auch Leute an, die nicht geeignet sind, die sexuell unreif sind. Und Sexualität gehört eben zum Menschen dazu, das geht auch nie vorüber.“ Die katholische Sexualmoral habe „viele Verklemmungen erzeugt“.

Die „SZ“ fragte Marx auch, ob er für Frauen als Priesterinnen sei. Eine klare Antwort gab er aber nicht. „Ich kann das noch nicht beantworten. Das wäre auch nicht hilfreich, es jetzt zu beantworten, weil es gerade dazugehört, dass wir im Gespräch bleiben. Ich bin nicht nur einer, der eine Meinung hat, sondern ich muss auch den Laden zusammenhalten.“

Zu dem emeritierten Papst Benedikt, der vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, zu einer Entschuldigung aufgefordert wurde, sagte Marx: „Ich will jetzt nicht über die Medien eine Forderung stellen, sondern eine Hoffnung äußern. Dass er sich, so wie angekündigt, umfassend äußert. Und dass die Erklärung auch ein gutes Wort der Anteilnahme mit den Betroffenen enthält.“

Gutachter der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl hatten Benedikt Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchstätern in seiner Zeit als Münchner Erzbischof von 1977 bis 1982 vorgeworfen. Benedikt, ehemals Kardinal Joseph Ratzinger, wies das zurück und rechtfertigte sich in einer langen Verteidigungsschrift. In einem wesentlichen Punkt musste er später aber eine Falschaussage einräumen. Er hat angekündigt, sich demnächst noch einmal ausführlicher zu dem Gutachten äußern zu wollen.

Zölibatsfrage: Ackermann zurückhaltend, Bätzing offen

Und was sagt der Trierer Bischof Stephan Ackermann zu den Zölibatsvorschlagen seines Vorgängers? Zunächst nichts. Der Bischof sei auf dem Weg zur Vollversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt und stehe derzeit nicht für Presseanfragen zur Verfügung, sagte seine Sprecherin Judith Rupp auf Anfrage unserer Redaktion.

In der Vergangenheit hatte sich Ackermann in der Zölibatsfrage nicht gerade reformfreudig gezeigt. Kurz nach seiner Einführung als Bischof von Trier sagte er, er halte die „Herumreiterei auf der Zölibatsfrage für ein Ablenkungsmanöver von den Kernfragen“. Allerdings sei es an den Priestern und Bischöfen, den Zölibat überzeugend zu leben.  

Vor drei Jahren sagte Ackermann in einem Interview, er halte den Zölibat „für den Priester für eine wertvolle Lebensform“. Werde der Zölibat einfach freigegeben, „wird diese Lebensform verschwinden“.

Reformfreudiger als Ackermann hatte sich nach seiner Ernennung zum Limburger Bischof der ehemalige Trierer Generalvikar Georg Bätzing in einem Gespräch mit unserer Zeitung geäußert. Bätzing antwortet auf die Frage, ob es wiederverheiratete Priester geben solle: „Die Frage kann man diskutieren, sie ist völlig offen. Der Zölibat gehört nicht zum Wesen des Priesteramts.“ Da könne es eine Lösung auf gesamtkirchlicher Ebene geben, sagte Bätzing vor sechs Jahren.

(dpa)