Trauer in Freudenberg Fall Luise: Können Täterinnen durch Namensänderung anonym bleiben?

Freudenberg · Die Öffentlichkeit hatte gerade erst erfahren, dass Luise (12) von zwei Mädchen im gleichen Alter getötet wurde. Kurz darauf kursierten die Namen der Täterinnen schon im Internet. Vielleicht bleiben sie aber langfristig unerkannt.

 Kerzen und Blumen erinnern an die getötete Luise aus Freudenberg.

Kerzen und Blumen erinnern an die getötete Luise aus Freudenberg.

Foto: dpa/Oliver Berg

Die Täterinnen sind gerade einmal 12 und 13 Jahre alt. Wenige Tage nach der grausamen Tat erklärte die Polizei, dass nun bekannt sei, wer Luise aus Freudenberg getötet hat. Zur Identität der Mädchen machten die Behörden keine genaueren Angaben.

Trotzdem dauerte es nicht lange, bis ihre Namen im Internet kursierten. Auf der Video-Plattform TikTok hatte sich die Identität der mutmaßlichen Täterinnen schnell verbreitet. Auch die Löschung entsprechender Beiträge hat nicht verhindert, dass die Namen weiterhin kursierten. Ihre Familien haben Freudenberg inzwischen verlassen. Die Täterinnen wurden in die Obhut des Jugendamtes genommen. Aufgrund ihres Alters sind sie schuldunfähig. Sie können nicht dafür verurteilt werden, dass sie Luise getötet haben.

Es stellt sich nun die Frage, wie es nach der Tat weitergehen kann. Dabei steht auch im Raum, dass die Familien mit einer neuen Identität einen anonymen Neuanfang versuchen können.

Möglicher Namenswechsel nach Mord an Luise aus Freudenberg

Der Kriminalpsychologe Dr. Christian Lüdke äußerte sich gegenüber den Ruhr-Nachrichten zu der Situation im Fall Luise. Es sei durchaus möglich, dass die Familien der Täterinnen eine neue, geschützte Identität erhielten. Er weist auf die Gefahren hin, die unter anderem von den sozialen Medien ausgehen: “Wenn bekannt wird, wo sie wohnen, was die Eltern machen, dann wird da dieser ganze Shitstorm losgehen. Das ist nicht unkritisch und nicht ungefährlich, was da passiert.“

Ein kompletter Rückzug aus der Öffentlichkeit sei für die Mädchen nicht möglich. Dr. Christian Lüdke verweist nicht nur auf die Notwendigkeit des Schulbesuchs. Er erklärt im Allgemeinen: „Alle Maßnahmen, die jetzt in Gang gesetzt werden, zielen darauf ab, ihnen eine straffreie Zukunft zu ermöglichen.“

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland zitiert in dieser Sache den Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein, Andreas Müller. Er ist als Landrat auch für Freudenberg zuständig. Müller bestätigt, dass ein Wechsel der Identität für einen anonymen Neustart möglich wäre. Das sei aber „aktuell nicht vorgesehen“.

Das sagt das Gesetz

Das Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen macht es prinzipiell möglich, dass die Täterinnen nach dem Tötungsdelikt an Luise einen neuen Namen bekommen. Beim Familiennamen ist das möglich, „wenn ein wichtiger Grund die Änderung rechtfertigt“.

Im ersten Schritt hängt eine Namensänderung aber davon ab, dass die Betroffenen diese Änderung überhaupt beantragen. Danach werden die Voraussetzungen geprüft.

Einen klaren Katalog der wichtigen Gründe für eine Namensänderung liefert das Gesetz nicht. Darin heißt es: „Die für die Entscheidung erheblichen Umstände sind von Amts wegen festzustellen; dabei sollen insbesondere außer den unmittelbar Beteiligten die zuständige Ortspolizeibehörde und solche Personen gehört werden, deren Rechte durch die Namensänderung berührt werden.“

Es gibt in Deutschland einige bekannte Fälle, in denen ein Namenswechsel einem Straftäter ein anonymes Leben ermöglichen sollte. Ein Beispiel ist Dieter Degowski, einer der Geiselnehmer von Gladbeck. Sein Name und Aussehen waren in ganz Deutschland bekannt, da sich die Geiselnahme 1988 vor laufenden Fernsehkameras abspielte. Vor seiner Haftentlassung im Jahr 2018 erhielt er eine neue Identität.

Viele Details über den Fall Luise in Umlauf

Ob es ausreichend wäre, nur die Namen zu ändern, ist im Fall Luise aber unsicher. In sozialen Netzwerken wurden auch Fotos verbreitet, die mutmaßlich die Täterinnen zeigten. Obwohl die Polizei keine genauen Informationen zu den Mädchen preisgibt, wurden diverse Details über sie öffentlich verbreitet.