Fußballvereine gegen rasches Verbot von Granulat in Kunstrasenplätzen

Diskussion um Kunstrasen-Verbot : „Dann können wir zumachen“

Warum Fußballvereine im Raum Trier ein rasches Verbot von Gummi-Granulat für Kunstrasenplätze ablehnen.

Kunstrasenplätze waren für viele Fußballvereine in der Region Trier die Rettung, um weiter Nachwuchs an sich zu binden und Mannschaften bei Wind und Wetter kicken lassen zu können. Gießt es im Winter wie aus Kübeln, stehen Naturrasenplätze unter Wasser und sind nicht bespielbar. Einst genutzte Ascheplätze kosteten so manchen fußballerischen Techniker im Spiel Überwindung, weil nach einem Sturz böse Schürfwunden drohten. Doch viele Sportvereine im Raum bangen nun, ob sie ihre Kunstrasenplätze bald noch nutzen dürfen, die in den vergangenen Jahren wie Pilze aus dem Boden gesprossen sind. Die Überlegung der Europäischen Union, Gummi-Granulat als Füllstoff bereits ab dem Jahr 2022 zu verbieten, stößt auf massives Unverständnis von Vereinen, die der TV befragt hat.

Uwe Ewen vom FSV Arzfeld bezweifelt, dass Verein und Kommune das nötige Geld für ein rasches Umrüsten auf umweltfreundlicheres Material aufbringen können. „Da werden jahrelang Kunstrasenplätze mit Granulat gefördert – und plötzlich soll das verboten werden, weil jemand in der EU diesen Beschluss fasst?“, fragt er. Für Ewen ist klar: „Wenn das so kommt, werde ich mein Amt als Vorsitzender niederlegen. Dann sollen andere gucken, wie sie Jugendliche auf den Platz bekommen.“ 186 Kinder und Jugendliche bespielten den Kunstrasen in Arzfeld, örtliche Grundschüler nutzten ihn im Sportunterricht, sagt der Vorsitzende. „Ein Verbot wäre für den Sport und die Jugend im Ort katastrophal.“

Ewen rechnet aber damit, dass Vereine eine Übergangsfrist bekommen und ihre Plätze mit Granulat-Füllung so lange nutzen zu dürfen, bis diese ohnehin saniert werden müssten. „Da wird unsere Regierung schon Druck machen“, hofft er.

Werner Gorges, Vorsitzender des FSV Trier-Tarforst sieht auch keine Chance, dass Vereine die Plätze kurzfristig umbauen könnten. „Die Stadt Trier hat das Geld doch gar nicht, um allen Vereinen sofort zu helfen“, sagt Gorges und verweist darauf, dass die Stadt den Doppelhaushalt für 2019 und 2020 ohnehin schon beschlossen habe. „Ein Verbot ist schnell ausgesprochen. Die Kommunen brauchen aber Zeit, um zu planen und Alternativen wie Kork erstmal zu testen“, sagt der Trierer. Glück im Unglück für den FSV Trier-Tarforst: Der eigene Kunstrasen müsse ohnehin saniert werden, der obere Belag sei hinüber. „Wir werden das Gespräch mit der Stadt suchen, wie wir mit der neuen Sachlage umgehen“, sagt Gorges, der sich ein neues Befüllen mit Gummi-Granulat wegen des drohenden Verbots nicht mehr vorstellen kann. Für den Verein sei ein Kunstrasen unverzichtbar. 18 Mannschaften spielen in Tarforst auf dem Geläuf, auch Hockeyspieler. „Ohne den Kunstrasen könnten wir zumachen, weil er von zehn Uhr morgens bis in den späten Abend in Gebrauch ist“, sagt Gorges.

Marc Teusch, Verwaltungsrat vom SV Wittlich, beschleicht in der Granulat-Diskussion ein „mulmiges Gefühl“. Der eigene Platz werde nicht nur von der SG Wittlich/Lüxem frequentiert, sondern auch von Rot-Weiss Wittlich genutzt, führt der Verwaltungsrat dazu ins Feld. Teusch sagt: „Wenn ein Verbot von heute auf morgen gelten würde, wäre das fatal. In Schlechtwetterphasen würde es zu Spielausfällen und einem eingeschränkten Trainingsbetrieb kommen.“

Gorges Werner, FSV Trier-Tarforst. Foto: Helmut Thewald
Marc Teusch, SV Wittlich. Foto: Privar/Privat

Walter Neuerburg, Vorsitzender des FC Bitburg, sieht auch einer Sanierung des eigenen Geläufs entgegen, das pro Jahr bis zu 2000 Stunden bespielt werde. Er rechnet mit einer Umstellung auf umweltfreundlichen Kork, der im Gegensatz zu Granulat im Sommer nicht so stark aufheize. Für Kommunen, die just in ihren Kunstrasen mit Granulat-Füllung investiert haben, sieht Neuerburg auch hohe Hürden. „Das wird ein riesiges Problem, weil sich nicht alle die hohen Beiträge leisten können.“ Auch der Bitburger Vereinschef fordert Übergangsfristen für Clubs, die von einem Granulat-Verbot für Kunstrasenplätze betroffen wären.