Ist die Autoklau-Statistik fehlerhaft?

Kostenpflichtiger Inhalt: Statistik : Ist die Autoklau-Statistik fehlerhaft?

Luxemburg wähnt sich durch falsche EU-Zahlen zu Unrecht an der Tabellenspitze.

„Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“ Dieser Satz wird dem legendären britischen Premierminister Winston Churchill zugeschrieben. Zu Recht?

Die luxemburgische Polizei behauptet jedenfalls, dass eine aktuelle Veröffentlichung des Statistischen Amts der Europäischen Union falsch sei. Laut dieser Statistik werden in Luxemburg europaweit die meisten Autos gestohlen – jährlich 328 je 100 000 Einwohner (der TV berichtete). Zum Vergleich: In Deutschland waren es im Zeitraum zwischen 2015 und 2017 jährlich 69 geklaute Autos, beim EU-Schlusslicht Dänemark gerade einmal vier gestohlene Fahrzeuge.

Und warum sind die Autoklau-Zahlen in Luxemburg so hoch? Eine Erklärung der Statistiker ist, dass es im Großherzogtum deutlich mehr Fahrzeuge je 1000 Einwohner gibt als in anderen Ländern. Wo das Angebot größer ist, schlagen die Langfinger auch gerne häufiger mal zu. Klingt plausibel, ist nach Angaben der Luxemburger aber alles an den Haaren herbeigezogen. Aufgeschreckt durch die statistischen Zahlen hat die Polizei des Großherzogtums nämlich nachgerechnet und kam zu einem völlig anderen Ergebnis, wie Sprecherin Yasmine Fleschen sagt.

Danach gab es in Luxemburg im vergangenen Jahr gerade einmal 50 Autodiebstähle (und Versuch) je 100 000 Einwohner. Im Jahr davor waren es mit 55 nur unwesentlich mehr. Für den von Eurostat zu Grunde gelegten Zeitraum zwischen 2015 und 2017 kommt die luxemburgische Polizei auf durchschnittlich 54,83 gestohlene Fahrzeuge je 100 000 Einwohner. Das sind exakt 273,17 Autos weniger, als die Statistiker errechnet haben. Damit wäre Luxemburg nicht auf Platz eins der Klau-Statistik, sondern auf dem 20. Platz, also im hinteren Drittel und mit besseren Werten als Deutschland.

Bleibt die Frage, wer sich denn nun verrechnet hat: die Statistikbehörde, die Polizei oder vielleicht sogar beide? Eine Eurostat-Sprecherin sagte am Abend, die Differenz komme dadurch zustande, dass die EU-Statistik sämtliche gestohlenen Fahrzeuge umfasse, also auch Lastwagen, Busse oder Traktoren.

Und die Sache mit dem Churchill-Zitat? Das stamme jedenfalls ganz sicher nicht von dem legendären englischen Politiker, sagt jedenfalls Martin Rasper, der ein Buch über falsche Zitate geschrieben hat.

Mehr von Volksfreund