Kasse warnt vor Impfmuffeln im Land

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesundheit : Kasse warnt vor Impfmuffeln im Land

In Rheinland-Pfalz sind weniger Kinder vor ansteckenden Krankheiten geschützt als bislang gedacht, kritisiert die Barmer Krankenkasse.

Masern, Tetanus, Kinderlähmung: Ein kleiner Pieks kann vor den Krankheiten schützen und manchmal sogar Leben retten, sagt Dunja Kleis, Landesgeschäftsführerin der Barmer Krankenkasse. Eine Studie der Kasse zeigt nun aber, dass in Rheinland-Pfalz weniger Kinder geimpft sind als bislang gedacht. Soll die Impfquote eigentlich bei 95 Prozent liegen, um die Ausbreitung von Krankheiten zu vermeiden und diese auszurotten, wird diese Zahl im Land danach bei keiner der 13 Erkrankungen erreicht, gegen die Kinder in ihren ersten beiden Lebensjahren laut Empfehlung geimpft werden sollen. Bei Masern liege die Impfquote bei den Sechsjährigen lediglich bei 88,2 Prozent, sagt Dunja Kleis – und nennt damit einen niedrigeren Wert als die 93,8 Prozent, die das Robert-Koch-Institut (RKI) bei Schuleingangsuntersuchungen in Rheinland-Pfalz ermittelt habe.

Kleis erklärt die Diskrepanz damit, dass Schulanfänger ohne Impfpass vom RKI nicht berücksichtigt würden. „Dadurch wird die wahre Impfquote überschätzt“, sagt Kleis. Sie warnt vor den Folgen: „Schwangere, Babys bis zum neunten Monat und auch viele Tumorkranke dürfen nicht geimpft werden und sind besonders anfällig für Infektionen.“ Masern, so sagt Kleis, seien „keine harmlose Kinderkrankheit, sondern können lebensgefährliche Komplikationen wie Gehirnentzündungen hervorrufen.“

Hoffnung schöpft sie aus dem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeschlagenen Gesetz zur Masern-Impfpflicht. Dieses soll für Kinder und Mitarbeiter in Kitas, Schulen, Arztpraxen und Kliniken gelten. Kindern drohe dann der Kita-Ausschluss, wenn Eltern sie nicht impfen lassen. Dazu winken bei versäumten Impfungen saftige Bußgelder von bis zu 2500 Euro. Das Gesetz befinde sich derzeit in der Lesung des Bundestags und solle im März 2020 in Kraft treten, so Kleis.

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) sagt, sie stehe einer bundesweiten Regelung positiv gegenüber, sehe die Notwendigkeit einer Impfpflicht gegen Masern für Kinder im Land aber nicht, „da zum Zeitpunkt der Schuleingangsuntersuchung in Rheinland-Pfalz unverändert gute bis sehr gute Impfquoten bestehen“.

Die Ministerin beruft sich auf die Zahlen des Robert-Koch-Instituts, bei denen das Land die 95-Prozent-Quote nur knapp verfehle. Die Barmer-Studie zweifelt das Mainzer Ministerium an. „Mit den Barmer-Daten werden nur rund elf Prozent der gesetzlich Versicherten in Deutschland abgebildet, und es bleibt offen, wie repräsentativ dieses Versichertenklientel ist“, teilt eine Sprecherin mit. Die Kasse selber nennt ihre Studie ein „realistischeres Bild“ der Wirklichkeit.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Christoph Gensch sieht in den neuen Zahlen eine „Handlungsaufforderung“. Er kritisiert, dass Bätzing-Lichtenthäler nicht die Notwendigkeit der Impflicht bei Masern sehe. „Das ist eine klare Fehleinschätzung der Ministerin, denn nur die lückenlose Impfung aller Kinder in Kita und Schule kann die Krankheit ein für alle Mal beenden“, sagt Gensch. Er fordert, Eltern, Kitas und Schulen noch intensiver über Impfungen aufzuklären.

Im bundesweiten Vergleich lobt Kleis die hohe Impf-Akzeptanz in Rheinland-Pfalz. Die Barmer-Chefin mahnt aber, im Kampf um die Gesundheit nicht locker zu lassen. Sie fordert „mehr laienverständliche Kampagnen, um Ängste abzubauen“. Ärzte sollten ihre Patienten regelmäßig an Impfungen erinnern.

Mehr von Volksfreund