Katholische Kirche macht deutlich mehr Geld für Missbrauchsopfer locker

Kostenpflichtiger Inhalt: Kirche : Neue Entschädigungsregelung könnte Bistum Trier Millionen kosten

In der Entschädigungsfrage liegen neue Vorschläge auf dem Tisch. Fest steht: Für die Bistümer wird es teuer. Auf das Bistum Trier kommt ein zweistelliger Millionenbetrag zu.

Nach jahrelangem Ringen um höhere Entschädigungen können Opfer von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche auf deutlich mehr Geld hoffen. Einen entsprechenden Vorstoß hatte der kirchliche Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann bereits vor einigen Tagen bei einem Besuch in der TV-Redaktionskonferenz angekündigt.

Nach dem Vorschlag der Betroffenen-Initiative Eckiger Tisch sollen pauschal 300.000 Euro pro Person gezahlt werden oder gestaffelt zwischen 40.000 und 400.000 Euro – je nach Schwere des Leids. Welcher Vorschlag von den Bischöfe am Ende mehrheitlich favorisiert wird, ist noch unklar. Es wird aber damit gerechnet, dass es Diskussionen über die Modalitäten und die Höhe der Entschädigung geben wird.

Der Trierer Bischof sagte, es gehe den Bischöfen um ein Anerkennungssystem für erlittenes Unrecht, das von den Opfern als angemessen empfunden werde und für Bistümer und Orden leistbar sein. Bislang werden Missbrauchsopfer mit bis zu 5000 Euro entschädigt, in besonders schweren Fällen auch höher. Das Bistum Trier hat nach Angaben einer Sprecherin bis dato insgesamt 506.000 Euro Entschädigung an 105 Opfer gezahlt. Das sind durchschnittlich 4800 Euro je Opfer. Das Geld stammt laut Sprecherin Judith Rupp nicht aus Kirchensteuermitteln, sondern aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls.

Dessen Vermögen besteht aus Immobilien, Kapitalanlagen und Guthaben bei Banken. Die Erträge darf der Bischof für besondere kirchliche Zwecke einsetzen, die im Haushalt des Bistums nicht vorgesehen sind. Zuletzt lag das Jahresergebnis des Bischöflichen Stuhls bei 2,3 Millionen Euro. Der Trierer Bischof kündigte gegenüber unserer Zeitung an, dass auch die bereits entschädigten Opfer von höheren Zahlungen profitieren sollen. Rechnet man mit einem durchschnittlichen Entschädigungsbetrag von 150.000 Euro, müsste allein das Bistum Trier rund 16 Millionen Euro an die Opfer zahlen.

Der Sprecher der Trierer Opfervereinigung Missbit, Thomas Schnitzler, fordert, dass ein unabhängiges Gremium über die Entschädigung entscheiden müsse.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, begrüßte die von den Bischöfen in Aussicht gestellte deutliche bessere Entschädigung. Er hoffe, dass die Haltung der Bischöfe positiv auch auf andere Bereiche wie den Sport und die Bundesländer ausstrahle.

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