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Keine mobilen Corona-Testteams mehr - Wer soll Pflegebedürftige testen?

Kostenpflichtiger Inhalt: Virus-Eindämmung : Keine mobilen Corona-Testteams mehr - Wer soll Pflegebedürftige testen?

Die Ärztevereinigung stellt mobile Corona-Testteams ein. Heime in der Region schlagen Alarm.

Die Ankündigung kam am Freitag. Die „Nachfrage nach dem Hausbesuchsdienst“ sei momentan sehr niedrig, daher werde der sogenannte Corona-Hausbesuchsdienst eingestellt und zwar bereits am Samstag, teilte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) mit. Diese hatte am 11. März landesweit den Dienst gestartet.   Ärzte fuhren zu immobilen  Patienten und testeten diese auf Covid-19. Aufgrund der aktuell niedrigen Infektionszahlen bestehe derzeit kein Bedarf, heißt es in der Mitteilung der KV.

Das sieht man aber in einigen Pflegeeinrichtungen in der Region völlig anders. Sie seien auf die mobilen Testteams angewiesen, sagt Esther Mergens-Wahlen. Sie leitet die Senioren-Residenz Haus Veronika in Reinsfeld (Trier-Saarburg). Die Zusammenarbeit mit der KV habe „wunderbar funktioniert“. Weil der Hausbesuchsdienst der KV aber völlig überraschend eingestellt worden sei, könnten nun in ihrer Einrichtung keine Bewohner mit akuten Symptomen einer Corona-Infektion mehr getestet werden.

„Die Heime wurden nicht informiert, eine Alternative ist nicht bekannt, die Hausärzte und auch der ärztliche Bereitschaftsdienst führen die Tests nicht durch“, sagt Mergens-Wahlen. Auch die Vorgaben des rheinland-pfälzischen Sozialministeriums, Bewohner, die neu aufgenommen werden oder nach einem Krankenhausaufenthalt zurück in die Einrichtung kommen, während der mindestens einwöchigen Quarantäne drei Mal zu testen, könne nicht umgesetzt werden. „Die Tests können nicht durchgeführt werden, weil nicht geklärt ist, wer diese durchführt und wer diese finanziert“, kritisiert die Heimleiterin. Bislang habe ihr niemand Auskunft darüber geben können, wer die Bewohner testen soll.

Das sagt auch Michael Pauken, Leiter des DRK-Seniorenzentrums Kell am See (Trier-Saarburg). In seiner Einrichtung gibt es noch immer mehrere Sars-CoV-2-Infektionen. Nachgewiesen worden seien diese durch Tests, die das DRK-eigene Testteam aus Kaiserslautern durchgeführt habe. „Wenn wir nicht selbst getestet hätten, hätten wir womöglich eine noch viel höhere Infektionsrate“, sagt Pauken. Er hält den Wegfall der mobilen Testteams der KV für nicht nachvollziehbar. „Das stellt uns vor riesige Probleme.“ Mitarbeiter könnten im Verdachtsfall in eine der weiter bestehenden Fieberambulanzen fahren und sich dort testen lassen. Für Bewohner komme das aber nicht infrage. Daher würden seine Mitarbeiter Bewohner mit Symptomen weiterhin selbst testen und die Tests dann mit dem Auto zum Gesundheitsamt nach Trier fahren, von wo aus diese dann in ein Labor gebracht werden. „Da muss dringend etwas passieren“, mahnt Pauken.

Dieser Meinung ist auch Dieter Hewener. Er leitet das Senioren- und Pflegeheim Holunderbusch in Lorscheid (Trier-Saarburg) und ist stellvertretender Landesvorsitzender des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste. Die Einrichtungen fühlten sich im Stich gelassen, sagt Hewener. Und das nicht nur wegen der ungeklärten Frage, wie die Tests organisiert werden sollen. Auch was die seit vergangener Woche geltenden Lockerungen der Besuchsregelungen angehe. Am Mittwoch hatte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) verkündet, dass die strikten Besuchsverbote gelockert und künftig jeder Heimbewohner für eine Stunde am Tag einen Besucher empfangen dürfe. Die entsprechende Verordnung, mit der das geregelt wird, trat bereits einen Tag später inkraft, rechtzeitig vor Muttertag. Doch viele Einrichtungen hätten die Lockerungen gar nicht rechtzeitig umsetzen können, sagt Hewener. Sie sei viel zu kurzfristig gekommen. Viele Angehörige hätten schon direkt nach der Verkündung der Neuregelung für einen Muttertagsbesuch angefragt, „bevor wir überhaupt etwas von der Lockerung wussten“, kritisiert auch Mergens-Wahlen.

Außerdem erfordere die Umsetzung der neuen Regelung mehr Personal, sagt Hewener. Besucher müssten nun zunächst einmal umfassend über die Schutzmaßnahmen aufgeklärt werden, außerdem sei eine ausführliche Dokumentation der jeweiligen Besuche erforderlich.

Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) hatte vergangene Woche angekündigt, dass die Covid-Tests in Senioreneinrichtungen ausgeweitet werden sollen. Demnach sollen in jeder Heim-Abteilung oder jedem Gebäude mit einem Corona-Fall alle Bewohner und Mitarbeiter jeweils viermal innerhalb von 14 Tagen getestet werden.

Regelmäßige Tests ohne Verdacht lehnt Bätzing-Lichtenthäler ab, weil das keine Sicherheit biete.