Kippe aus! Mehrere Bundesländer wollen das Rauchen im Auto verbieten

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesetz soll Kinder schützen : Kippe aus! Mehrere Bundesländer wollen das Rauchen im Auto verbieten

Weil Kinder sich gegen den Qualm nicht schützen können, wollen mehrere Bundesländer das Rauchen im Auto verbieten. Das findet auch eine Polizistin gut, sie sich an einen verqualmten Opel Kadett erinnert.

Ein Rauchverbot in Autos? Eine Nacht muss Sabrina Kunz darüber schlafen, um sich eine Meinung zu bilden. Als die Landeschefin der Gewerkschaft der Polizei (GdP) am Freitagmorgen beim TV-Reporter anruft, erzählt sie lachend ihre eigene Geschichte zu verqualmten Fahrten. „Als Kind habe ich immer auf der Rückbank des alten Opel Kadett gesessen, während meine Eltern vorne ordentlich geraucht haben. Das hat mich genervt“, sagt sie. Keine Frage, meint Kunz:  „Ich fände ein Rauchverbot im Auto gut.“

Tatsächlich bahnen sich deutschlandweit strengere Regeln an, die das Rauchen im Wagen zumindest dann untersagen, wenn Kinder oder Schwangere mitfahren. Länder wie Nordrhein-Westfalen haben einen Gesetzentwurf eingebracht, den die Mehrheit des Bundesrats angenommen hat. Zwischen 500 und 3000 Euro Bußgeld könnten künftig Autofahrern drohen, die am Glimmstängel ziehen, obwohl Kinder an Bord sind.

Nun ist der Bundestag am Zug, dem der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) Dampf macht. Das Nichtraucherschutzgesetz im Bund müsse dringend geändert werden, forderte er nach der Abstimmung in der Länderkammer. „Minderjährige oder ungeborene Kinder können sich dem Passivrauchen nicht selbstständig entziehen, und gerade in kleinen, geschlossenen Räumen wie Autos ist die Konzentration der Schadstoffe beim Rauchen besonders hoch“, sagte Laumann. Für illusorisch hält er es, in jedem einzelnen Bundesland strengere Regeln zu schaffen. „Welcher Raucher würde sich mit 16 verschiedenen Landesgesetzen auseinandersetzen, bevor er mit dem Auto durch die Republik fährt?“, fragt er rhetorisch.

Wohl wahr. Trotzdem stellt sich die Frage: Wer an das Rauchen im Auto denkt, während die Kinder brav auf der Rückbank hocken, hat doch eher Vati und Mutti aus den 70er und 80er Jahren im Kopf. Oder nicht? Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg warnt jedenfalls davor, die Gefahr zu unterschätzen. Rund eine Million Minderjährige seien Tabakrauch im Auto ausgesetzt, schätzen die Forscher. Die Folgen? Fatal, weil bei Kindern die Entgiftungssysteme im Körper noch nicht ausgereift seien und sie mehr Schadstoffe aufnehmen als Erwachsene. „Kinder atmen schneller“, sagt Schaller.

Der Länderantrag zum Gesetz fasst die Risiken zusammen, vor denen das Forschungszentrum warnt. Minderjährige, die wiederholt nicht von Tabakrauch verschont bleiben, erkrankten „häufiger an Lungenunterfunktion, Mittelohrentzündungen, akuten und chronischen Atemwegserkrankungen, erleiden die Verschlimmerung einer bereits vorhandenen Asthma-Erkrankung oder auch eine Erhöhung des Blutdrucks.“ Das Risiko für Aufmerksamkeitsstörungen, Übergewicht, Diabetes und Krebs – wie Leukämie – steige. 166 000 Kinder weltweit, so warnen die Mediziner, sterben jährlich an den Folgen des Passivrauchens.

Neun europäische Länder bitten Autofahrer bereits zur Kasse, wenn sie rauchen, während sie Kinder oder Schwangere kutschieren (siehe Extra). Die rheinland-pfälzische Polizistin Sabrina Kunz sieht in schärferen Regeln zugleich Hürden: „Eine Kontrolle funktioniert nur mit mehr Polizeipräsenz. Die personelle Situation ist aber schwierig“, sagt sie. Eine neue Norm werde aber nur akzeptiert, wenn die Polizei Sünder auch ertappen könne. Außerhalb der üblichen Verkehrsüberwachungen, bei denen Polizisten Autofahrer rauswinken, seien die Verbote auch schwer zu prüfen. „Eine Streife kann aus der Entfernung im Straßenverkehr unmöglich erkennen, ob die Beifahrerin im Auto schwanger ist.“

Die Rauchverbote im Auto lehnt Kunz trotzdem nicht ab. Die Landespolizistin sagt, sie sei selber Nichtraucherin, auch wegen der Touren im verqualmten Opel Kadett. Sie lacht: „Ich hatte mit 14 Jahren ein Plakat in meinem Zimmer hängen, auf dem stand: ,Vitamin statt Nikotin’.“

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